Zum Inhalt springen

Header

Navigation

Legende: Audio Irans Aussenminister Sarif ist wieder auf Posten abspielen. Laufzeit 05:01 Minuten.
Aus SRF 4 News aktuell vom 27.02.2019.
Inhalt

Zerreissprobe in Iran? «Sarif kämpft fürs Atomabkommen»

Irans Präsident Hassan Rohani hat das Rücktrittsgesuch seines Aussenministers Mohammed Sarif offiziell abgelehnt. Inzwischen hat auch dieser sein Amt wieder aufgenommen. Über die Hintergründe weiss ARD-Korrespondentin Natalie Amiri mehr.

Natalie Amiri

Natalie Amiri

Personen-Box aufklappenPersonen-Box zuklappen

Die deutsch-iranische Journalistin Natalie Amiri ist für die ARD im Nahen Osten tätig.

SRF News: Weshalb wollte Präsident Rohani den Rücktritt seines Aussenministers Sarif nicht akzeptieren?

Natalie Amiri: Rohani und Sarif sind ein Team. Sie stehen für das Atomabkommen. Rohani würde enorm an Macht verlieren, wenn sein Vorzeige-Minister, der während Jahren den Dialog mit dem Westen geführt hat, jetzt gehen würde. Offenbar hat Sarif sein Amt inzwischen tatsächlich wieder aufgenommen. Er war gerade am TV zu sehen, wie er an einem Treffen mit dem armenischen Premierminister in Teheran teilnahm.

Über die Gründe des Rücktrittsgesuchs wurde in den sozialen Medien heftig spekuliert. Weiss man mittlerweile mehr?

Der Rücktritt war in seiner Wirkung eine Art Referendum zur Aussenpolitik Rohanis und Sarifs. In letzter Zeit hat sich der Machtkampf zwischen der Revolutionsgarde und den Ministerien um den Einfluss der Politik verstärkt. Sarif scheint diesen Machtkampf nun gewonnen zu haben. Nach der Rücktrittsankündigung war klar geworden, dass er für seine Politik einen grossen Rückhalt im Volk und in der Politik hat. So wurde der Hashtag «sarifbleib» tausendfach auf Twitter verbreitet.

In Sachen Syrien hat nicht das Aussenministerium, sondern die Revolutionsgarde das Sagen.

Der direkte Auslöser für die Rücktrittserklärung am Dienstag war wohl der Besuch des syrischen Machthabers Baschar al-Assad in Teheran, an dem Sarif nicht teilnahm oder nicht teilnehmen durfte. Das hat Sarif gar nicht gefallen. Zumal im Gegenzug der Chef der al-Kuds-Brigaden, Kassem Soleimani, bei dem Treffen dabei war. Dadurch wurde klar, dass in Sachen Syrien nicht das Aussenministerium, sondern die Revolutionsgarde das Sagen hat.

War Sarif auch deshalb unter Druck gekommen, weil sich die USA aus dem Atomabkommen verabschiedet und neue Sanktionen gegen Iran erlassen haben?

In der Tat geriet Sarif mit der Kündigung des Atomabkommens durch die USA unter starken Druck. Sarifs Job steht und fällt mit diesem Abkommen, an das sich die Europäer ja weiterhin halten wollen. Erst vor wenigen Wochen wurde «Instex» eröffnet, eine Art Vermittlungsstelle, mit deren Hilfe die US-Sanktionen umgangen werden sollen. «Instex» soll die finanziellen Forderungen von Handelspartnern aus Iran und aus Europa abwickeln und so weiterhin einen wirtschaftlichen Austausch ermöglichen. Deshalb hält Sarif weiter am Atomabkommen fest. Und dafür kämpft er auch.

Das Gespräch führte Hans Ineichen.

«Eine bürokratische Fahrlässigkeit»

«Eine bürokratische Fahrlässigkeit»

Inzwischen ist es offiziell, dass der Auslöser von Sarifs Rücktritt seine Nichteinladung zum Treffen zwischen Rohani und Syriens Machthaber Assad war. Darüber sei Sarif so verärgert gewesen, dass er kurz vor Mitternacht des gleichen Tages auf seiner Instagram-Seite seinen Rücktritt erklärt habe, hiess es in Teheran. Inzwischen sei Sarif aber versichert worden, dass es sich dabei nur um eine «protokollarische und bürokratische Fahrlässigkeit» gehandelt habe. (dpa)

Schliessen

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

2 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Haller Hans  (H.Haller)
    Da haben die Europäer Hoffnungen, die sich nicht erfüllen werden. Der Iran wird seine Atombombe bauen, ob mit oder ohne Abkommen, ob mit Instex oder ohne Instex, egal der Iran wird daran festhalten, am Atomabkommen und letztlich an der Atombombe.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Luzius Brotbeck  (LuziBrot)
      Laut allen relevanten internationalen Organisationen wie IAEA und UNO hält sich Iran bis jetzt ans, trotz Aufkündigung der USA ans Atomabkommen, entgegen den gebetsmühlenartigen Behauptungen der USA und Israels.

      Im Gegensatz zu Israel, USA, Frankreich, UK, Pakistan, Indien, Russland und China, hat Iran keine Atombomben und übrigends auch noch nie ein anderes Land angegriffen. Zudem hat Iran ein wesentlich kleineres Militärbudget als z.B. die Saudis, die nach USA und China, Platz 3 belegen.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen