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Astra-Zeneca erneut in der Kritik
Aus Echo der Zeit vom 11.03.2021.
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Impfstopp in mehreren Ländern Vertrauen in Covid-Impfstoff von Astra-Zeneca schrumpft

Der schwedisch-britische Pharmakonzern Astra-Zeneca kommt aus den Negativschlagzeilen nicht heraus. Dänemark und Norwegen haben nun aus Gründen der Vorsicht entschieden, die Impfdosen von Astra-Zeneca vorerst nicht mehr zu verabreichen. In Österreich und Italien wurde vorsorglich eine Charge des Impfstoffs aus dem Verkehr gezogen. Wissenschaftsredaktor Thomas Häusler mit den Details.

Thomas Häusler

Thomas Häusler

Wissenschaftsredaktor

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Thomas Häusler ist Wissenschaftsredaktor bei SRF. Er hat in Biochemie doktoriert und eine Weiterbildung in Wassermanagement an der Uni Genf absolviert. Seit 2013 ist er Leiter der Wissenschaftsredaktion.

SRF News: Woher rühren diese Bedenken?

Thomas Häusler: Es sind bei Geimpften schwere Fälle von Blutgerinnseln aufgetreten. Dänemark hat deshalb die Impfungen für zwei Wochen ausgesetzt. In Österreich war Ähnliches der Grund. Aber die dänischen Behörden betonen, es sei kein Zusammenhang zwischen Impfung und den Gerinnseln bewiesen.

Blutgerinnsel sind gar nicht so selten.

Deutschland und Grossbritannien impfen denn auch weiter. Ein Vertreter der britischen Zulassungsbehörde hat gesagt, es seien bisher elf Millionen Briten mit dem AstraZeneca-Impfstoff geimpft worden – und man habe trotz Überwachung bei Geimpften nicht mehr Fälle von Blutgerinnseln gesehen, als sie sonst auch auftreten. Das ist nämlich gar nicht so selten.

Haben die anderen Impfstoffhersteller auch solche Probleme?

Wenn viele Millionen in kurzer Zeit geimpft werden, treten zwangsläufig bei manchen schwere Zwischenfälle auf, die nichts mit dem Impfstoff zu tun haben. Es traf zum Beispiel auch schon den Impfstoff von Pfizer/Biontech. Es starben einige sehr alte Menschen kurz nach der Impfung, das machte Schlagzeilen – aber die norwegischen Behörden untersuchten die Fälle und fanden keinen Zusammenhang. Aber natürlich ist eine intensive Untersuchung, wie sie jetzt in Dänemark passiert, wichtig.

Zunächst hiess es, der Impfstoff von Astra-Zeneca sei möglicherweise bei älteren Patientinnen und Patienten nicht ganz so zuverlässig wie andere Präparate. Sind diese Bedenken noch aktuell?

Nein, anfangs gab es eine schmerzliche Datenlücke. Man konnte kaum Verlässliches über die Schutzwirkung bei den über 65-Jährigen sagen. Aber das hat sich geändert: Grosse Untersuchungen in Schottland und England, wo der Impfstoff millionenfach verabreicht worden ist, haben gezeigt, dass sogar über 80-Jährige zu 80 Prozent vor einer Hospitalisierung wegen Covid-19 geschützt werden. Das hat zum Beispiel die deutsche Impfkommission überzeugt. Sie ist auf einen früheren Entscheid zurückgekommen und empfiehlt den Astra-Zeneca-Impfstoff nun neu auch für ältere Menschen.

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Aus dem Archiv: Swissmedic wartet auf Studien zu Astra-Zeneca
Aus Tagesschau vom 06.03.2021.
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Der Impfstoff von Astra-Zeneca soll ja auch in der Schweiz zur Anwendung kommen, wartet jedoch nach wie vor auf die Zulassung. Wenn man nun hört, der Impfstoff sei trotz aller Negativschlagzeilen gut, dürfte auch die Zulassung bald kommen?

Swissmedic hat am Mittwoch noch einmal via Twitter betont, dass ihr noch Daten aus den formalen klinischen Studien fehlen, die Studien aus Grossbritannien könnten dieses Manko nicht ausgleichen. In den USA läuft noch eine klinische Studie zum Astra-Zeneca-Impfstoff – diese sollte bald fertig sein und darauf wartet Swissmedic wohl. Christoph Berger, der Präsident der Eidgenössischen Impfkommission, sagt auf Anfrage, man müsse die Zulassung abwarten – aber wegen der aktuellen Knappheit wäre ein zusätzlicher Impfstoff willkommen. Berger hält die mRNA-Impfstoffe von Pfizer/Biontech und Moderna für leicht besser, aber der Astra-Zeneca-Impfstoff sei auch gut und darum könnte man den alten Menschen, die noch keinen Impftermin haben, die Wahl lassen – entweder sofort Astra-Zeneca impfen oder auf den mRNA-Impfstoff warten.

Das Gespräch führte Roger Brändlin.

Korrigendum

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In einer früheren Version dieses Artikels hiess es, Österreich und Italien hätten die Impfungen mit dem Impfstoff von Astra-Zeneca vorübergehend gestoppt. Österreich und Italien haben jedoch lediglich eine Charge des Impfstoffs zurückgezogen, halten aber grundsätzlich an den Impfungen mit Astra-Zeneca fest.

Echo der Zeit, 11.3.2021, 18 Uhr;

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63 Kommentare

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  • Kommentar von lorenz Bertsche  (lorenz.bertsche)
    Ich bin froh dass die Schweiz in der Impfstoffbeschafung nicht die Schnellsten sind. Namhafte Wissenschaftler, Virologen, Professoren die Jahrzehntelang in der Impfherstellung geforscht haben haben davon gewarnt. Doch oft wurden diese Mundtot gemacht. Die Impfungen kommen zu früh. Die Langzeitfolgen sind gar nicht erforscht. Alles zu kurzfristig. Dies nur aus Angst u. Panik.
  • Kommentar von Max Borer  (BorerMax)
    Wie soll den eine genaue Untersuchung zeigen ob ein Zusammenhang mit dem Impfstoff besteht. Das ist einfach nicht beweisbar.
    1. Antwort von Aurel Specker  (Auspec)
      Ja und nein.
      Besteht ein Zusammenhang zwischen Blutgerinnsel und dem Impfstoff, muss es automatisch mehr Blutgerinnsel-Vorfälle nach der Impfung geben als ohne. Dafür muss man lediglich eine Kontrollgruppe ebenfalls so genau beobachten wie die Impfgruppe.

      Gibt es keinen statistischen Unterschied, sind die Blutgerinnsel nicht von der Impfung ausgelöst.
      Aber klar, so prüft man nicht die Kausalität direkt, sondern der Effekt auf das Endresultat.
  • Kommentar von Peter Müller  (PeRoMu)
    Ich frage mich immer wieder, ob die Meldungen zu AstraZeneca in EU-Gefilden auch so negativ ausfallen würden, wenn der Impfstoff nicht aus Grossbritannien käme und wenn die Briten bei der Impfung nicht so erfolgreich wären ...
    1. Antwort von Claudia Beutler  (Claudia)
      Das kann man ich fragen und damit die Mähr schüren , bei gönne den Briten den Erfolg nicht. Ich denke man ist vorsichtig, weil hier viel sowieso den Impfstoffen mistrauen, weil diese angeblich so schnell entwickelt wurden. Wenn nun etwas passiert wäre und AstraZeneca wurde geimpft, wär das Geschrei gross. Auch wenn das Medikament ursächlich nicht mit dem Problem zu tun hatte.
    2. Antwort von Dominic Müller  (Domi3)
      So wie wir über die US Amerikaner, Briten und Israel letzten Herbst und Winter wegen des nicht immer konsequent durchgeführten Shutdowns den Kopf schüttelten, werden diese nun das Gleiche über uns Festlandeuropäer denken, da wir nicht pragmatisch handeln.
    3. Antwort von Verena Schär  (Nachdenklich)
      Vermutlich warten alle auf Sputnik. Krieg der Impfstoffe nenne ich das. Ausserdem sind andere in der Pipeline.
    4. Antwort von Konrad Pfister  (Konrad Pfister)
      Das frage ich mich auch...