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Wie sicher sind erste Corona-Impfstoffe?
Aus Echo der Zeit vom 15.10.2020.
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Warten auf Corona-Impfstoff Blick auf die Wunschliste der Impfstoff-Experten

Bei Swissmedic läuft das erste rollende Zulassungsverfahren für einen Covid-Impfstoff. Weitere Anträge werden erwartet.

Die, die sich auskennen, rechnen nicht damit, dass es bald den einen Corona-Impfstoff geben wird, der alles kann. Im Grunde wollen sie diesen einen noch nicht einmal. Sie wollen mehrere. Es gibt fast so etwas wie eine Art Impfstoff-Wunschzettel unter Experten.

Mittel gegen schwere Verläufe hat Priorität

Für die Risikogruppen, die nach einer Infektion eher einen schweren Verlauf durchmachen, braucht es gemäss diesem Wunschzettel so schnell wie möglich einen Impfstoff, damit man sie bald schützen kann. Sein Risikoprofil darf etwas schärfer, also risikoreicher, sein.

Denn jene, die einen schweren Krankheitsverlauf fürchten müssten, nähmen unter Umständen mehr Nebenwirkungen in Kauf, weil für sie die Krankheit potenziell viel gefährlicher sei, erklärt Christoph Berger, Präsident der Eidgenössischen Kommission für Impffragen. Einen solchen Impfstoff werde es wohl zuerst geben, vermutet er.

Wer einen schweren Verlauf fürchten muss, nimmt unter Umständen mehr Nebenwirkungen in Kauf. Einen solchen Impfstoff wird es wohl zuerst geben.
Autor: Christoph BergerPräsident der Eidgenössischen Kommission für Impffragen.

Ein Impfstoff für Immunschutz

Die zweite Sorte Impfstoff auf dem Wunschzettel muss sehr sicher sein. Denn er sollte an möglichst alle in der Bevölkerung verimpft werden können. Und er sollte effektiv dafür sorgen, dass Geimpfte nicht nur weniger schwer krank, sondern gar nicht mehr infiziert werden.

Er muss laut Berger den Immunschutz so gut aktivieren, dass er den Körper befähigt, dem Virus schon an der Eintrittspforte zu sagen: «Du kommst da gar nicht rein.» Das Virus könne sich dann gar nicht so vermehren und werde auch nicht weitergegeben. Das ist für einen Impfstoffdesigner ein wesentlich komplizierteres Ziel. Deshalb rechnet Christoph Berger auch damit, dass es solche Impfstoffe erst sehr viel später geben wird.

Ohne Sicherheit kein Vertrauen

Passen die Impfstoffkandidaten ins jeweilige Wunschprofil, wird sie die Kommission zur Anwendung empfehlen. Aber Berger betont: «Wir werden in der Schweiz solche Impfstoffe erst empfehlen, wenn es überzeugende Daten zur Wirksamkeit, Sicherheit und Verträglichkeit dieser Impfstoffe gibt.»

Er plädiert für Sorgfalt: «Wir müssen diese Impfstoffempfehlungen so vorsichtig machen, dass wir das Vertrauen der Bevölkerung haben. Das ist entscheidend. Denn ohne Vertrauen werde sich niemand impfen lassen, egal ob er oder sie zu einer der Risikogruppen gehört oder nicht.»

Hohe Erwartungen an Swissmedic

Swissmedic ist die Stelle, die sich in der Schweiz anschaut, was die Impfstoffkandidaten können und wie sie sich in den klinischen Studien schlagen. Diese Stelle erfährt als erste, ob unter den vielen Kandidaten einer ist, der ins Wunschprofil von Berger passt.

Bei Swissmedic tun sie viel dafür, dass das so schnell wie möglich klar wird. Schon im Frühjahr sei deutlich gewesen, dass das notwendig sei, sagt Claus Bolte, Leiter der Abteilung für Zulassung: «Wir alle, die bei Swissmedic arbeiten, sind uns der Tatsache voll bewusst, dass die Erwartungen in der Bevölkerung, Wirtschaft und Politik enorm hoch sind. Das müssen wir aber für eine objektive wissenschaftliche Prüfung herausfiltern, um uns eben wirklich den Daten der Evidenz und den Grundlagen zuzuwenden und diese professionell prüfen zu können.»

Erster Impfstoff in rollender Zulassung

Seit letzter Woche läuft bei der Behörde ein sogenanntes rollendes Zulassungsverfahren für einen ersten Impfstoff. Es ist der von Astra Zeneca, entwickelt von Forschern der Universität Oxford. Rollend heisst, dass Swissmedic die Daten aus den Impfstoffstudien laufend prüft. Also während sie erhoben werden und nicht erst dann, wenn die Studie abgeschlossen ist.

Es ist der Impfstoff, der vor einigen Wochen für Schlagzeilen sorgte, weil eine Probandin der Studie krank geworden war und die Versuche deshalb zwischenzeitlich gestoppt wurden. Inzwischen hat Astra Zeneca die Arbeit wieder aufgenommen.

Nur bei gut designten Studien fallen solche einzelnen Zwischenfälle überhaupt auf.
Autor: Christoph BergerPräsident der Eidgenössischen Kommission für Impffragen.

Das zeige, dass bei den klinischen Studien keine Kompromisse gebe, sagt Berger von der Kommission für Impffragen. Nur wenn die Studien gut designt seien, würden solche einzelnen Zwischenfälle überhaupt auffallen.

Swissmedic: Vielfalt erhöht Erfolgschancen

Bolte rechnet damit, dass es nun schnell weitere Anträge auf eine rollende Zulassung von Impfstoffen geben wird: «Das geht im Wochen-, teilweise Tagestakt. Darauf bereiten wir uns vor.»

Er kann das abschätzen, weil seine Behörde schon sehr früh, lange vor dem Antrag auf Zulassung, mit den Impfstoffentwicklern Kontakt aufnimmt. Rollende Zulassung, früher Austausch mit den Herstellern, all das ist keine neue Erfindung. «Aber auf diese Weise, so intensiv und kondensiert, haben wir das bislang noch nicht gehabt», sagt Bolte.

Wir bereiten uns auf weitere Anträge auf eine rollende Zulassung im Wochen- oder Tagestakt vor.
Autor: Claus BolteSwissmedic, Leiter der Abteilung für Zulassung

Es helfe sehr, dass man mit Kollegen weltweit vernetzt sei, bei der EMA und bei der FDA, der europäischen und der amerikanischen Zulassungsbehörde. Dieser Austausch habe sich als ganz besonders wertvoll erwiesen. «Sie bekommen die gleichen Gesuche und die gleichen Fragen wie wir.»

Fragt man ihn, wie optimistisch er ist, antwortet Bolte zurückhaltend. Die Vielfalt erhöhe die Chance auf Erfolg: «Allein dadurch wird es möglich sein, dass wir durch die enge Zusammenarbeit mit den Firmen und auch im internationalen Austausch mehrere Impfstoffkandidaten bis an die Zielgerade bringen.»

Echo der Zeit, 15.10.2020, 18:00 Uhr

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18 Kommentare

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  • Kommentar von Olaf Schulenburg  (freier Schweizer)
    Gute Frage an die Impfgegner: Was spricht eigentlich gegen eine Impfung, ganz sachlich gesehen? Wieviele haben die empfohlenen Impfungen bei sich selber und ihren Kindern durch geführt? Und das sind ja viele. Diphtherie, Starrkrampf, Keuchhusten, Kinderlähmung, Haemophilus influenzae Typ B, Heptitis A und B
    HPV (Gebärmutterhalskrebs) Pneumokokken, Tuberkolose, Masern, Mumps, Röteln, FSME und natürlich die ganzen Impfungen für Reisen in ferne Länder. Und gerade die sind ja nicht ohne.
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    1. Antwort von Halbeisen Charles  (chh)
      Kommt auf die Impfung darauf an. Einige nützen viel, andere schaden mehr, zb die saisonale Grippenimpfung. Die Impfgegner handeln genau so rational wie sie. Nur kommen sie zu anderen Schlüssen. Gegenfrage: Was spricht eigentlich dagegen, das eigene Immunsystem natürlich zu verwenden, wie es durch die Evolution entstanden ist?
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    2. Antwort von Tony Hughes  (Tonemeyer)
      @Halbeisen Charles: Dagegen spricht, dass Starrkrampf, Kinderlähmung ect. extrem schwere Krankheiten sind, welche das Immunsystem nicht so einfach besiegt. Ich bin froh, dass weder ich, noch jemand den ich kenne so eine furchtbare Krankheit hat. Wenn ich schon nur 30 Jahr älter wäre, wäre das vermutlich nicht so. Das haben wir Impfungen zu verdanken. Darum wurde ich geimpft und meine Kinder werden es auch. Die möglichen Nebenwirkungen sind im Gegensatz zum potenziellen Schaden vernachlässigbar.
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    3. Antwort von Olaf Schulenburg  (freier Schweizer)
      @Huges: Genau. Mehr gibt es wirklich nicht zu sagen. Spannend finde ich schon, das auch Impfgegner sich gegen Tropenkrankheiten impfen lassen damit sie in die Ferien können, bei der Coronaimpfung aber schon eine böse Verschwörung wittern.
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    4. Antwort von Andrea Oswald  (Hu?)
      Für mich spricht dagegen (in Bezug auf die RNA-Impfstoffe):

      Noch nie erfolgreich angewendetes Verfahren. Funktioniert seit 20 Jahren nur in der Theorie. Lässt meinen eigenen Körper den Stoff produzieren, gegen den mein Körper eine Immunabwehr aufbauen soll. Finde ich riskant.

      Entwicklungszeitraum: Extrem kurz.
      Folgen: Unbekannt.
      Mögliche langzeit Schädigungen: Unbekannt.
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    5. Antwort von Denise Hänggi  (DHaenggi)
      @Olaf Schulenburg
      Man muss kein Impfgegner/in sein, um eine Corona-Impfung abzulehnen, es genügt sich ausführlich darüber zu informieren.
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    6. Antwort von Etienne Möri  (etmo)
      @Olaf Schulenburg: Dagegen spricht die Notfallzulassung bevor die Phase 3 im teleskopierten Verfahren abgeschlossen ist und die klinischen Daten aller Probanden vorliegen. Abschluss Phase 3 AstraZeneca: Okt. 2021, Moderna: Okt. 2022. AstraZeneca: Bei 2 von 16'000 Probanden trat eine neurologischen Autoimmunerkrankung auf die zu einer dauerhaften Querschnittslähmung führen kann. Zielvorgabe der WHO ist 50% der geimpften Personen vor einer Corona Erkrankung (nicht Infektion) zu schützen.
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  • Kommentar von Manu Meier  (Manuel Meier)
    Vergesst das mit dem Impfstoff. Das wird nicht unsere prophezeihte Rettung werden. Nicht dieser Winter und auch nicht den nächste. Reiht Corona zu den Influenza und anderen Jährlichen Viren mit ein und dann leben wir damit, wie es schon immer war. Irgendwann wird dann Covid 19 zu den anderen 4 schnupfen Corona Viren dazu gezählt, wenn wir es mal durch haben. So ist die Natur.
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  • Kommentar von Bruno Lüscher  (Eire)
    Statt auf Impfungen, die alle noch tief in den Versuchsphasen stecken, zu warten, könnte der Bund und Swissmedic sich mal mit dem Artzneimittel RLF-100 von Relief besser befassen. Die Versuche in Phase III in den USA sind bis jetzt überzeugend und die Zulassung sollte demnächst erfolgen. Es könnte zumindest eine Lösung sein bis die ersten Impfstoffe geprüft und erhältlich sind.
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