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Wie kann man das Weltkulturerbe besser schützen?
Aus SRF 4 News aktuell vom 30.07.2021.
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Weltkulturerbe der Unesco Klimawandel ist die Hauptgefahr für Natur- und Kulturgüter

In Rom treffen sich heute die Kulturministerinnen und -Minister der 20 wichtigsten Industrie- und Schwellenländer. Sie sprechen über den Einfluss des Klimawandels auf den Kulturbereich. Ziel ist es, die Bedeutung der Kulturerbestätten ebenso wie ihre Gefährdung zu verdeutlichen. Mechtild Rössler vom Welterbezentrum in Paris plädiert für mehr Brandschutz und Flutpläne.

Mechtild Rössler

Mechtild Rössler

Direktorin Unesco-Welterbezentrum

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Mechtild Rössler ist seit 2014 Leiterin des Unesco-Weltkulturerbezentrums in Paris.

SRF News: Worin sehen Sie die grösste Gefahr für die Kulturgüter?

Mechtild Rössler: Im Moment ist die grösste Gefahr für beide – die Kultur- und Naturgüter, die wir bei der Unesco im Rahmen der Welterbe-Konvention schützen – der Klimawandel. Das zeigen die Flutkatastrophen, wie sie gerade in Deutschland und Belgien, als auch in China stattfanden. Wir sehen immer mehr solche Situationen. Es gibt immer mehr Brände, Dürreperioden und Stürme.

Wir werden Veränderungen im Weinbau erleben und in den Traditionen, die seit Jahrhunderten existieren.
Autor:

Und das hat Auswirkungen auf das Kultur- und Naturerbe, aber auch auf die Menschen, die dem Klimawandel ausgesetzt sind. Das heisst, es wirkt sich auf unsere Traditionen, das lebendige Erbe und die sozialen Praktiken aus. Darauf sollten wir beim Kulturmanagement mehr achten.

Wie führt der Klimawandel zu Problemen für das Weltkulturerbe?

Extreme Wetterbedingungen beeinflussen die Bauten. Man denke an Venedig. Die Lagunenstadt meldet im Vergleich zu früheren Jahren immer mehr Hochwasser. Das heisst, man muss grosse Restaurierungsarbeiten unternehmen. Ich denke, dass wir den Klimawandel weltweit in die einzelnen Managementpläne der Kultur- und Naturerbestätten mit aufnehmen sollten.

Die Situationen mit den Überflutungen haben klargemacht: So kann es nicht weitergehen.
Autor:

Den Klimawandel in die Managementpläne einbeziehen – was meinen Sie damit?

Viele Managementpläne sind traditionelle Pläne, bei denen man nicht viele Risiken mit einbezogen hat. Aber die Situationen mit den Überflutungen haben klargemacht: So kann es nicht weitergehen. Wir müssen uns auf extreme Wetterbedingungen einstellen, die das Welterbe und das historische Erbe insgesamt gefährden. Das heisst, wir müssen beim Schutz von Bauten auch vermehrt auf die Bauweisen achten, zum Beispiel mit einem verstärkten Brandschutz.

Wie kann man Kulturerbe in gefährdeten Gebieten besser schützen oder retten?

Es muss Flutpläne geben, die auf verschiedene Stufen ausgerichtet sind. Aber selbst die besten Flutpläne helfen nicht, wenn die Bevölkerung nicht gewarnt ist. Sie muss einbezogen werden in die Diskussion: Was kann passieren, was kann man retten? Es gibt Studien über Museen weltweit, wie einzelne Objekte gerettet werden können. Der Louvre, das Museum, das direkt an der Seine in Paris liegt und Teil des Weltkulturerbes ist, hat zum Beispiel genaue Pläne, was zu tun ist, wenn das nächste grosse Hochwasser kommt, und zwar ganz kurzfristig.

Der Mensch passt sich mit der Zeit an

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Legende: Keystone

Angesichts der Bedrohungen durch den Klimawandel betont Mechtild Rössler von der Unesco, dass die Kultur auch das «Potenzial zur Resilienz» habe. Das bedeutet, die Menschen haben über die Jahrtausende verschiedene, sich ändernde Bedingungen erlebt und haben sich angepasst.

«Bei den europäischen Weinbaulandschaften zum Beispiel, die wir auf die Weltkulturerbeliste genommen haben, sowohl im Lavaux als auch in der Wachau oder im Mittelrheintal, werden wir Veränderungen im Anbau erleben und in den Traditionen, die seit Jahrhunderten existieren», ist Rössler überzeugt.

Beim Treffen in Rom soll es nach Angaben des italienischen Kulturministers eine gemeinsame Erklärung geben. Was strebt man da genau an?

Festzuhalten, dass das Kultur- und Naturerbe bedroht ist vom Klimawandel und dass eine gemeinsame Aktion nötig ist. Auch beim Welterbekomitee haben wir eine neue Politik speziell zum Klimawandel verabschiedet. Sie betrifft die 194 Staaten, die die Welterbe-Konvention unterzeichnet haben. Da sprechen wir sowohl die Politik an, als auch die Direktorinnen und Direktoren der einzelnen Stätten und der Gemeinden vor Ort, damit sie sich auf den Klimawandel vorbereiten können.

Das Gespräch führte Raphael Günther.

SRF 4 News, 30.07.2021, 08:45 Uhr;

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17 Kommentare

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  • Kommentar von Alois Keller  (eyko)
    Meiner Meinung nach ist nicht der Klimawandel die Hauptgefahr für Natur- und Kulturgüter. Millionen Menschen, die mit Kreuzfahrtschiffen, Flugzeug und Autos quer durch die Welt reisen an diese Orte. Viel Co2 wird verbraucht und Ökosystme werden gestört. Wenn unterschiedliche Interessen aufeinander prallen wie Einheimische die sich durch zu viele Touristen gestört fühlen, aber die wirtschaftlichen Interessen alles überragen, muss mit mehr Verantwortung gehandelt werden. Natur ist die Verliererin
  • Kommentar von Markus Gasser  (Markus Gasser)
    In einigen tausend Jahren werden die Unterwasserarchäologen riesige Betonwüsten durch
    durchschwimmen und sich fragen, warum wir nicht in der Lage waren die Zerstörung unserer Lebensgrundlage zu verhindern. Die dann noch existierende Menschheit wird vielleicht reifer, weiser, umsichtiger sein und zum Glück kein Oel mehr haben, das sie zur Selbstzerstörung reizen könnte. Ich bin optimistisch.
    1. Antwort von Walter Freiburghaus  (sophisticated)
      Nein Herr Gasser das werden die nicht fragen, wie auch wir nicht fragen, warum die das vor 10'000 und mehr Jahren nicht im Griff hatten.
      Auf dem Brienzer Rothorn können Sie ohne graben Fossilien von Meeresbewohnern finden. War alles schon mal, vielleicht schon viele Male!
  • Kommentar von Franco Caroselli  (FrancoCaroselli)
    Und alle sind Klimafreundlich angereist. Oder?