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Die Welt startet die wohl grösste Impfaktion der Geschichte
Aus Rendez-vous vom 12.01.2021.
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200 Jahre Impfgeschichte Seit geimpft wird, gibt es auch Bedenken dagegen

Das Impfen hat Menschen schon vor zahlreichen Krankheiten geschützt und Pandemien beendet. Doch es gab auch Pannen.

Die Geschichte des Impfens beginnt im 18. Jahrhundert. Damals leiden die Menschen unter den Pocken. Die hochansteckende Krankheit verbreitet sich schnell von Mensch zu Mensch und fordert allein in Europa jährlich hunderttausende Todesopfer. In England beobachten Ärzte, dass Leute, die die Kuhpocken durchgemacht haben, nicht mehr an den Pocken erkranken.

Der Landarzt Edward Jenner wagt 1796 den Versuch. Er entnimmt einer mit Kuhpocken infizierten Melkerin ein bisschen Eiter und ritzt diesen einem achtjährigen Jungen in den Arm. Ein erster Meilenstein der Impfgeschichte.

Mit dem Labor beginnt das moderne Impfen

«Das ist der erste Fall des Impfgedankens, dass durch das Erzeugen einer Abwehrreaktion im Kontakt mit den Kuhpocken eine Immunität gegen die menschlichen Pocken erzeugt werden könnte», sagt Flurin Condrau, Medizingeschichtsprofessor an der Universität Zürich. Die Impfung funktioniert, auch wenn damals noch niemand weiss, was ein Virus ist.

Die moderne Impfgeschichte beginnt allerdings erst um 1870. Damals entwickeln Wissenschaftler wie Louis Pasteur und Robert Koch das medizinische Labor. «Im Moment, in dem die Forschung anfängt, im Labor zu versuchen, Krankheitserreger selbst zu identifizieren und mit ihnen umzugehen, wird der Impfgedanke auf eine ganz neue Grundlage gestellt.»

Versuche können durchgeführt werden, zum Beispiel mit abgeschwächten oder abgetöteten Erregern. «Das macht das moderne Impfen erst möglich.»

Pasteur und Koch entwickeln auf die Art Impfungen gegen Milzbrand und Tollwut. Im 20. Jahrhundert kommen immer mehr Impfstoffe dazu, etwa jener gegen Kinderlähmung. 1980 erklärt die WHO die Pocken für ausgerottet – einer der grössten Erfolge des Impfens, so Condrau. «Durch Impfstoffe ist die Kontrolle von ansteckenden Krankheiten entscheidend verändert worden.»

Verunreinigung führt zu 77 Todesopfern

Doch es gibt auch Fehlleistungen. Ein Skandal ist das Lübecker Impfunglück von 1930, als 77 Kinder an einer verunreinigten Tuberkuloseimpfung sterben. Solche Fälle bedeuten immer auch einen Vertrauensverlust. Die Impfskepsis gibt es schon so lange, wie es Impfungen gibt. In der Schweiz lehnt das Volk 1882 das Epidemiengesetz klar ab, weil darin eine Impfpflicht vorgesehen ist.

In der Debatte zum aktuellen Epidemiengesetz von 2013 dreht sich der Abstimmungskampf auch praktisch nur um das Impfobligatorium, das der Bund in Notsituationen ergreifen könnte. Das Gesetz wird angenommen.

SRF-Wissenschaftsredaktor Thomas Häusler sagt, die heutige Skepsis sei auch damit verbunden, dass viele Menschen Alternativen zur wissenschaftlichen Schulmedizin vertrauten. «Leute, die sich für Alternativmedizin erwärmen, sind oft auch impfskeptisch.»

Nebenwirkungen werden überschätzt

Nicht wenige von ihnen würden alternative Heilmethoden der Schulmedizin vorziehen. «Und damit ist einfach oft Impfskepsis verbunden.» Aus wissenschaftlicher Sicht sei der Vergleich zwischen dem Risiko von Nebenwirkungen und dem Schutz vor der Krankheit entscheidend.

«Oft ist es so, dass die Leute, die impfskeptisch sind, die Gefahren durch eine Krankheit eher unterschätzen und die Gefahren durch Nebenwirkungen der Impfung eher überschätzen», sagt Häusler. Die WHO schätzt, dass Impfstoffe jedes Jahr zwei bis drei Millionen Todesfälle verhindern. Die Geschichte des Impfens ist eine Erfolgsgeschichte, darin sind sich die Experten einig.

Lassen Sie sich impfen?

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Seit wenigen Wochen wird in der Schweiz gegen Corona geimpft. Viele fragen sich, ob die Corona-Impfung ausreichend sicher und wirksam ist, und, ob sich am Ende genug Menschen werden impfen lassen, um die Ausbreitung des Virus tatsächlich zu bremsen.

Erzählen Sie uns: Werden Sie sich impfen lassen? Wenn ja, warum? Wenn nein, warum nicht? Und: Fühlen Sie sich gut genug aufgeklärt?

Senden Sie uns Ihre Gedanken per Textnachricht oder sehr gerne auch als Sprachnachricht an 079 878 6501. Wir wollen Ihre Gedanken für die Sendung «Kontext» auf SRF 2 Kultur verwenden.

Danke schon jetzt! Liebe Grüsse, SRF News und SRF Wissenschaftsredaktion

Rendez-vous, 12.01.2021, 12:30 Uhr

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119 Kommentare

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  • Kommentar von Simon Pfister  (Simon Pfister)
    Man muss nicht bis ins Jahr 1930 zurück gehen, um Fehlleistungen zu finden. Im 2009 gab es 161 nachgewiesene Fälle von Narkolepsie als Spätfolge der Impfung gegen die Schweinegrippe. Alles andere als harmlos.
  • Kommentar von Denise Casagrande  (begulide)
    Es wird sich weisen, ob die Impfkampagne einerseits die Pandemie effektiv ausbremsen kann, da verschiedene Virus-Mutationen ebenfalls aktiv sind? Hinzu kommt, dass die gesamte Bevölkerung der Schweiz von der Pandemie betroffen ist, was weiterhin der entsprechenden, disziplinierten Massnahmen-Umsetzungen "ALLER" Personen bedarf!
  • Kommentar von Gabriella Itin  (Salat)
    Das Impfen unterstütze ich nicht. Der Grund ist ich bin Tierfreund und um nichts auf der Welt kann ich Tierversuche unterstützen. Dazu kommt das ich auch die Chemie nicht unterstützen möchte. Zudem liegt es nicht an der Unterschätzung von Nebenwirkungen. Sondern es gibt Sie. Auch ist es wichtig, dass der Körper selbst Abwehrkräfte entwickelt. Jedes mal nimmt man dem Körper in vornherein weg und schwächt das Immunsystem. Deshalb wünsche ich mir zurück in Alltag ohne Impfung etc.
    1. Antwort von Christoph Rebholz  (Charlie Romeo)
      Eine aktive Impfung ist nichts anderes als ein verordnetes Training der Abwehrkräfte, als Immunsystem. Es wird ihm ein Erregerbestandteil präsentiert und es muss darauf reagieren. Eigentlich genau in Deinem Sinne, nicht?