Zum Inhalt springen

Header

Zur Übersicht von Play SRF Audio-Übersicht

Abstimmung Kanton Uri Entschädigung für Abgewählte fällt weg – wegen des Spardrucks?

  • Das Urner Stimmvolk hat eine Initiative der Jungen SVP angenommen.
  • Diese verlangt, dass abgewählte Regierungsrätinnen und Regierungsräte künftig keine Abwahlentschädigung mehr erhalten.
  • Das Volksbegehren ist in sämtlichen 19 Gemeinden erfolgreich.
  • Die Stimmbeteiligung liegt bei 50.6 Prozent.

Abschaffung Abgangsentschädigungen Regierungsrat

Kanton Uri: Volksinitiative «Streichung der Abgangsentschädigung für den Urner Regierungsrat»

  • JA

    66.6%

    8'886 Stimmen

  • NEIN

    33.4%

    4'460 Stimmen

Energiegesetz

Kanton Uri: Teilrevision des Energiegesetzes

  • JA

    75.1%

    9'522 Stimmen

  • NEIN

    24.9%

    3'163 Stimmen

Seit dem 1. Januar 2006 erhalten abgewählte Urner Regierungsmitglieder sechs Monatslöhne als Entschädigung. Vorausgesetzt, man ist zum Zeitpunkt der Abwahl noch nicht 62 Jahre alt.

Die Junge SVP hält die Abgangsentschädigung von rund 90'000 Franken nicht mehr für zeitgemäss: Es dürfe nicht sein, dass ehemalige Regierungsmitglieder mit «fürstlichen Abgangsentschädigungen» ausgestattet werden. «Goldene Fallschirme» seien nicht mehr zeitgemäss, so die Jungpartei. Zudem müsse der Kanton Uri finanziell den Gürtel enger schnallen.

Nun sagte die Bevölkerung klipp und klar: So geht es nicht.
Autor: Fabio Affentranger SVP-Landrat

Dass das Stimmvolk die Initiative derart deutlich gutheissen würde, hat Fabio Affentranger, SVP-Landrat und Mitglied der Jungen SVP, nicht erwartet. «Wir freuen uns sehr über das gute Resultat.» Offenbar habe seine Partei den Puls der Bevölkerung gespürt. «Die Abgangsentschädigung war ein grosses Thema in der Bevölkerung.»

In den letzten beiden Jahren habe man im Kanton Uri kleine Beträge gestrichen, «teils über 1000 Franken diskutiert», bei den Politikerinnen und Politikern hingegen habe man nichts gespart. «Nun sagte die Bevölkerung klipp und klar: So geht es nicht.»

Acht Personen in Anzügen vor einem historischen Gebäude.
Legende: Die aktuelle Urner Kantonsregierung mit Kanzleidirektor Roman Balli (ganz links). Keystone/Urs Flüeler

Dass der Spardruck den Entscheid beeinflusst hat, glaubt auch Landammann Christian Arnold. «Vorlagen zu Sitzungsgeldern und Amtsentschädigungen sind schwierig durchzubringen.» Zudem sei es den Parteien nicht gelungen, das Volk genügend aufzuklären. «Die sechs Monatslöhne sollten primär dafür sorgen, dass es nach einer Abwahl nicht zum Härtefall kommt.»

Uri nimmt nun Sonderstellung ein

Uri ist damit in der Zentralschweiz der einzige Kanton, der keine Abgangsentschädigung mehr kennt. Fabio Affentranger sieht dies nicht als Nachteil für die Rekrutierung von Regierungsmitgliedern. «Im Gegenteil», sagt der 36-jährige Kantonspolitiker, welcher der Jungen SVP angehört, «wir nehmen damit eine Vorreiterrolle ein».

Gerade Inhaber von Gewerbebetrieben werden sich künftig eine Kandidatur sehr gut überlegen.
Autor: Christian Arnold Landammann

Landammann Christian Arnold dagegen sagt: «Gerade Inhaber von Gewerbebetrieben werden sich künftig eine Kandidatur sehr gut überlegen. Denn es sei nicht immer möglich, eine Firma neben der Politik parallel weiterlaufen zu lassen.» Auch jüngere Leute könnte der Entscheid abschrecken.

Neuer Landammann gewählt

Box aufklappen Box zuklappen

Die Urner Stimmberechtigten haben am Sonntag Daniel Furrer (Mitte) zum neuen Landammann gewählt. Die Amtsperiode des Justizdirektors dauert bis 31. Mai 2028. Der Erstfelder übernimmt turnusgemäss das Amt von Gesundheits-, Sozial- und Umweltdirektor Christian Arnold (SVP). Furrers Stellvertretung übernimmt Céline Huber (Mitte), die zur neuen Landesstatthalterin gewählt wurde.

Der Landammann ist der Vorsitzende der Kantonsregierung. Im Unterschied zu vielen anderen Schweizer Kantonen erfolgt seine Wahl im Kanton Uri durch die Stimmberechtigten und nicht durch das Kantonsparlament.

Die Regelung zur Abwahlentschädigung kam erst einmal zur Anwendung: 2024 – als der damalige Sicherheitsdirektor Dimitri Moretti (SP) nicht wiedergewählt wurde. Ist es da nicht vermessen, von einem «Sparbeitrag» zu sprechen? «Nein, überhaupt nicht», sagt SVP-Landrat Fabio Affentranger. «Die 90'000 Franken muss man zuerst von den Steuerzahlerinnen und Steuerzahlern einkassieren.»

Mann in Anzug mit orangefarbener Krawatte steht vor Treppe.
Legende: Der Erste und auch der Letzte: Der abgewählte SP-Regierungsrat Dimitri Moretti erhielt eine Abwahlentschädigung. Keystone/Urs Flüeler

Anders sieht dies Landammann Christian Arnold. Ein grosser Sparbeitrag sei dies nicht. «Die Entschädigung fällt ja nur bei einer Abwahl an.»

Regierung und Parlament waren gegen Initiative

Regierung wie auch Parlament haben die Initiative im Vorfeld der Abstimmung klar abgelehnt. Bei der Entschädigung handle es sich nicht um eine Abgangsentschädigung, sondern um eine Abwahlentschädigung, betonte die Regierung. Und führte an: Exekutivpolitikerinnen und -politiker könnten nicht einfach so zurück in ihre angestammten Berufe, in denen sie während mehrerer Jahre nicht mehr tätig gewesen seien.

Weiteres Ja im Kanton Uri: Solarpflicht ab 300 Quadratmetern

Box aufklappen Box zuklappen

Neben der Initiative der JSVP gab es im Kanton Uri auch ein Ja zur Teilrevision des Energiegesetzes. Diese sieht unter anderem vor, dass für Gebäude mit einer anrechenbaren Fläche von 300 Quadratmetern eine Solarpflicht gilt. Der Landrat hatte die Teilrevision mit 58 zu 0 Stimmen verabschiedet. Eine Pflicht zur Nutzung der Sonnenenergie ab 100 Quadratmetern wurde vom Volk im Jahr 2024 verworfen.

Abstimmungsdossier

Box aufklappen Box zuklappen

Regionaljournal Zentralschweiz, 8.3.2026, 12:10 Uhr ; 

Meistgelesene Artikel