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Panne mit USB-Stick E-Voting-Panne in Basel: «Der Kollateralschaden ist beträchtlich»

Die Panne im Basler E-Voting-System hat ein Nachspiel. Es drohen Abstimmungsbeschwerden und auch ein Vertrauensverlust.

Christine D'Souza ist wütend. Am Sonntagmittag steht sie vor dem Basler Rathaus mit einem Schild in der Hand und der Aufschrift: «Meine Stimme zählt nicht.» D'Souza wohnt im elsässischen Kiffis (F) unweit der Schweizer Grenze und hat letzte Woche ihre Abstimmungsunterlagen per Computer an die Basler Staatskanzlei geschickt.

Frau mit Schild vor Rathaus
Legende: Ist wütend: Die ehemalige Basler Grossrätin und Auslandschweizerin Christine D'Souza vor dem Basler Rathaus. SRF / Hanna Girard

Doch ihre abgegebene Stimme konnte wegen einer Panne mit einem USB-Stick nicht ausgezählt werden. D'Souza kritisiert den Kanton nun scharf dafür, dass die Betroffenen erst sehr spät über die technischen Probleme informiert wurden. Sie habe keine Möglichkeit mehr gehabt, ihre Stimme abzugeben.

Die ehemalige Basler Politikerin erwägt deshalb auch rechtliche Schritte gegen den Kanton. Möglich wäre eine Beschwerde wegen Verletzung ihrer politischen Rechte. Neben D'Souza sind noch weitere Auslandschweizerinnen und -schweizer betroffen. Der Kanton teilte mit, dass rund 2000 Stimmen nicht ausgezählt werden konnten.

Die Basler E-Voting-Panne

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Am Freitag, zwei Tage vor dem Abstimmungssonntag, informierte die Basler Staatskanzlei die Öffentlichkeit über die Panne.

2048 Auslandschweizerinnen und -schweizer sowie Stimmberechtigte mit Behinderungen hätten ihre Stimmen elektronisch abgegeben.

Am Freitag habe sich dann herausgestellt, dass diese aufgrund eines technischen Problems nicht gelesen, geschweige denn gezählt werden können.

Das Problem bestehe bei der Verwendung der USB-Sticks, die zur Entschlüsselung der Urne notwendig sind.

Neben rechtlichem Ungemach droht dem Kanton und dem E-Voting auch ein Imageschaden und Vertrauensverlust. Noch in diesem Jahr will Basel-Stadt das E-Voting-Angebot ausbauen. Geplant ist, dass neben Auslandschweizerinnen auch Stimmbürger mit Wohnsitz in der Schweiz ihre Stimme per Computer abgeben können.

Das ist ein relevanter Rückschlag.
Autor: Lucas Leemann Politologe

Die USB-Panne dürfte den Kritikern von E-Voting nun aber Auftrieb geben, ist Politologe Lucas Leemann überzeugt. «Das ist ein relevanter Rückschlag», sagt Leemann. «Es gibt den Gegnerinnen und Gegnern ein sehr anschauliches Beispiel, um auf die Risiken und Probleme hinzuweisen.»

Dies sieht auch Politologe Michael Herrmann so. Bund und Kantone mussten in den letzten Jahren viel Vertrauen aufbauen. «So eine Panne wirft das E-Voting nun um Jahre zurück.»

Reaktionen Kantone und Bundeskanzlei

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Neben Basel-Stadt wollen auch die Kantone Thurgau, St. Gallen und Graubünden E-Voting ausbauen.

Die zuständigen Behörden betonen dort, die Panne in Basel-Stadt habe nichts mit dem System an sich zu tun gehabt.

Die Staatskanzlei Thurgau schreibt:

«Wir können den Vorfall bei der Staatskanzlei des Kantons Basel-Stadt mit dem heutigen Kenntnisstand und aus Distanz nicht beurteilen. [...] Falls es neue Erkenntnisse und Lehren aus dem Vorfall im Kanton Basel-Stadt gibt, sind wir offen und bestrebt, E-Voting noch sicherer zu machen.»

Die Bundeskanzlei schreibt auf Anfrage: «Es müssen alle notwendigen Schritte ergriffen werden, damit sich ein solcher Vorfall nicht wiederholen kann.»

E-Voting befinde sich derzeit im Versuchsbetrieb. «Es geht darum, Erfahrungen zu sammeln. Ein Vorfall wie derjenige von Basel-Stadt ist zu bedauern, stellt den E-Voting-Versuchsbetrieb aber nicht in Frage, sondern unterstreicht vielmehr dessen Notwendigkeit.»

Grundsätzlich seien die Erfahrungen mit dem im Sommer 2023 neu aufgesetzten E-Voting-Versuchsbetrieb sehr erfreulich.

Auch in der Basler Politik gibt die Panne zu reden. So haben SVP, LDP und FDP bereits Vorstösse eingereicht oder angekündigt. FDP-Grossrat Luca Urgese spricht vom einem «USB-Gate» und fordert Erklärungen von der Regierung.

Die Reputation des Kantons hat offensichtlich schweren Schaden genommen.
Autor: Lorenz Amiet Grossrat BS (SVP)

Die LDP zeigt sich in einer Medienmitteilung schockiert über diesen – Zitat – «E-Voting-Skandal». Auch SVP-Grossrat Lorenz Amiet hält fest: «Der Kollateralschaden ist beträchtlich und die Reputation des Kantons hat offensichtlich schweren Schaden genommen.»

Bedauern beim Kanton

Die Basler Staatskanzlei wollte sich am Montag nicht mehr zur Panne äussern. Am Sonntag zeigte Vizestaatsschreiber Marco Greiner Verständnis für den Unmut und sagte gegenüber dem Regionaljournal Basel: «Wenn jemand sein Stimmrecht nicht ausüben kann, ist das eine Verletzung politischer Rechte. Das bedauern wir sehr. Wir verstehen, wenn Betroffene rechtliche Schritte prüfen.»

USB-Stick in Hand
Legende: Auslöser der Panne: Ein Problem mit USB-Sticks zur Entschlüsselung der digitalen Abstimmungsurnen. Keystone / OLE SPATA (Symbolbild)

Offen bleibt, wie genau es zu dieser Panne kommen konnte. Die Basler Staatskanzlei spricht von einem Problem mit einem USB-Stick zur Entschlüsselung der digitalen Abstimmungsurnen und hält fest, dass keine Verbindung zwischen dem Vorfall und dem E-Voting-System der Schweizerischen Post bestehe.

Die für E-Voting zugelassenen Stimmberechtigten der Kantone Thurgau, Graubünden und St. Gallen seien von der Panne in Basel nicht betroffen.

Keinen Einfluss auf Schlussresultat

Immerhin haben die nicht ausgezählten Stimmen aus Basel keinen Einfluss auf das Schlussresultat der eidgenössischen Abstimmungen. Die Resultate fielen deutlich aus und kantonale Vorlagen gab es in Basel-Stadt am Sonntag keine. Klar ist aber: Politisch und rechtlich hat die Panne sicher ein Nachspiel.

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Regionaljournal Basel 8.3.2026 17:30 Uhr ; 

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