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Für eine Entwarnung vor einer zweiten Corona-Welle gibt es keinen Grund
Aus SRF 4 News aktuell vom 08.07.2020.
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Auf und Ab der Corona-Zahlen «Derzeit fliegen wir etwas schwachsichtig durch die Gegend»

Am Dienstag wurden 54 neue Corona-Ansteckungen gemeldet, nachdem die Zahl letzte Woche auf über 100 pro Tag geklettert war. Die tieferen Fallzahlen der letzten Tage seien zwar eine gute Nachricht, sagt SRF-Wissenschaftsredaktor Thomas Häusler. Doch Grund für eine Entwarnung gebe es keinen.

Thomas Häusler

Thomas Häusler

Wissenschaftsredaktor

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Thomas Häusler ist Wissenschaftsredaktor bei SRF. Er hat in Biologie doktoriert und eine Weiterbildung in Wassermanagement an der Uni Genf absolviert. Seit 2013 ist er Leiter der Wissenschaftsredaktion.

SRF News: Sind die neusten, im Vergleich zur letzten Woche etwas tieferen Zahlen eine gute Nachricht?

Thomas Häusler: Fürs Erste sicher ja – die Zahlen sind nicht weiter angestiegen. Doch es bleibt noch offen, ob die tieferen Zahlen der letzten Tage wirklich eine Trendwende bedeuten. Viele Faktoren führen zu den kurzfristigen Schwankungen der Infektionszahlen: die Zahl der Tests oder reiner Zufall. Deshalb kann man aus der Betrachtung einer Periode von bloss ein paar Tagen nicht sehr viel herauslesen.

Nach einem möglichen Superspreading-Event im Club Flamingo in Zürich vor zwei Wochen befürchtete man eine grosse Zunahme der Fälle – doch die ist ausgeblieben. War es also gar kein Superspreading-Event?

Auch das ist schwierig zu sagen. Einige Ansteckungen aus dem Flamingo-Club konnten durchaus bestätigt werden. Allerdings konnte man viele Besucher gar nicht zurückverfolgen, weil sie falsche Kontaktangaben hinterlassen hatten. In der Tat aber sind auch im Kanton Zürich die Ansteckungen nach einem zwischenzeitlichen Anstieg in den letzten Tagen wieder zurückgegangen – ebenso im Kanton Aargau.

Viele haben kaum Symptome, lassen sich nicht testen, können das Virus aber trotzdem weiterverbreiten.

Es kann aber auch sein, dass man Personen, die sich im Flamingo-Club angesteckt haben, noch nicht kennt oder gar nie kennen wird. Denn viele Menschen haben keine oder kaum Symptome, lassen sich deshalb nicht testen, können das Virus aber trotzdem weiterverbreiten. Das zeigt, wie wichtig es wäre, dass das Contact-Tracing gut funktioniert.

Ist mit den aktuell wieder tieferen Zahlen die unmittelbare Gefahr gebannt, dass die Schweiz jetzt in ein exponentielles Wachstum der Ansteckungen gerät?

Das wäre schön, doch man kann sich keineswegs sicher sein. Die aktuelle Periode mit weniger Fällen könnte auch ein Ausreisser nach unten sein. Zu Beginn der Epidemie im März gab es das auch schon.

Der Trend nach oben hält schon seit Mitte Juni an.

Dann könnten auch die höheren Zahlen der letzten Woche ein Ausreisser nach oben gewesen sein?

Der Trend nach oben hält schon seit Mitte Juni an – aber der Anstieg der Zahlen letzten Woche könnte durchaus etwas höher gewesen sein, als er das im Rückblick im Durchschnitt sein wird.

Personen warten in ländlicher Umgebung auf einen Bus – alle tragen Hygienemasken.
Legende: Die Maskenpflicht im ÖV war laut Thomas Häusler die richtige Entscheidung. Keystone

Auch in den Nachbarländern steigen die Infektionszahlen wieder an. Wie ordnen Sie das ein?

Der Anstieg macht tatsächlich Sorgen. In der Schweiz hat der Bundesrat die Corona-Massnahmen sehr stark und rasch gelockert. Das verunmöglicht es, die einzelnen Lockerungen mit dem Anstieg in Verbindung zu bringen. Das heisst, wir fliegen wieder etwas blind, oder zumindest schwachsichtig durch die Gegend.

Der Bundesrat hat die Corona-Massnahmen sehr stark und rasch gelockert. Das verunmöglicht es, die einzelnen Lockerungen mit dem Anstieg in Verbindung zu bringen.

Wo stehen wir derzeit epidemiologisch im Vergleich zu letzter Woche, als mit den höheren Fallzahlen eine Art Alarmstimmung aufkam?

Wegen all der erwähnten Ungewissheiten kann man nicht von einer grossen Veränderung ausgehen. Richtig ist sicher die Einführung einer Maskenpflicht im öffentlichen Verkehr – denn es steht viel zu viel auf dem Spiel. Wir dürfen nicht mehr in einen derart exponentiellen Anstieg der Fallzahlen geraten, wie wir im März waren.

Das Gespräch führte Isabelle Maissen.

Video
Maskenpflicht im Schweizer ÖV
Aus Tagesschau vom 06.07.2020.
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SRF 4 News aktuell vom 8.7.2020, 06.45 Uhr;

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102 Kommentare

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  • Kommentar von Michel Ebinger  (Michel Ebinger)
    Die Epidemie ist seit Monaten vorbei und die Zahl der infizierten liegt gemäss BAG bei weniger als ein Prozent der Getesteten, aber es ist halt schon intellektuell überaus anspruchsvoll Prozente zu begreifen, absolute Zahlen sind einfacher, selbst wenn sie nichts aussagen
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  • Kommentar von Bruno Bär  (Wahrheitssucher)
    Wer zu stark verharmlost, versteht nichts vom Phänomen. Die Zahlen steigen NIE linear, sondern exponentiell. Einfach mal die Statistik über die Fallzahlen anschauen.
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  • Kommentar von Francis Waeber  (Francis Waeber)
    Die diversen sog. "Corona-Skeptiker/Innen" sollten sich vor Augen führen, was ihre machthabenden "Gesinnungsgenossen" in Ländern wie z.B. Grossbritannien, USA, Brasilien, auf dem Balkan sowie in Südost-Europa angerichtet haben.
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    1. Antwort von Eva Wädensweiler  (E. W.)
      Was bringt es Fallzahlen-"Jägern", wenn sie immer auf dem neusten Stand darüber sind, wie viele Infizierte, Kranke & Tote es auf der Welt durch Corona gibt? Wie viele jetzt getestet sind?
      Welchen Einfluss hat es auf das ganz persönliche Leben, wenn sie es wissen? Ändert es was?
      Entwickelt dies Jagd nach Fallzahlen nicht langsam aber sicher Suchtpotenzial?
      Mensch - vergiss die Freude am Leben nicht!
      "Ein Leben ohne Freude ist wie eine weite Reise ohne Gasthaus." (Demokrit)
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    2. Antwort von Andreas Müller  (Hugh Everett)
      Bedenken sie, dass es ein einziger Kranker war der nach italien reiste. Was wurde daraus?
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    3. Antwort von Marc Schlatter  (Marc Rafael)
      @Müller, die Einschleppungen nach Italien waren viele, das ist meines Wissens gut belegt.

      @Waeber, die haben noch bei Weitem nicht soviel angerichtet, wie bspw. allein für England bei Kontrollverlust vorhergesagt bzw. modelliert worden ist. Nicht einmal die.
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    4. Antwort von Francis Waeber  (Francis Waeber)
      @Eva Wädensweiler - es geht nicht um eine Art "Fallzahlenfetischismus", es geht um die Tatsache dass Länder deren Regierungen die Sache ernst genommen und eine Lowrisk-Strategy gefahren haben, so wie der BR zu Beginn der Geschichte, erheblich weniger Fälle haben. Das sind nun mal Fakten welche keine Geiss wegschleckt..... ;-))
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