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Sind Lockerungen der Corona-Beschränkungen wissenschaftlich vertretbar?
Aus Best of - SRF 4 News vom 12.03.2021.
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Aussicht auf Lockerungen Dritte Welle verhindern und öffnen – geht das?

Der Bundesrat will eine dritte Welle verhindern – und schickt trotzdem einen Öffnungsplan in die Vernehmlassung. Ist das Risiko kalkulierbar oder droht die Schweiz, die Erfolge bei der Eindämmung der Pandemie leichtfertig zu verspielen? Antworten von SRF-Wissenschaftsredaktor Thomas Häusler.

Thomas Häusler

Thomas Häusler

Wissenschaftsredaktor

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Thomas Häusler ist Wissenschaftsredaktor bei SRF. Er hat in Biochemie doktoriert und eine Weiterbildung in Wassermanagement an der Uni Genf absolviert. Seit 2013 ist er Leiter der Wissenschaftsredaktion.

SRF News: Wie schätzen Sie dies aus wissenschaftlicher Sicht ein: Sind die Fallzahlen am 22. März so, dass man öffnen kann?

Thomas Häusler: Wenn man die aktuell steigenden Fallzahlen betrachtet und auch ins Ausland schaut, dann sehr wahrscheinlich nicht. Auch in Italien, Österreich oder Deutschland herrscht die ansteckendere Variante B.1.1.7 wie bei uns vor und die Fälle nehmen zu.

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Berset: «Wir müssen uns auf eine dritte Welle vorbereiten»
Aus News-Clip vom 12.03.2021.
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Der Bundesrat hat durchblicken lassen, dass er dies auch befürchtet. Die wissenschaftliche Taskforce und die ETH Zürich haben Modellrechnungen für den Bundesrat erstellt. Sie kommen zum Schluss, dass eine dritte Welle kaum zu vermeiden ist. Wir können aber ihre Grösse steuern.

Der Bundesrat sagte, inzwischen seien viele Risikopersonen geimpft, andere immun. Eine dritte Welle sei damit nicht vergleichbar mit den beiden Wellen davor. Sehen Sie das auch so, ist das Risiko kalkulierbar?

Vergleichbar sind die Wellen in der Tat nicht. Vermutlich ist bei den schweren Erkrankungen und den Todesfällen bereits ein positiver Effekt zu sehen, weil einige Risikopersonen schon geimpft sind. Dieser Effekt ist aber noch zu klein, um schnell und ohne Überlastung der Spitäler zu öffnen – und damit erneut viele Tote zu riskieren.

Solange die unter 65-Jährigen nicht geimpft sind und es unter ihnen viele Fälle geben würde, ist eine gewisse Zahl an schweren Verläufen und Langzeitfolgen nicht zu vermeiden.

Die Berechnungen der Taskforce zeigen aber: Wenn nun sehr schnell geimpft werden könnte, hätte das einen beträchtlichen Einfluss auf Hospitalisierungen und Todeszahlen. Eine rasche Impfung würde also vorsichtige Öffnungsschritte ermöglichen. Man darf aber nicht vergessen: Solange die unter 65-Jährigen nicht geimpft sind und es unter ihnen viele Fälle geben würde, ist eine gewisse Zahl an schweren Verläufen und Langzeitfolgen – Stichwort Long Covid – nicht zu vermeiden.

Der Bundesrat setzt auch auf Massentests, um die Öffnungen zu ermöglichen. Halten Sie das für sinnvoll?

Sie können einen Beitrag leisten. Je nach Expertinnen und Experten, mit denen man spricht, ist dieser Beitrag aber unterschiedlich gross. Es gibt Berechnungen, die sagen: Wenn 20 bis 30 Prozent der Menschen regelmässig getestet würden, würde das die Ausbreitung des Virus deutlich verlangsamen.

Kritiker halten das aber für zu optimistisch, weil in der Realität nie alles so gut läuft wie in solchen Modellen. Zum Beispiel steigen viele Freiwillige auch wieder aus diesen Testprogrammen aus. Graubünden, der Pionierkanton bei den Massentests, erreicht diese Woche zum ersten Mal diese Testquote von 20 Prozent der Bevölkerung. Bald können wir die Auswirkung also sehen und wissen mehr.

Das Gespräch führte Karin Britsch.

Quelle: Bundesrat, 12.03.21Restaurant- und Barterrassen*Innenräume von Zoos und botanischen Gärten*weitere ÖffnungsschritteLockerungenRichtwerte für eine ÖffnungWeiteres VorgehenMassnahmen bei einem möglichen 2. Öffnungsschritt (frühestens ab 22. März, bei Einhaltung der Richtwerte)• Positivitätsrate unter fünf Prozent• Auslastung der Intensivplätze mit Covid-19-Patienten unter 250 belegten Betten• Durchschnittliche Reproduktionszahl über die letzten 7 Tage unter 1• 14-Tages-Inzidenz am 17. März nicht höher als am 1. März• Vorschläge des Bundesrats gehen in Konsultation an Kantone• Entscheide des Bundesrats am 19. März.Private Treffen in Innenräumen: 10 PersonenAktivitäten für Erwachsene drinnen und draussen: 15 Personen*Präsenzunterricht an Hochschulen/Weiterbildungen: 15 Personen*Keine Maskenpflicht bei Geimpften in Alters- und PflegeheimenKeine Kontaktquarantäne, wenn Unternehmen ihre Mitarbeiter einmal pro Woche testenVeranstaltungen, wie z.B.Vereinstreffen, Museumsführungen: 15 PersonenVeranstaltungen mit Publikum*:draussen (z.B. Fussballspiele): 150 Personendrinnen (z.B. Kino): 50 PersonenKeine Quarantänepflicht für Geimpfte*unter Einhaltung strenger Auflagen (z.B. Maskenpflicht, Abstand halten, Kapazitätsbegrenzung etc.)

Info3 vom 12.03.2021, 17 Uhr;

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49 Kommentare

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  • Kommentar von Denise Casagrande  (begulide)
    "Mensch" wird sehen, erleben, was "Corona-Virus und deren Mutationen" dazu "meinen", respektive wie sich die Ansteckungen entwickeln werden....
    Sukzessive Öffnung vom Gewerbe, etc, macht absolut Sinn, ist notwendig, um sofort reagieren zu können.
    1. Antwort von Hans Meuri  (hmeuri)
      Sinn macht es, genau einen kleinen Oeffnungsschritt zu machen und dann mindestens 4 Wochen zu beobachten, wie der weitere Verlauf ist. Lockert man gleichzeitig im Bereich Sport, Restaurants, Familien , Gruppengössen und die Fallzahlen steigen, so weiss man dann wieder nicht, welche Lockerung dafür verantwortlich war.
  • Kommentar von Manu Meier  (Manuel Meier)
    Interessant ist ja, dass in ganz Europa (naja, in unserer nähe) die Zahlen relativ gleichmässig hoch gehen. Und zwar trotz keinen oder unterschiedlichen Lockerungen. Es scheint fast so, dass die Lockerungen kaum einen Einfluss (oder nur einen unbedeutenden) auf die steigende Verbreitung hat. Was ist nun wirklich dafür verantwortlich? Die milden Temperaturen? Also man trifft sich wieder öfter (Tatendrang bei schönem Wetter), aber halt dann doch drinnen, weil draussen ja nichts offen hat?
  • Kommentar von Rainer Fauser  (Rainer Fauser)
    Es wird Zeit, sich wieder der Demokratie zu widmen und die Fehler des Zeitalters der uneingeschränkten Ermächtigungen zu korrigieren. Das Epidemiengesetz war ein Fehler. Blocher hatte drauf hingewiesen - umsonst. Also weg damit, nun da der Missbrauch offensichtlich ist. Warum kommt das nicht gross auf's Tablet - Volksabstimmung - weg mit Ermächtigungen per Verfassung?
    1. Antwort von Hans Meuri  (hmeuri)
      Das Pandemiegesetz hat bis jetzt tausende Leben gerettet und zigtausende vor LongCovid bewahrt.