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London will Lockerungen trotz Delta-Variante
Aus Tagesschau vom 05.07.2021.
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Auswirkung Delta-Variante Grossbritannien weckt Hoffnung für die impfmüde Schweiz

Das Impfziel des Bundesrats von 75 Prozent Durchimpfung in der Schweizer Bevölkerung rückt immer mehr in weite Ferne. Trotzdem stimmen die Aussichten auf den Herbst optimistischer, als man erwarten könnte.

Die Corona-Fallzahlen steigen wieder – auch in der Schweiz. Ein Grund ist die hochansteckende Delta-Variante. Hierzulande macht sie gemäss der aktuellsten Schätzung des BAG, Link öffnet in einem neuen Fenster 28.9 Prozent der Neuinfektionen aus. Steuern wir trotz Covid-Impfungen wieder auf einen sorgenvollen Herbst zu? SRF-Wissenschaftsredaktor Daniel Theis ordnet ein.

Daniel Theis

Daniel Theis

SRF-Wissenschaftsredaktor

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Daniel Theis ist promovierter Atmosphärenchemiker und Mikrobiologe. Seine Spezialgebiete sind Energiethemen, Mobilität und technische Entwicklungen. Er arbeitet seit 2013 in der SRF-Wissenschaftsredaktion.

SRF News: Inwiefern wirken sich EM-Partys und Rückkehrer aus EM-Spielen auf die Fallzahlen in der Schweiz aus?

Daniel Theis: Das lässt sich in Zahlen noch nicht abschätzen. Was aber kürzlich eine grosse Analyse vom letzten Sommer gezeigt hat: Im Sommer 2020 sind die Fallzahlen vor allem durch importierte Fälle jeweils gestiegen. Das könnte auch diesen Sommer wieder der Fall sein, vielleicht mit Menschen, die sich an den Fussballspielen angesteckt haben, oder auch mit Ferienreisenden, die das Virus nach Hause bringen.

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Aus dem Archiv: Szenarien im Umgang mit der Delta-Variante
Aus 10 vor 10 vom 30.06.2021.
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Der Unterschied zum letzten Sommer ist aber ganz klar, dass wir jetzt eine ansteckendere Virusvariante bereits zahlreich im Land haben – und sich die Fallzahlen nach aktuellem Trend wohl auch ohne Rückkehrer wieder erhöhen werden.

Zu Beginn der Pandemie hiess es, dass sich Viren mit der Zeit abschwächen. Wann ist das beim Coronavirus der Fall?

Für Viren ist es vorteilhaft, wenn sie sich so entwickeln, dass sie ihren Träger weniger stark krank machen. Der Grund ist einfach: Angenommen ein Virus tötet seinen Wirt relativ schnell und macht auch viele Infizierte krank, wie zum Beispiel im Fall von Ebola, dann kann es sich nur schlecht verbreiten.

Evolutionär gesehen, ist das ideale Virus eines, dass seinen Träger nicht krank macht, aber infektiös, und sich darum leicht verbreiten kann.
Autor: Daniel TheisWissenschaftsredaktor von SRF

Beim Coronavirus ist das schon etwas anders, aber auch dieses tötet in seltenen Fällen seinen Wirt. Evolutionär gesehen, ist das ideale Virus eines, dass seinen Träger nicht krank macht, aber infektiös, und sich darum leicht verbreiten kann. Fürs Coronavirus bedeutet das, dass es einen Vorteil hat, wenn es tendenziell schwächer wird.

Epidemiologen gehen davon aus, dass rund 85 Prozent der Bevölkerung geimpft sein müsste, um die Verbreitung der Delta-Variante im Zaum zu halten. Was könnte uns im Herbst erwarten, wenn diese Impfquote nicht erreicht wird?

Je grösser die Zahl der Menschen, die einen Immunschutz haben, sei es durch Impfung oder durch Genesung, desto weniger stark wird sich das Virus verbreiten können. Gibt es aber ganze Gruppen von Menschen ohne Immunschutz, die nahe beisammen sind, kann es dort zu Ausbrüchen kommen. Konkret könnte dies an Schulen passieren, wo erst geschätzte 20 Prozent wegen einer vorgängigen Infektion eine Immunabwehr haben. Solche Ausbrüche an Schulen sieht man zurzeit im Ausland, etwa in Grossbritannien und Israel.

Trotz steigender Fallzahlen durch die Delta-Variante in Grossbritannien, sind die Todeszahlen dank Impfungen mittlerweile viel tiefer als bei der letzten Welle. Ist das auch ein gutes Omen für die Coronasituation im Herbst in der Schweiz?

Je jünger die Menschen, die sich anstecken, desto weniger wird das Gesundheitssystem belastet und desto weniger Todesfälle sind zu beklagen. Das ist das Szenario, das wir zurzeit in Grossbritannien sehen. Anders sieht es aus, wenn im Herbst Corona wieder in die Heime getragen wird, wo einige keinen Immunschutz haben.

Steigende Fallzahlen sind auf den Herbst zwar zu erwarten, sie werden aber nicht zwingend schlimme Auswirkungen haben.

Prinzipiell sind wir aber gut unterwegs, um den kommenden Herbst und Winter besser zu bestehen als die vergangene kalte Jahreszeit. Steigende Fallzahlen sind auf den Herbst zwar zu erwarten, sie werden aber nicht zwingend schlimme Auswirkungen haben.

Das Gespräch führte Saya Bausch.

SRF 4 News, 05.07.2021, 07:45 Uhr;

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84 Kommentare

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  • Kommentar von Christian Kunz  (CK124)
    Wenn, wenn, wenn...Im Herbst sehen wir, was ist und werden versuchen es uns zu erklären, wie es dazu kam. 80% Impfrate sind meiner Meinung eine viel zu optimische Erwartung. Die mag zwar den Modellen entsprechen, aber scheitert an der Realität.
    Zudem, ist der Nutzen gering, da Milliarden ausserhalb der Schweiz ohne jeden Schutz sind.
    Der grösste Teil der Riskopatienten (CH) hat Zugang zur Impfung, für die anderen bleibt ein Restrisiko, damit müssen sie leben. Natur kennt keine Gerechtigkeit!
  • Kommentar von Adrian Stoller  (Adrian Stoller)
    Ich finde es ist Zeit dass man sich nicht mehr so sehr auf die täglichen Fallzahlen fixiert.
    Die Risikogruppen sind nun geimpft. Es macht einen grossen Unterschied ob sich 100 alte Leute oder 100 junge Gesunde anstecken. Die Hospitalisationen und Todeszahlen sind in der aktuellen Phase ausschlaggebender. Verstehe nicht warum kein "Experte" aber auch die Medien das nicht verstehen.
    1. Antwort von Conny Hasler  (conhas)
      ja jetzt sind die Zahlen tief; aber wie lange noch? und was ist, wenn die Hospitalisationzahlen wieder steigen?genau, dann kommen einfach verschiedene Massnahmen zurück; möchten Sie das?
    2. Antwort von Adrian Stoller  (Adrian Stoller)
      @Conny Hasler: Du hast es nicht verstanden. Wenn sich 1000 Junge anstecken ist das für das Gesundheitssystem kein Problem da sie selten im Spital landen. Das ist nun mal Fakt. Wenn sich 1000 Alte anstecken würde es anders aussehen, aber die können sich schützen mit der Impfung.

      Es braucht keine Massnahmen mehr sobald alle die wollen ihre Impfung hatten.
    3. Antwort von Conny Hasler  (conhas)
      dummerweise sind auch andere ungeimpfte Personen gefährdet, sich anzustecken und schwer zu erkranken; Und solange die Impfquote nicht sehr hoch ist, wird es sehr viele ungeimpfte Perosnen treffen; und in einigen Wochen werden die Zaheln wieder zunehmen oder warum soll dies anders sein, als in andern Ländern?
  • Kommentar von Martin Haber  (Martinowitsch)
    Wer mehr erfahren möchte über den Zusammenhang zwischen Pandemie und Testregime, dem sei das Interview der Wirtschaftswoche aus dem Jahre 2014 mit dem Virologen Drosten zu empfehlen:
    https://www.wiwo.de/technologie/forschung/virologe-drosten-im-gespraech-2014-die-who-kann-nur-empfehlungen-aussprechen/9903228-2.html
    Es ist fast so, als hätte er sich neu erfunden, wie man heute wohl zu sagen pflegt...