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Auswirkungen des Iran-Kriegs Exklusive Tankreserven: Schweiz als Treibstoffinsel in Europa

Im Fall von Brenn- und Treibstoffknappheit hat die Schweiz Tankreserven. Diese muss sie mit keinem anderen Land teilen – theoretisch.

Trotz Iran-Krieg und der gesperrten Strasse von Hormus: An den Tankstellen in der Schweiz fliessen Diesel und Benzin nach wie vor und die Flugzeuge heben ab. Beim Kerosin ist die Lage jedoch angespannt.

Die Versorgung der Schweizer Flughäfen werde bis Ende Mai 2026 als gesichert eingeschätzt, schreibt das Bundesamt für wirtschaftliche Landesversorgung. Sollte es Engpässe geben, kann der Bund die Reserven in den Pflichtlagern freigeben. Das ist bei allen Brenn- und Treibstoffen so. Und was in der Schweiz in diesen Tanklagern liegt, ist – anders als in EU-Ländern – ausschliesslich für die Schweiz.

Die Schweiz ist nicht Mitglied der Europäischen Union und somit nicht an die Energiesolidarität gebunden.
Autor: Nicole Mathys Leiterin Energie, Bundesamt für wirtschaftliche Landesversorgung

Wird das Kerosin in einem EU-Staat knapp, sind die anderen Mitgliedsländer gesetzlich zur sogenannten Energiesolidarität verpflichtet. So müsste etwa Deutschland einem anderen EU-Land mit deutschem Flugbenzin aushelfen.

Keine Energiesolidarität mit EU-Ländern

Die Reserven der Schweiz hingegen seien nur für die Schweiz da, sagt Nicole Mathys, Leiterin der Geschäftsstelle Energie beim Bundesamt für wirtschaftliche Landesversorgung (BWL). «Die Schweiz ist nicht Mitglied der Europäischen Union und somit nicht an die Energiesolidarität gebunden», sagt sie.

Jedoch gibt es eine Ausnahme. Bei der Gasversorgung bestehe zwischen der Schweiz, Italien und Deutschland ein Abkommen, sagt Nicole Mathys. Werde in einem dieser Länder das Gas knapp, dann könne gegenseitig um Solidarität angefragt werden. «Dort steht dann im Fokus, die geschützten Kundinnen und Kunden mit Gas zu beliefern – das sind beispielsweise Haushalte, Spitäler oder Notdienste», sagt sie.

Mitarbeiter betankt Flugzeugflügel.
Legende: Preis und Verfügbarkeit von fossilen Brenn- und Treibstoffen sind aufgrund des Iran-Kriegs zurzeit ein grosses Thema. Keystone/Silvia Schnurrenberger

Solche geschützten Gas-Beziehende würden somit bevorzugt beliefert. Bei Treibstoffen besteht im Vergleich zum Brennstoff Gas hingegen keine Priorisierung. Dass die Schweiz keine Energiesolidarität kennt, würde deshalb nicht bedeuten, dass sie von einer Treibstoffknappheit nichts spüren würde.

Da bei Engpässen Treibstoffe wie Kerosin, aber auch Diesel oder Benzin aus den Pflichtlagern der Schweiz über die herkömmlichen Kanäle auf den Markt fliessen würden, sei es möglich, dass Händler aus dem Ausland Treibstoff kaufen, sagt Mathys. «Theoretisch kann das jemand einkaufen und auf der anderen Seite der Grenze wieder verkaufen.» Der Markt bleibt also offen.

Rettungsflüge können priorisiert werden

Weiter kann der Bundesrat Ausnahmen beschliessen. «Würde zum Beispiel Kerosin sehr, sehr knapp, dann könnte der Bundesrat anordnen, dass zum Beispiel Rettungs-, Lösch- und Suchflüge, die von ihnen benötigten Flugpetrol-Lieferungen erhalten würden», so Mathys. Doch davon sei man aktuell noch weit weg.

Schweiz lagert weniger Petrol als sie sollte

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Wegen des andauernden Kriegs im Iran wird das Kerosin in Europa knapp. Für solche Fälle lagert die Schweiz vorrätiges Petrol. Dass diese Reserven derzeit unter den geltenden Vorschriften liegen, bestätigte ein Sprecher des Bundesamts für wirtschaftliche Landesversorgung (BWL). Die Vorgabe für die Reichweite der Flugpetrol-Pflichtlager beträgt drei Monate oder 90 Tage des durchschnittlichen Absatzes der letzten drei Jahre an den Schweizer Flughäfen (das heisst ohne Basel).

Aktuell liegt die Reichweite laut BWL bei 72 Tagen «oder bei rund zweieinhalb Monaten». Die starke Zunahme des Flugpetrol-Absatzes seit der Covid-Pandemie führe dazu, dass grosse Mengen an Flugpetrol zeitverzögert an Pflichtlager gelegt werden müssten.

Wie viel Petrol eingelagert werden muss, werde anhand des durchschnittlichen Verbrauchs bestimmt. Der aktuell gültige Durchschnittswert für die einzulagernde Pflichtlagermenge basiere auf dem durchschnittlichen Verbrauch der drei Jahre 2022, 2023 und 2024. Dieser habe aber seit 2024 bis zum Kriegsausbruch stark zugenommen. Das bedeute, dass die Lagerbestände zusätzlich zur regulären Versorgung aufgebaut werden müssten.

Das könne sich wegen drohender Engpässe sowie starken Preisschwankungen verzögern, so der Sprecher weiter. Ausserdem führten Marktverschiebungen bei den Importeuren zu zeitlich verzögerten Anpassungen. Hätten doch Neu-Importeure regulär drei Jahre Zeit zur Erfüllung ihres Pflichtlageranteils. (sda)

Und von all diesen Regelungen wäre die Armee ausgenommen. Gemäss Bundesamt für wirtschaftliche Landesversorgung hat die Armee eigene Flugpetrol-Bestände. Deren Treibstoff liegt somit nicht in den Pflichtlagern, welche der Bund in Absprache mit der hiesigen Mineralölwirtschaft führt.

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