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Ceneri-Basistunnel: «Es beginnt ein neues Kapitel in der Verkehrspolitik»
Aus SRF 4 News aktuell vom 04.09.2020.
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Bedeutung für den Südkanton Das Tessin und sein Tunnel der Hoffnung

Aufbruchstimmung im Südkanton: Wirtschaft und Politik im Tessin erhoffen sich grosse Vorteile durch den Ceneri-Tunnel.

Der Ceneri-Basistunnel ist für die Schweiz und die europäische Verkehrspolitik von grosser Bedeutung. Er ist ein wichtiger Mosaikstein für den Güterverkehr von den grossen Häfen an der Nordsee nach Süden ans Mittelmeer. Der Tunnel ist aber vor allem auch eine grosse Geschichte für das Tessin. Luganos Stadtpräsident Marco Borradori sprach sogar von einer Revolution.

Die Bahn wird zum schnellsten Verkehrsmittel im Autokanton Tessin – noch sind nur rund 20 Prozent der Tessinerinnen und Tessiner mit dem öffentlichen Verkehr unterwegs. Das könnte sich nun ändern. Auch für Alexander Grass, ehemaliger Tessin-Korrespondent von SRF, steht fest: «Es beginnt ein neues Kapitel in der Verkehrspolitik.» Das Tessin wird für die SBB zum zweitgrössten Regionalverkehrsmarkt nach Zürich.

Locarno – Lugano in 30 Minuten

Für die Pendlerinnen und Pendler gibt es massive Reisezeitgewinne: «In Locarno zu wohnen und in Lugano zu arbeiten, das war vor dem Ceneri-Tunnel kaum machbar», berichtet Grass. «Die Fahrwege waren einfach zu weit.» Eine Fahrt dauerte 50 Minuten – mit Umsteigen. Die neu geschaffene Direktverbindung verkürzt die Reisezeit auf rund 30 Minuten. Und die Strecke Bellinzona – Lugano dauert nur noch halb so lang: 15 statt 30 Minuten.

Grafik
Legende: Der Ceneri-Basistunnel ist das letzte Element der Neuen Eisenbahn-Alpentransversale (Neat). SRF

Aus dem Tunnel resultieren neue Pendlerströme und andere Einkaufsfahrten. Aber auch für die Kultur gibt es Gewinne: Das Filmfestival Locarno hat seit Jahren seine Wachstumsgrenze erreicht, weil die Gäste nach der Filmvorführung in der engeren Region übernachten mussten, Betten wurden rar. Mit der verkürzten Fahrzeit könnten nun auch Hotels in Lugano für die Filmliebhaber infrage kommen. «Das Filmfestival kann wachsen», so Grass.

Auch das Busnetz wird ausgebaut

Vom Ceneri-Basistunnel profitieren die besser verbundenen grossen Orte. Aber auch für die kleinen, abgelegeneren Tessiner Dörfer wird es Verbesserungen geben: Der Kanton investiert 461 Millionen Franken in den ÖV. Das Busnetz wird verdichtet, vielerorts wird ein 30-Minuten-Takt eingeführt, oft auch abends. Das Angebot ist also da. «Die Frage ist, ob es auch genutzt wird», sagt Grass. «Und, ob das ausgebaute Busnetz wieder reduziert werden muss – wegen Sparzwängen, oder weil die Zahl der Fahrgäste nicht ausreicht.»

Teil des Ceneri
Legende: Wegen der Corona-Pandemie bleibt eine grosse Feier aus. Der neue Tunnel wird im Dezember in Betrieb genommen. Bild: Apero-Vorbereitungen für das Ministertreffen am Tag vor der Eröffnung. Keystone

Im Tessin herrscht Aufbruchstimmung. Wirtschaft und Tourismus erhoffen sich enorme Vorteile vom Ceneri-Basistunnel. Tessin-Kenner Grass ist unsicher, ob sich die Hoffnungen erfüllen. Er blickt zurück: «Der Gotthard-Strassentunnel war mit grossen Hoffnungen verbunden. Die Eröffnung fiel dann zusammen mit der Erdölkrise. Und der Tourismus hatte zu kämpfen – nicht wegen des Tunnels, sondern weil um 1980 billige Fernreisen aufgekommen sind.»

Auch heute sei die Situation wieder schwierig: Die Tessiner Wirtschaft ist zu 50 Prozent eine Exportwirtschaft. Der Frankenkurs, die Migrationspolitik und die Wirtschaftslage in Italien beeinflussen das Geschäft. Grass schliesst: «Infrastrukturen sind sehr wichtig. Aber es gibt eine ganze Anzahl von anderen Faktoren, die eben auch ihre Rolle spielen.»

SRF 4 News, 4.9.2020, 6.15 Uhr;

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5 Kommentare

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  • Kommentar von Christian Baumann  (Christian Baumann)
    Tunnel der Hoffnung auf massvollen und nachhaltigen Tourismus...
    Horden von Grossstädtern und Influencern im sommerlichen Lavertezzo sind alles andere als ein Segen.
  • Kommentar von Walter Foletti  (Walter Foletti)
    Der Ceneri Basistunnel ist ein Teil der NEAT und soll dazu dienen den Verkehr von der Strasse auf die Schienen zu verlagern. Das aber kann nur verwirklicht werden, wenn Deutschland und Italien endlich ihre Hausaufgaben machen.
    Italien hat vor Jahren von der damaligen Verkehrsministerin einen Beitrag von CHF 250 Millionen, a Fond perdu zugesprochen erhalten, um die Anschlüsse zur CH NEAT zu bauen. Es ist beim Wunschdenken geblieben. 250 Millionen CHF a Fond perdu!
  • Kommentar von Klaus Waldeck  (Oldie)
    Solange die grossen Einkaufszentren auf der "grünen Wiese" , abseits der Grosstädte angesiedelt sind , wird sich der öffentliche Verkehr schwertun die Atraktivität für den Autofahrer zu verbessern. Für Bellinzonesi , Luganesi und Locarnesi bedeutet das Einkaufen in den Grossmärkten mit dem OEV immer eine unbequeme Halbtagestour.
    1. Antwort von Thomas Leu  (tleu)
      @ Klaus Waldeck: Auch die Zurighesi fahren mit dem Auto nach Dietlikon oder Spreitenbach und kaufen in den dortigen Grossmärkten ein. Die "grüne Wiese" ist dort zwar inzwischen verschwunden, aber es hat tolle Autobahndirektanschlüsse.