Zum Inhalt springen
Audio
Nach dem Wegzug eines Lottomillionärs wehrte sich Gerlafingen SO.
Aus Regionaljournal Aargau Solothurn vom 07.03.2024. Bild: Keystone/Urs Flüeler
abspielen. Laufzeit 2 Minuten 18 Sekunden.

Besteuerung von Lottogewinnen Keine Steuerflucht mehr für Lotto-Millionäre

Lotto-Gewinnerinnen und -Gewinner können Steuern nicht mehr optimieren. Dies, weil einer Gemeinde wegen eines Umzugs Millionen entgingen.

65 Millionen Franken gewann ein Glückspilz letztes Wochenende im Schweizer Zahlenlotto. Etwa ein Drittel der 65 Millionen wird die Person allerdings schon bald wieder abgeben, wenn es ans Steuern zahlen geht. Lottogewinne gelten als Einkommen und müssen versteuert werden. Bis anhin lohnte es sich kurzfristig umzuziehen.

Denn versteuert werden muss der Gewinn nicht an dem Ort, in dem der Neu-Millionär zur Zeit des Gewinns wohnt, sondern am Wohnort Ende Jahr. Dieser Steueroptimierung wird nun ein Riegel geschoben. Nach dem Ständerat hat auch der Nationalrat entschieden, dass Lottogewinne künftig dort versteuert werden müssen, wo die Gewinner bis zum Lotto-Sechser wohnten.

Gerlafingen entgingen sieben Millionen

Auslöser für die Änderung war eine glückliche Person im Kanton Solothurn. Diese zügelte, nachdem sie bei Euro Millions 68 Millionen Franken gewonnen hatte, von ihrem Wohnort Gerlafingen (SO) weg. Zwischen altem und neuem Wohnort liegen kaum zehn Kilometer Luftlinie, steuerlich liegt dazwischen aber ein meilenweiter Unterschied.

Blick auf Wohnblock
Legende: Gerlafingen hat über 5000 Einwohnerinnen und Einwohner. Geprägt wurde das Dorf durch das älteste Stahlwerk der Schweiz, das viele Arbeiter in das Dorf lockte. SRF

Gerlafingen gilt als arm, das Dorfbild wird von älteren Wohnblocks und kleinen Einfamilienhäusern dominiert. Die Gemeinde hat einen der höchsten Steuersätze im Kanton Solothurn. Die neue Wohngemeinde dagegen gilt als eine der reichsten Gemeinden des Kantons und hat einen der niedrigsten Steuersätze.

Der Wegzug des Lottogewinners traf Gerlafingen hart. «Wir drehen bei der Budgetdebatte jeden Franken um», sagt Gemeindepräsident Philipp Heri. Dank des Lottogewinns hätte sich die Gemeinde auf etwa sieben Millionen Franken zusätzliche Einnahmen freuen können.

Ein paar Tausend Einwohner hätten am Glück partizipieren können.
Autor: Roberto Zanetti Ehemaliger Ständerat SO

Doch es kam anders. Der Lottogewinner packte seine Siebensachen, zog ein paar Kilometer weiter und sparte so geschätzt 2.5 Millionen Franken. An dieser Tatsache störte sich der damalige Solothurner Ständerat Roberto Zanetti (SP), der in Gerlafingen wohnt: «Es hätten ein paar Tausend Einwohner aus meinem Dorf an diesem Glück partizipieren können». Zanetti lancierte deshalb die Motion, die nun von National- und Ständerat überwiesen wurde.

Kritik an der Motion von Zanetti

Box aufklappen Box zuklappen

Während der Ständerat die Motion von Roberto Zanetti ohne Diskussion guthiess, gab es im Nationalrat auch kritische Stimmen.

So monierte eine Minderheit der vorberatenden Kommission, dass der Aufwand wegen der paar Lottogewinnerinnen zu gross sei. Am Ende käme es noch so weit, dass sich die Gemeinden sogar wegen Bonuszahlungen streiten könnten.

Allerdings kontern die Befürworter diese Argumente, in dem sie darauf hinweisen, dass es bereits heute solche Regelungen gibt. So wird sogenannter Kapitalanfall aus Einzelereignissen bereits heute am Wohnort zum Zeitpunkt des Bezugs besteuert. Dies sind z.B. Einmalauszahlungen aus der Säule 3a oder einer Lebensversicherung.

Die Reaktionen aus der Bevölkerung auf Roberto Zanettis Vorstoss waren eher kritisch. Etwas überspitzt könnte man sogar von Mitleid mit den Lottogewinnerinnen und -gewinnern sprechen. Auch Gerlafingens Gemeindepräsident Philipp Heri sagt: «Aus Sicht des Lottogewinners kann ich das nachvollziehen. Da kann ich ihm nicht böse sein.»

Der ehemalige Ständerat Zanetti hat zwar ebenfalls Verständnis für die persönliche Lage des Gewinners, wollte aber die «Versuchung» eines Umzugs in eine steuergünstige Gemeinde oder einen steuergünstigen Kanton eliminieren. Und doppelt nach: «Wenn sie in ein Restaurant gehen, bezahlen sie die Rechnung dort, wo sie gegessen haben und nicht im Nachbarrestaurant, das günstigere Preise anbietet.»

Roberto Zanetti hört zu
Legende: Roberto Zanetti reagierte auf die Situation in seiner Heimatgemeinde Gerlafingen. Der SP-Ständerat trat bei den letzten Wahlen im Herbst 2023 nicht mehr an. Keystone/Peter Kaunzler

Sofort ändert die Gesetzeslage übrigens auch nach dem heutigen Entscheid des Nationalrates nicht. Dazu muss der Bundesrat die Motion zunächst umsetzen. Bis dahin können Lottomillionäre weiter durch Zügeln viel Geld sparen und die bisherigen Wohngemeinden nicht an ihrem Glück teilhaben lassen.

Video
Der Traum vom Millionen-Lottogewinn
Aus 10 vor 10 vom 27.02.2024.
abspielen. Laufzeit 3 Minuten 8 Sekunden.

SRF 4 News, 02.03.2024, 19 Uhr ; 

Jederzeit top informiert!
Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden.
Schliessen

Jederzeit top informiert!

Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

Meistgelesene Artikel