Zum Inhalt springen

Header

Video
Frauenfussball: Fussballer-Gewerkschaft fordert professionellere Strukturen
Aus 10vor10 vom 11.09.2019.
abspielen
Inhalt

Champions League der Frauen «Wir haben die Entwicklungen im Frauenfussball verschlafen»

Die Spielerinnen des FC Zürich spielten in der Champions League – in ihrer Freizeit. Frauenfussball ist hierzulande immer noch ein Amateursport. Die Fussballer-Gewerkschaft fordert professionellere Strukturen.

Martina Moser spielt diese Saison bereits zum dritten Mal für den FC Zürich in der Champions League. Sie hat 129 Spiele mit dem Nationalteam bestritten, an der WM 2015 teilgenommen, ist mehrfache Schweizer Meisterin und Cupsiegerin.

Ihr Arbeitsort ist aber nicht der Rasen, sondern das Büro. Die 33-Jährige arbeitet täglich auf der Geschäftsstelle des FC Zürich, bevor sie sich ins allabendliche Training verabschiedet: «Der Alltag ist extrem anstrengend. Es bleibt neben Training und Arbeit praktisch keine Zeit für die Regeneration oder fürs Privatleben, Freunde und Familie», sagt Martina Moser.

Martina Moser.
Legende: «Für das Privatleben bleibt wenig Zeit» erklärt Martina Moser. Keystone

Keine Löhne für Schweizer NLA-Spielerinnen

Martina Moser weiss, wie es anders ginge. Sie hat 10 Jahre lang in der deutschen Bundesliga gespielt. Dort verdiente sie genug, um sich voll auf den Fussball konzentrieren zu können. Vor zwei Jahren ist sie in die Schweiz zurückgekehrt. Die Umstellung sei hart gewesen, sagt sie.

Beim FC Zürich verfügt keine der Spielerinnen über einen Profivertrag, Löhne gibt es nicht. Um den Lebensunterhalt zu verdienen, arbeiten viele wie Martina Moser neben dem Fussball 80 oder 100 Prozent. Ähnlich sieht es bei den meisten Klubs der Nationalliga A (NLA) der Schweiz aus. Laut dem Schweizerischen Fussballverband (SFV) verfügen nur 10 Spielerinnen in der Schweiz über einen vertraglich gesicherten Fixlohn. Bei den Männern sind es über 900.

Schweizer Fussballerin und Fussballer: Ein Vergleich

Martina MoserYanick Brecher
Alter:3326
Position:MittelfeldTorhüter
Status:AmateurfussballerinProfifussballer
Grösster Erfolg:WM-TeilnahmeCupsieg
Nati-Einsätze:1290
Trainings pro Woche:47
Lohn:Kein Lohn, nur Spesen200'000 - 300'000 CHF / Jahr
Prämienca. 1000 CHFbis zu 100'000 CHF
Sponsoren:Ausrüstungssponsor, bezahlt ihre Fussballschuhe selber.Ausrüstungssponsor, Sponsoren für Schuhe und Handschuhe.
Zuschauer pro Spiel:Ø 150 - 200Ø 10'000

Quelle: FC Zürich

1000 Franken pro Monat

In einer Umfrage der Fussballer-Gewerkschaft SAFP haben vor einigen Jahren 99% der befragten NLA-Spielerinnen angegeben, dass sie sich professionellere Strukturen im Frauenfussball wünschten. Dies betrifft nicht nur den Lohn, sondern auch die Bedingungen in Trainings und Meisterschaftsspielen. Die Gewerkschaft hat deshalb ein Paket von Forderungen zusammengestellt, unter anderem an die Adresse des SFV. Eine der Ideen: Der Verband soll den besten Spielerinnen der NLA-Klubs pro Monat 1000 Franken Lohn bezahlen.

Für Gewerkschaftspräsident Lucien Valloni ist klar, dass solche Massnahmen nötig seien, um den Schweizer Frauenfussball weiterzubringen: «Wenn sich die Frauen besser auf den Fussball konzentrieren können, verbessern sich auch die Leistungen. Längerfristig kann man so auch mit Frauenfussball Geld verdienen. Das zeigen Beispiele im Ausland.»

Spielerinnen des FCZ feiern vor Zuschauern im Stadion.
Legende: Martina Moser (zweite von rechts) und die restlichen Spielerinnen des FCZ feierten im April ihren Sieg gegen YB im Schweizer Fussball Frauen-Cupfinal. Keystone

Verband will Massnahmen definieren

Tatjana Haenni, Ressortleiterin Frauenfussball beim Schweizerischen Fussballverband, gibt zu, dass man die rasanten Entwicklungen im Frauenfussball in der Schweiz verschlafen habe: «Der Frauenfussball ist mit der Geschwindigkeit eines TVG unterwegs. Wir müssen jetzt schauen, dass wir aufspringen und Massnahmen definieren können.»

Auf konkrete Massnahmen will Haenni sich hingegen noch nicht festlegen lassen. Der Schweizer Frauenfussball befinde sich momentan in einem Umbruch, es habe verbandsintern einige Wechsel gegeben. «Fairerweise muss man dem SFV noch etwas Zeit geben, um den Hype, den die WM 2019 ausgelöst hat, aufzunehmen und Massnahmen zu ergreifen. In 2-3 Monaten wissen wir hoffentlich mehr.»

Vergleich Marketing Frauen- und Männerfussball

Frauenfussball SFV, 2018Männerfussball SFV, 2018
Marketing-Einnahmen2.4 Mio. CHF29,4 Mio. CHF
Ausgaben867'000 CHF (Nationalliga A)4.2 Mio. CHF (Super League)

(Quelle: SFV)

Schliessen

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

10 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Nico Basler  (Bebbi 1)
    Bei Heimspielen der Oranje Leuwinnen sind 25000 Zuschauer im Stadion und npo1 (das niederländische SRF) überträgt live. Bei der letzten Frauen WM hatten die zwischen 3 und 5 Mio TV Zuschauer. Noch Fragen?
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Ueli Roschi  (Veloueli)
    Der Frauenfussball ist Meilenweit vom Männerfussball entfernt Selbst die WM FRAUEN der USA verlieren gegen U 16 Junioren. Nehmen wir zum Beispiel Daniela Ryf. Diese Frau kommt unter die Top 15 Männer in Hawai oder unsere Skimädels welch mittlerweile Männerstrecken herunterrasen.
    Im MTB CCfahren die Frauen auf der gleichen Strecke und bieten das gleiche Spektakel. Ich habe die Frauen WM der Frauen etwas verfolgt. Nach 70 min ging jeweils nichts mehr.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Beni Fuchs  (Beni Fuchs)
    Sind jetzt wieder die Männer schuld am Desinteresse für Frauenfussball? Wenn sich das gesamte weibliche Publikum geschlossen für Stadionbesuche wie TV Übertragungen von Frauenfussballmatches interessieren würd, wäre die Situatiuon anders. Scheint aber nicht so zu sein. Mich langweilen Fussballspiele so oder so, ob nun Männer oder Frauen dem runden Ding hinterherrennen. Vielleicht ist es aber einfach so, dass die Interessen von Frauen und Männern verschieden sind? Liegt es in unsrer Biologie?
    Ablehnen den Kommentar ablehnen