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Legende: Audio 33 Quadratmeter: Genug für eine kleine Familie abspielen. Laufzeit 04:27 Minuten.
Aus Rendez-vous vom 24.04.2019.
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CO2-neutral leben Tilla schont das Klima

Möglichst klimaneutral leben: Eine junge Zürcher Familie macht es vor.

Ein Bauernhof, ein Obsthain, eine Neubausiedlung und dazwischen eine Wiese. Auf dieser Wiese steht ein grosser Wohnwagen aus Holz. Er heisst Tilla. «Tilla steht für ‹tiny› Villa, also kleine Villa», sagt René Reist.

Sein Tilla-Projekt betrachtet er als zukunftsweisend. Sein Ziel ist, möglichst energieautonom zu leben. Er wohnt mit seiner Frau und seinem einjährigen Sohn seit September im Wohnwagen. Den Winter hätten sie sehr gut überstanden. Der 33-Jährige erklärt, was ihn motiviert hat: «Ich möchte nachhaltig wohnen. So habe ich mir als junger Bürger in der Schweiz einen Handlungsspielraum ohne Hypothek geschaffen.»

Licht vom Solarpanel

Das Ziel ist, die Energiewende zu schaffen und weniger Ressourcen zu verbrauchen. Deshalb ist Tilla auch kein normaler Wohnwagen. Sie ist nicht ans Stromnetz angeschlossen, den Strom produziert sie selbst. Auf dem Dach stehen zehn Solarpanels. Das reiche für den Alltag, fürs Licht, den Kühlschrank, den Computer, sagt Reist auch im Winter: «Selbst wenn es lange bewölkt ist, überstehen wir zehn Tage. Wir brauchen zwei, drei Stunden Sonne, und dann ist die Batterie wieder voll.»

Auch für die Heizung reicht die selbst produzierte Energie bis in den Herbst hinein. Im Winter nutzt die Familie zusätzlich einen Holzofen, damit sie nicht in der kalten Stube sitzen muss. Zum Kochen reicht der eigene Strom hingegen nicht, denn Kochen braucht sehr viel Energie. Gekocht wird mit Gas.

Wir machen regelmässig Besuchstage. Wir werden fast überrannt jeweils.
Autor: René ReistLebt klimaneutral

Ganz energieautonom ist das Projekt Tilla also nicht. Dafür bräuchte es eine grössere Gemeinschaft, sagt Reist. Mehrere Haushalte könnten aus den organischen Abfällen Biogas fürs Kochen herstellen. Reist schwebt vor, sein Wohnkonzept mit Gleichgesinnten zu erweitern. Das wäre energieeffizienter.

Sowieso wird die Familie bald mehr Platz brauchen. Ein zweites Kind ist unterwegs. Aber noch ist die Familie klein, die 33 Quadratmeter reichen für ein grosses Bett, einen Esstisch, eine Küche und ein Bad aus.

Vater der Familie im Zürcherischen Au am Zürichsee.
Legende: Ist es möglich, klimaneutral zu leben? Es gibt Menschen, die es ernsthaft versuchen und dabei weiter gehen als die meisten – zum Beispiel die junge Familie im Zürcherischen Au am Zürichsee. Rafael von Matt/SRF

Auch das Bad hält eine Überraschung bereit. Es hat eine spezielle Toilette, die den Urin und die Fäkalien trennt. Das hat einen wichtigen Vorteil: «Wenn es von Anfang an trennt, kann man es relativ einfach aufbereiten. Aus dem Urin kann ich Dünger machen. Die Fäkalien kann ich mit einem Wurmkompostiersystem kompostieren und vor Ort wieder nutzen.»

Genauso wird auch das Abwasser von der Dusche und der Küche gefiltert und gereinigt. Das Ziel sind geschlossene Kreisläufe. Dadurch lässt sich der Ressourcenverbrauch stark verringern. Von Gesetzes wegen ist die Tilla an der Kanalisation angeschlossen, aber es ginge auch ohne.

Viel Interesse von aussen

Reist ist mit seiner Familie gut unterwegs auf seinem Weg zu einem klimaneutralen Leben. Sein Wohnwagen fällt im Dorf auf; dementsprechend neugierig reagieren die Nachbarn und die Schulkinder der nahen Primarschule. Immer wieder werde er auf sein Projekt angesprochen, sagt Reist, ein sportlicher Typ im T-Shirt mit Bart und Glatze. Das sei gut, denn er wolle seine Ideen auch weitergeben: «Wir machen regelmässig Besuchstage. Wir werden fast überrannt jeweils. Es macht mir Freude, dass viele Leute in diese Richtung gehen.»

Freude haben auch die Forscher von zwei Zürcher Hochschulen. Sie begleiten das Projekt wissenschaftlich, um daraus Erkenntnisse für die Umsetzung der Energiestrategie 2050 zu gewinnen. Reist und seine Familie wollen noch bis im Herbst 2020 in der Au bleiben und danach mit ihrem Wohnwagen wegziehen. Schliesslich ist Tilla ja ein Heim auf Rädern.

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75 Kommentare

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  • Kommentar von Jean-Philippe Ducrey  (Jean-Philippe Ducrey)
    Ich habe nichts gegen Leute, die so leben wollen. Nur darf man das nicht als "klimaschonend" verkaufen. Ist es definitiv nicht, im Gegenteil, es zeigt bestens auf, dass die vielbeschworene Energiewende ganz einfach ein riesiger Schwindel ist. Wenn dabei im malerischen Goms Wälder abgeholzt werden (von der Verschandelung der Landschaft ganz zu schweigen), nur damit man dank Energiewende mehr hochsubventionierten Strom vernichten kann, dann kommen einem regelrecht die Griemen.
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  • Kommentar von Arthur Häberli  (Arthur Häberli)
    Eines der Haupttricks dieses Modelles ist die bescheidene Lebensweise. Solange wir in Häusern oder Wohnungen hausen wollen in der Tilla locker in die Garderobe einer Wohnung passt, wird die benötigte Energie auch entsprechend Benötigt. Ich könnte es glaub nicht, in solch 'normalen', kleinräumigen Einrichtungen wohnen, aber es würde mehrere Problemdomänen bedienen und ist mehr als nur einfach eine lustige Idee. Wir tun überall das Gegenteil. Auch bei den Fahrzeugen Grösser, schwerer, unnötiger.
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  • Kommentar von Beppie Hermann  (Eine rechte Grüne)
    Ein bisschen Zaffaraya..., ob dies nun wirklich klimaneutral+umweltschonend ist, kann ich nicht beurteilen. Es ist eine weitere Form des Wohnens, die aber sicher nicht für alle 8,5Mio passt, geschweige denn umgesetzt werden kann. Aber in einem bin ich mir ganz sicher, keine dieser klimakosmetischen Massnahmen wird unsere Existenz retten, wenn nicht jedes einzelne Land dieser Welt sein Bevölkerungswachstum in den MInusbereich drosselt, sich in kurzen Jz die Weltbevölkerung verdoppelt haben wird.
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