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Wie Peru für die Schweiz Treibhausgas reduziert
Aus Echo der Zeit vom 31.08.2020.
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CO2-Reduktion im Ausland Erstes Abkommen zur Klimakompensation ist unterschriftsreif

Die Schweiz will einen Teil der geplanten CO2-Reduktion durch Projekte im Ausland erreichen. Der erste Partner ist Peru.

Franz Perrez, Chefverhandler des Bundesamts für Umwelt, ist zuversichtlich: «Wir hoffen, dass das Klima-Kompensationsabkommen im September unterzeichnet werden kann.» Der Text sei fertig ausgehandelt, es brauche nur noch ein Mandat der peruanischen Regierung und des Bundesrats.

«Das Abkommen regelt die Zusammenarbeit zwischen Peru und der Schweiz, wie wir gemeinsam zusätzliche Emissionsreduktionen generieren können und wie sie der Schweiz oder Peru angerechnet werden können», so Perrez.

Perrez
Legende: Laut Franz Perrez vom Bundesamt für Umwelt ist eine Unterzeichnung noch im September möglich. Keystone

Für die Umsetzung wird die Schweizer Stiftung Klimaschutz und CO2-Kompensation (Klik) zuständig sein. Sie wurde von der Erdölvereinigung gegründet. Diese ist verpflichtet, einen Teil der Treibstoffemissionen zu kompensieren. Bezahlt wird dies über die Benzin- und Dieselabgaben.

Premiere auf diesem Gebiet

Mit dem Vertrag mit Peru betritt die Schweiz Neuland. Kompliziert sei vor allem die Bedingung des Pariser Klimaabkommens, dass Projekte im Ausland zusätzlich zu den Klimaplänen eines Landes sein müssen. Das sei schwierig, sagt Perrez: «Deshalb waren die Verhandlungen auch so herausfordernd.»

Die Schweiz will unter anderem 200'000 energieeffiziente Öfen in peruanischen Bergregionen verteilen. Das soll helfen, Brennholz einzusparen. Dadurch wiederum soll der Kohlendioxid-Ausstoss reduziert werden. Der Bund hofft auf eine Reduktion von total zwei Mio. Tonnen CO2.

Die bisherige Erfahrung mit Klimazertifikaten ist durchzogen bis schlecht.
Autor: Patrick HofstetterWWF

Ob das angepeilte Ziel in Peru tatsächlich erreicht werden kann, sei noch offen, sagt Mischa Classen, Projektleiter bei Klik. «Wir sind noch nicht so weit, sagen zu können, ob hier zwei Millionen Tonnen eingespart werden können, weil diese Projekte ja mit den peruanischen Behörden mitentwickelt werden.»

Doppelt anrechnen gilt nicht

Komplex ist auch eine weitere Bedingung: Emissionsreduktionen dürfen nicht doppelt angerechnet werden. Peru muss also die Emissionsminderung, die sich die Schweiz anrechnet, aus der eigenen Emissionsbilanz herausrechnen.

Ob das klappt, ist eine andere Frage. Patrick Hofstetter von der Umweltorganisation WWF sagt: «Das ist ganz schwer zu kontrollieren. Die bisherige Erfahrung mit Klimazertifikaten ist durchzogen bis schlecht. In der Kyoto-Periode hat man das jahrelang probiert und im Nachhinein gemerkt, dass das oft nicht so gut geklappt hat, wie man sich das dachte.»

Perrez versichert, dass das geplante Abkommen mit Peru genügend Kontrollen festschreibe, um eine Doppelanrechnung zu verhindern. «Mindestens alle zwei Jahre berichten wir der UNO, wie viele Emissionsreduktionen transferiert worden sind.»

Kamine
Legende: Die Schweiz hat sich verpflichtet, 2030 nur noch halb so viel Treibhausgase auszustossen wie 1990. Keystone

Eine grosse Frage ist auch der Preis, den die Stiftung Klik pro Tonne CO2 zahlen muss, die in Peru eingespart wird. «Das Geld muss ausreichen, um die Programme ins Leben zu rufen und zu betreiben», sagt Classen. «Es kann nicht zu günstig sein, weil diese Aktivitäten sonst nicht ins Rollen kommen.»

Dass auch andere Länder wie Kanada und Japan über Klimakompensation im Ausland verhandeln, könnte den Wettbewerb beleben, sagt Sabin Bieri vom Zentrum für Entwicklung und Umwelt der Universität Bern: «Länder wie Peru hoffen, dass mit den festgelegten Reduktionszielen die Preise steigen. So wird es interessanter, sich an dem Markt zu beteiligen.»

Noch dieses Jahr könnten auch Verträge mit Ghana und Senegal fertig verhandelt sein. Weitere sollen folgen. Bis 2030 will die Schweiz 34 Millionen Tonnen CO2 im Ausland einsparen. Noch wirkt das Ziel recht sportlich.

Schweiz wird auch im Inland sparen müssen

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Das konkrete Ziel, das man sich in Paris 2015 gegeben hat, nämlich die Erderwärmung auf möglichst anderthalb Grad begrenzen zu wollen, erreicht man laut der Wissenschaft nur, wenn möglichst alle Länder bis Mitte des Jahrhunderts unter dem Strich keine Treibhausgase mehr ausstossen.

Das heisst, wer jetzt lieber im Ausland reduziert als zu Hause, der muss das später zu Hause nachholen. Zwar sind Reduktionen in Peru heute günstiger als solche in der Schweiz, aber irgendwann muss die Schweiz die verbleibenden Emissionen auch noch zu Hause reduzieren.

Verschiedene Stimmen warnen bereits, dass das dereinst teurer komme und dass es besser wäre, wenn hierzulande reduziert würde. Dann würde man nämlich damit auch die einheimische Industrie unterstützen. (ammk)

Echo der Zeit, 31.08.2020, 18 Uhr

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64 Kommentare

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  • Kommentar von Kurt Looser  (Dremel)
    Unsere Stromkonzerne bauen Solar- und Windkraftwerke im fernen Ausland und verkaufen Zertifizierten Ökostrom an ihre Kunden in der Schweiz. Begründung, es können mit dem selben Geld mehr Projekte für das Klima verwirklicht werden.

    Nun, Italien hat notorisch zu wenig Strom, Deutschland stellt laufend seine Kraftwerke ab, die Schweiz geht einen ähnlichen Weg nur langsamer. Was glauben Sie, fließt der zertifizierte Ökostrom noch aus der Steckdose, wenn Stromknappheit herrscht?
  • Kommentar von Markus Freiburghaus  (fribi)
    Die Zeit wird uns einholen, wenn wir nur "verschieben", denn nur die Reduktion / Verminderung von CO2 hilft uns langfristig. Alles Andere ist Selbsttäuschung und das Überlassen an die zukünftige Generation(en). Je länger nur gemauschelt wird, desto schmerzhafter und teurer wird dann die hinausgeschobene aber unausweichliche Reduktion sein. Eben: Einmal mehr sollen die armen Länder (=Menschen) den Preis für unseren unbändigen Konsumwahn und Wohlstand herhalten! Übrigens: Bin kein Grüner...
    1. Antwort von Thomas Leu  (tleu)
      @ Markus Freiburghaus: Vermutlich haben Sie das System nicht richtig verstanden. Bis jetzt pusten die reichen Länder ungebremst Treibhausgase aus und zerstören das Klima für alle; auch für die Armen. Gleichzeitig erwarten die reichen Länder aber von den armen Ländern, dass diese den Urwald nicht mehr abholzen. Jetzt wird der Spiess umgedreht: Die reichen entschädigen die armen Länder dafür, dass sie die Bäume stehen lassen. Dadurch profitieren beide. Die Leistung der Armen wird von uns vergütet.
  • Kommentar von Thomas Leu  (tleu)
    An die Skeptiker: Gemäss Pariser Abkommen müssen wir bis 2030 (bis in 10 Jahren) die Treibhausgase halbieren. Immer mehr Länder beschliessen, die Emissionen bis 2050 auf netto Null zu senken. Für Länder, die schon weit sind, ist jede weitere Reduktion sehr teuer. Also reduziert man dort, wo man pro Franken am meisten bekommt. Jeder BWLer lernt, was Effizienz ist. Die Alternativen sind schwammig und langsam. Was uns erwartet, wenn wir zu langsam sind, kann man in den Reports des IPCC nachlesen.
    1. Antwort von Lukas Gubser  (Mastplast)
      Wir sind aber nicht weit, Herr Leu.
    2. Antwort von Thomas Leu  (tleu)
      @ Lukas Gubser: Die Schweiz erhebt, nach Schweden, die zweithöchste CO2-Steuer der Welt (Fr. 96/Tonne Emissionen), nimmt am europäischen Emissionshandel teil, hat ein Gebäudeprogramm zur energetischen Sanierung von Gebäuden eingeführt. Leider hat man es bis jetzt am politischen Widerstand nicht geschafft, auch die Treibstoffe zu besteuern. Auch in anderen Belangen hinken wir nach. Wir sind etwas über dem westeuropäischen Durchschnitt. Global gesehen im vorderen Fünftel. Es gibt noch viel zu tun.
    3. Antwort von Kurt Looser  (Dremel)
      @Leu Das einzige, von ihrer Aufzählung, was effektiv Einsparungen ergibt ist das Gebäudeprogramm, der Rest ist reine Symbolpolitik oder etwas für Spekulanten. Die Treibstoffe sind bereits so stark besteuert, das die Angaben höher sind als der Treibstoff, aber natürlich man kann immer noch etwas draufpacken.

      Es ist schön befassen sie sich so intensiv mit der Thematik, es sollte allerdings möglich sein zu anderen Schlüssen zu kommen.
    4. Antwort von Thomas Leu  (tleu)
      @ Kurt Looser: Das Gebäudeprogramm wird durch die Einnahmen der CO2-Steuer finanziert. Ohne diese Steuer gäbe es dafür kein Geld. Die CO2-Steuer bewirkt, dass kaum noch jemand eine Ölheizung installiert. Ohne diesen Preisanreiz wäre das nicht so. Auf den Treibstoffen gibt es keine CO2-Steuer. Eine verursachergerechte CO2-Steuer würde den Literpreis von Benzin oder Diesel auf mindestens 3 Fr. anheben. Dann würden die teuren Benzinfresser von selbst verschwinden und durch sparsamere Autos ersetzt.