Zum Inhalt springen

Header

Video
Immer mehr Schulen sind zu
Aus 10 vor 10 vom 01.02.2021.
abspielen
Inhalt

Corona an Schulen Epidemiologin: Schulen haben noch nicht alle Mittel ausgeschöpft

Für Susi Kriemler, Epidemiologin und Kinderärztin, ist eine schweizweite Schulschliessung zur Eindämmung der Corona-Pandemie kein Thema. Zuerst müssten andere Möglichkeiten in der Schule ausgeschöpft werden – welche das sein könnten, erklärt sie im Interview.

Susi Kriemler

Susi Kriemler

Personen-Box aufklappenPersonen-Box zuklappen

Prof. Dr. med. Susi Kriemler ist Kinderärztin und Epidemiologin. Sie forscht an der Universität Zürich, u.a. an der «Ciao Corona-Studie», welche sich mit Ansteckungsmustern an Schulen befasst.

SRF News: Frau Kriemler, warum sind Schulen nun mehr vom Virus betroffen als in den letzten Monaten?

Susi Kriemler: Ob das wirklich der Fall ist, ist nicht klar. Ich glaube, dass mehr über Schulschliessungen berichtet wird. Ausserdem glaube ich, dass die Fallzahlen in der ganzen Schweiz zunehmen, auch in den Schulen. Das liegt an der neuen Mutationsvariante, die einfach sehr viel infektiöser ist – gegenüber der ganzen Bevölkerung. Deshalb mag es so scheinen, als ob sich in den Schulen mehr Ansteckungen ereignen, obwohl die Lage nicht beunruhigend ist.

Es gibt keine Evidenz dafür, dass in der Schule besonders viele Übertragungen stattfinden.

Lange dachte man, Kinder seien nicht Treiber der Pandemie. Hat sich das jetzt geändert?

Nein, das hat sich nicht geändert. Wenn die Infektiosität des Virus steigt, sind alle mehr betroffen, auch Kinder. Aber es gibt keine Evidenz dafür, dass in der Schule besonders viele Übertragungen stattfinden. Wir gehen Mitte März bis Mitte April wieder in die Schulen und sehen uns an, ob Kinder anders übertragen als bisher. Da wir die letzte Untersuchung Mitte November bis Anfang Dezember gemacht haben, haben wir nun ein perfektes Fenster, um zu sehen, was sich in dieser Zeit verändert hat.

Müssen die Schulen nun mit der Mutation andere Schutzvorkehrungen treffen?

Die Schulen haben es bisher sehr gut gemacht. Unsere Studie zeigt, dass wir keine Anhäufung von Ansteckungen in den Klassen und Schulen haben. Das bedeutet, dass die bisherigen Massnahmen wirklich verhindert haben, dass wir grosse Ausbrüche in den Schulen haben. Auch beim mutierten Virus sprechen wir nur von Einzelfällen, die man in Relation setzen muss. Wenn in der Schweiz zehn von 2000 Schulen betroffen sind, dann sind das 0.5 Prozent – ein ganz kleiner Prozentsatz. Dennoch verändert sich die Situation. Wir wissen nicht, was das neue Virus mit den Schulen macht. Deshalb muss man sich jetzt überlegen, ob das Vorgehen angepasst werden muss.

Wir haben ganz viel Spielraum, Schule so zu gestalten, dass auch das neue Virus gebremst wird.

Denken Sie da auch an Schulschliessungen?

Wir haben ganz viel Spielraum, Schule so zu gestalten, dass auch das neue Virus gebremst wird. Wir können zum Beispiel die Klassen verkleinern, beisammen halten, die Schüler gestaffelt anreisen lassen oder Pausenplätze nur klassenweise nutzen. Schulschliessung wäre die ultimative Lösung, wovon wir aber weit entfernt sind. Wir müssen zuerst alle anderen Möglichkeiten ausschöpfen, bevor wir die Schulen schliessen und die Schüler in eine Situation bringen, die sie psychisch und physisch belastet.

Einzelne Schulschliessungen machen dann Sinn, wenn sie das Virus im Anfang ersticken, bevor man das ganze Schulsystem schliessen muss.

Wäre eine Schulschliessung nicht gerade für ältere Schüler eine geeignete Massnahme?

Die älteren Kinder sind sehr viel versierter im Umgang mit Technik. Sie können sich selbst mehr erarbeiten. Aber auch dort: Sehr viele Jugendliche leiden unter der sozialen Isolation. Sie müssen den ganzen Tag herumsitzen und können sich nicht mit denjenigen treffen, die ihnen wirklich wertvoll sind im Leben. Das muss immer mit in die Waagschale geworfen werden. Einzelne Schulschliessungen machen dann Sinn, wenn sie das Virus im Anfang ersticken, bevor man das ganze Schulsystem schliessen muss.

Das Interview führte Beni Minder.

10vor10, 01.02.2021, 21:50 Uhr;

Jederzeit top informiert!
Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden.
Schliessen

Jederzeit top informiert!

Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Push-Mitteilungen aktivieren

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

Meistgelesene Artikel

Nach links scrollen Nach rechts scrollen

105 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Denise Ackermann  (belle et bète)
    Diejenigen, die behauptet haben, Kinder seien nicht die Treiber der Pandemie, die haben mitverursacht, dass es nicht längst einen neuen Schulplan gibt, der Pandemie angepasst. Warum befragt man nicht Oberstufenschüler/innen und Berufsfachklassenschüler/innen, wie sie das sehen? Man behauptet über deren Köpfe hinweg, das ginge nicht. Dabei ist wohl das grössere Problem, dass sich Jugendliche schon so lange nicht mehr in der Freizeit treffen sollen. Das ist ein enormes Problem, davon redet keiner
  • Kommentar von Denise Ackermann  (belle et bète)
    Wie lange will die Schweiz noch behaupten Kinder seien nicht Ansteckend? Nur wenn es mehr Coronafälle gibt, seien Kinder auch betroffen, aber sei ist kein Problem.Nur wann verbreitet sich das Virus? Nachweislich dann und dort, wo sich viele Menschen auf engem Raum bewegen und die Abstände nicht eingehalten werden können - also vor allem in der Schule!! Irgendwie wird es schon gut gehen, ist wohl die Devise. Anstatt endlich mal einen neuen Schulplan zu gestalten, das wurde sträflich unterlassen.
  • Kommentar von Karin Aeschlimann  (KaAl)
    Ich bin Lehrerin und spreche oft mit meinen Schüler*innen über die aktuelle epidemiologische Lage und über Massnahmen. Viele Jugendliche sehen es so: Wenn durch ein paar Wochen Fernunterricht die Ansteckungen zurückgehen und sie danach wieder ohne Maske zur Schule kommen dürfen, wir wieder Schulreisen veranstalten dürfen, dann lohnt es sich. Dann hat das Ganze nämlich mal ein Ende....Übrigens: Die Schulen sind modern... Die Schüler*innen haben Notebooks und kennen sich mit Office365 Teams aus...