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Psychische Probleme: Telefonische Beratungen sind gefragt
Aus Rendez-vous vom 20.04.2020.
abspielen. Laufzeit 04:20 Minuten.
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Corona belastet die Psyche Psychologen werden bei Ferntherapien benachteiligt

Wer schon vor der Krise psychische Probleme hatte, leidet nun vermehrt. Therapien von zuhause aus sind aber beschränkt.

Skypen, telefonieren, per Video vis-à-vis sitzen: In der Psychologie und der Psychiatrie ist es möglich, Patienten «fernmündlich» zu behandeln. Während des Corona-Lockdowns haben viele Fachleute und Patienten auf diese Form der Psychotherapie umgestellt.

Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) hat festgelegt, dass solche fernmündlichen Therapien von der Grundversicherung bezahlt werden. Allerdings nur, wenn sie von Psychiatern durchgeführt werden. Psychologische Psychotherapeutinnen und -therapeuten hingegen dürfen in sechs Monaten maximal sechs fernmündliche Stunden pro Patient abrechnen.

Angst vor Praxisbesuch

Dagegen wehrt sich die Föderation der Schweizer Psychologinnen und Psychologen. Co-Präsidentin Yvik Adler spricht von einer Ungleichbehandlung. «Und es reicht auch nicht.» Dies, obwohl die Praxen nach dem Lockdown ab nächster Woche theoretisch wieder öffnen können.

«Denn es wird auch weiter Patientinnen und Patienten geben, die zur Risikogruppe gehören oder zu grosse Angst haben, nun schon wieder in die Praxen zu kommen.» Sie müssten aber weiterhin behandelt werden können, sagt Adler.

Solidarität von Psychiatrie-Vereinigung

Auch die Föderation der Psychiaterinnen und Psychiater der Schweiz ist nicht glücklich mit den Empfehlungen des BAG. Vizepräsident Alain Di Gallo, Chefarzt der Universitären Psychiatrischen Kliniken Basel, erklärt: «Das gilt nur für schon bestehende Behandlungen, nicht aber für neue Patientinnen und Patienten. Das ist ein Problem.» Und auch die Di Gallo versteht nicht, warum das BAG Psychologinnen und Psychologen ausschliesst.

Es gibt viel Angst, Depression und Stress unter den Leuten. Mehr als die eigentliche Angst vor Covid-19.
Autor: Ed BullmoreNeurowissenschaftler an der Universität Cambridge

Die Psychiater solidarisieren sich also mit den Psychologen. Denn sie sehen die Versorgung von Patientinnen und Patienten gefährdet. Derweil wird die psychische Belastung durch die Corona-Krise nun auch Gegenstand der Forschung. Letzte Woche hat unter Federführung des renommierten Fachblatts «Lancet Psychiatry» eine internationale Forschungsgruppe damit begonnen, die Auswirkungen der Pandemie auf die Psyche zu untersuchen.

Einer der Initianten ist der Neurowissenschaftler Ed Bullmore von der Universität Cambridge in England. Covid habe einen massiven Einfluss auf die psychische Gesundheit – jetzt und längerfristig, so Bullmore. Sein Institut hat in der Bevölkerung eine Umfrage durchgeführt. «Es gibt viel Angst, Depression und Stress unter den Leuten. Mehr als die eigentliche Angst vor Covid-19», sagt Bullmore. Gemäss der Umfrage sind ältere Menschen sowie Kinder und Jugendliche besonders gefährdet.

Video
Aus dem Archiv: Was Corona mit unserer Psyche macht
Aus Puls vom 16.03.2020.
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Rendez-vous, 20.04.2020, 12:30 Uhr

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15 Kommentare

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  • Kommentar von Markus Weilenmann  (markusweile)
    In der jetzigen Krise ist es vor allem wichtig, verängstigten Personen stützend zur Seite zu stehen. Video oder Telefonberatung braucht auch nicht mehr - wie bisher üblich - jeweils eine Stunde zu dauern, es kann weniger pro Einheit sein, dafür häufiger. Das ist viel effektiver. Wichtig ist vor allem ein flexibler Umgang. Die starre Regelung des BAG zeigt demgegenüber wieder einmal, wie unsinnig Bürokratie sein kann, va. in solchen Krisenzeiten.
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  • Kommentar von Ernst Sommer  (Ersom)
    Die penetrante Lobby-Arbeit der Psychologen und Psychologinnen wird bestimmt irgendwann Früchte tragen. Die können heute schon ihre Leistungen anbieten, die Frage ist nur, wer das bezahlt. Die Krankenkassen werden schon ausreichend belastet.
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  • Kommentar von Nico Stäger  (Nico Stäger)
    Vor einem Monat wurden diejenigen virtuell gesteinigt, welche gewarnt haben, dass die ergriffenen Massnahmen mehr Todesfälle (Suizide, Gewaltverbrechen) und langfristige Schäden (psychische Langzeitschäden u.a. wegen neuen Ängsten oder finanziellen Problemen oder häusliche Gewalt oder Desozialisierung von Jugendlichen oder Kombinationen davon) verursachen werden, als Covid-19. Und es wird selbstverständlich nicht die Corona-Risikogruppe besonders hart treffen, sondern die Jungen.
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