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Corona-Impfung Schützt der Impfstoff von Astra-Zeneca weniger gut vor Corona?

Der Impfstoff von Astra-Zeneca wird voraussichtlich auch bald in der Schweiz zugelassen und hierzulande zum Einsatz kommen. Laut Studien liegt seine Wirksamkeit bedeutend tiefer als diejenige anderer Impfstoffe. Was das für Geimpfte und für die Strategie des Bundesrats bedeutet, erklärt SRF-Wissenschaftsredaktor Daniel Theis.

Daniel Theis

Daniel Theis

SRF-Wissenschaftsredaktor

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Daniel Theis ist promovierter Atmosphärenchemiker und Mikrobiologe. Seine Spezialgebiete sind Energiethemen, Mobilität und technische Entwicklungen. Er arbeitet seit 2013 in der SRF-Wissenschaftsredaktion.

SRF News: Der Impfstoff von Astra-Zeneca soll lediglich eine Wirksamkeit von 62 Prozent haben. Andere Quellen , Link öffnet in einem neuen Fenstersprechen von 90 Prozent, wenn zunächst eine niedrigere Dosis und später die Standarddosis verabreicht werden. Was stimmt nun?

Daniel Theis: Beide Zahlen sind richtig. Bei der ursprünglich vorgesehenen Dosierung betrug der Schutz vor Corona im Durchschnitt 62 Prozent, mit einer statistischen Streuung von 41 bis 76 Prozent. Wegen eines Dosierfehlers erhielt eine kleinere Gruppe von Testpersonen aber zuerst nur eine halbe Dosis. Bei dieser Gruppe zeigte sich eine Wirksamkeit von 90 Prozent (Streuung: 67 bis 97 Prozent).

Wie der Impfstoff von Astra-Zeneca in der Schweiz letztlich eingesetzt wird, ist noch unklar. Das wird «Swissmedic» als Zulassungsbehörde wohl in Kürze entscheiden.

Wie wird die Wirksamkeit eines Impfstoffs überprüft?

Der Königsweg ist eine sogenannte Doppelblindstudie, bei der die Probanden zufällig in zwei Gruppen aufgeteilt werden. Da sie und die Ärzte nicht wissen, wer zu welcher Gruppe gehört, sind beide «blind». Die eine Gruppe erhält den Impfstoff, der getestet wird, und die andere ein Placebo. Dann wird geschaut, wie viele Menschen in welcher Gruppe an Covid-19 erkranken.

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Aus dem Archiv: Rückschlag für Impfstudie von AstraZeneca
Aus 10 vor 10 vom 09.09.2020.
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Zeigen sich klare Unterschiede, beweist das im Prinzip die Wirksamkeit des Impfstoffs. Weil aber die Menschen nicht alle gleich stark dem Virus ausgesetzt sind, braucht es eine grosse Zahl von Versuchspersonen, also Zehntausende, damit ein Resultat statistisch aussagekräftig ist.

Wenn ein Teil der Bevölkerung mit einem Impfstoff geimpft wird, der bei fast einem Drittel keinen Schutz bietet: Ist das nicht gefährlich, weil es den Geimpften in einer trügerischen Sicherheit wiegt?

Dieses Problem stellt sich bei allen Impfstoffen, weil keiner einen 100-prozentigen Schutz bietet. Aber bei einem Schutz von nur 60 Prozent ist das Risiko, trotzdem zu erkranken, natürlich deutlich höher als bei den Impfstoffen von Moderna und Pfizer/Biontech mit einer Wirksamkeit von 95 Prozent.

Zudem ist der Impfschutz gerade bei älteren Personen eher ein wenig tiefer als im statistischen Mittel, das die Hersteller angeben. Daher ist es trotz Impfung ratsam, sich weiterhin vorsichtig zu verhalten. Erst wenn genügend Personen geimpft sind oder die Krankheit durchgemacht haben, kommt die Epidemie zum Stillstand.

Müsste der Bundesrat seine Beschaffungs-Strategie anpassen und mehr Moderna-Impfstoff bestellen als von Astra-Zeneca?

Die vorhandenen Daten, Link öffnet in einem neuen Fenster zeigen an einer kleineren Gruppe auch für Astra-Zeneca eine gute Wirksamkeit, wenn der Impfstoff entsprechend dosiert wird. Und vor allem ist AZD1222 von Astra-Zeneca anders aufgebaut als die Impfstoffe von Moderna und Pfizer/Biontech. Statt mRNA zu spritzen, also direkt einen Teil des Bauplans des Coronavirus, werden bei AZD1222 abgeschwächte Adenoviren benutzt.

Auch diese dienen dazu, einen Teil des Bauplans des Coronavirus in die Zellen zu schleusen. Dann beginnt das Immunsystem gegen das Virus aktiv zu werden, der Impfschutz baut sich auf. Diese Technik ist bereits zugelassen in einer Tuberkuloseimpfung und einer Impfung gegen Ebola. Impfstoffe zu haben, die mit verschiedenen Techniken funktionieren, erachte ich als sinnvoll. Man schafft sich damit eine breitere Palette an Möglichkeiten.

Ich werde als Geimpfter kaum die Wahl haben, welchen Impfstoff ich bekomme. Gibt es Überlegungen, ob sich das negativ auf die Impfbereitschaft der Bevölkerung auswirkt?

Wenn mehrere Impfstoffe zur Verfügung stehen und ich bekomme vielleicht einen, der deutlich schlechter wirkt als ein anderer, ist das natürlich nicht motivierend. Andererseits ist auch ein geringerer Schutz immer noch ein gewisser Schutz – und besser als gar nichts. Doch die Daten zeigen auch bei Astra-Zeneca, dass ein hoher Schutz von 90 Prozent möglich ist, das unterscheidet sich dann nicht stark von den bisher zugelassenen Präparaten.

Gibt es Vorteile, die für den Einkauf des Impfstoffs von Astra-Zeneca sprechen?

Ein grosser Vorteil ist, dass der Impfstoff von Astra-Zeneca bei 2 bis 8 Grad im Kühlschrank gelagert werden kann. Das macht die Lagerung und Verteilung massiv einfacher als bei den bisherigen, die teilweise bis -80 Grad tiefgekühlt werden müssen. Ob und wie viel der Impfschutz weniger gut ist als bei den mRNA-Impfstoffen ist zurzeit aber noch nicht klar.

Es besteht die Hoffnung, dass mit der halben und einer vollen Dosis ein guter Impfschutz von im Durchschnitt 90 Prozent erreicht wird. Die verfügbaren Daten zeigen das allerdings nur bei einem Viertel der Probanden, die in der klinischen Studie aus Versehen zuerst die halbe Dosis erhalten haben. Mit zusätzlichen Daten könnten sich diese 90 Prozent aber erhärten.

Was ist an den Berichten dran, dass die Impfung von Astra-Zeneca bei über-64-Jährigen einen Schutz von gerade einmal 8 Prozent habe?

Diese Zahl ist eine Fehlinformation, die sich verbreitet hat. Möglicherweise ist es eine falsch interpretierte Zahl aus den publizierten Daten. Dies bestätigen sowohl zahlreiche Fachleute wie auch der Hersteller.

Das Gespräch führte Viviane Stadelmann.

SRF 4 News, 26.01.2021, 10:00 Uhr;

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52 Kommentare

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  • Kommentar von Philipp Rohr  (proart)
    Die Frage ist: Wovor schützt die Impfung genau und bringt sie wirklich das altgewohnte Leben zurück? Gemäss FAQ vom BAG können Geimpfte ohne Symptome Träger des Virus sein und damit ansteckend. Wenn eine Verbreitung stattfindet, wird dies in den Fallzahlen nicht sichtbar, weil sich die Geimpften ohne Symptome wohl kaum testen lassen. Sind breitangelegte Tests und Qurantäneregelungen somit die einzige längerfristige Alternative, bis ein echter Impfstoff entwickelt ist?
  • Kommentar von Laszlo Vitanyi  (VILA)
    Und wieder geht eine Hiobsbotschaft aus dem BH (Bundeshaus), das nun die Schulen
    die neuen "Hotspots" seien...
    Also Schüler werden mit Corona angesteckt,gehen nach Hause und Papa & Mama gehen dann zur Arbeit!?
    Aber die "Herren" wollen Mal zuerst abwarten... Fragt sich unser einer wie lange dauert diese Spiel nun wieder...
    Tja, langsam fühlt man sich als "Versuchskaninchen" oder waren wir das bereits von Anfang an?
    You never know...
  • Kommentar von Werner Gürr  (FrMu)
    "Der Königsweg ist eine [..] Doppelblindstudie, bei der die Probanden zufällig in zwei Gruppen aufgeteilt werden. Da sie und die Ärzte nicht wissen, wer zu welcher Gruppe gehört, sind beide «blind». Die eine Gruppe erhält den Impfstoff, der getestet wird, und die andere ein Placebo. Dann wird geschaut, wie viele Menschen in welcher Gruppe an Covid-19 erkranken."
    Hier fehlt für mich folgende Ergänzung: "Selbstverständlich wird und wurde dieser Königsweg bei allen C-Impfkandidaten angewendet".