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Zweite Welle: Bevölkerung ist misstrauisch
Aus Tagesschau vom 06.11.2020.
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Corona-Pandemie Nur 16 Prozent wollen sich sofort impfen lassen

Die 5. SRG-Corona-Umfrage zeigt: Heute würden sich nur 16 Prozent sofort für eine Covid-19 Impfung entscheiden. Auf Behörden und Wissenschaft wartet viel Überzeugungsarbeit.

Lassen Sie sich gegen Covid-19 impfen? In der SRG-Umfrage, die die Forschungsstelle Sotomo durchgeführt hat, wurden die Befragten gefragt, wie sie zur Corona-Impfung stehen. Zwischen dem 23. Oktober und dem 2. November, also jetzt, wo die Fallzahlen höher sind als im Frühling, haben über 40'000 Personen an der Umfrage teilgenommen.

Weltweit gibt es noch kein Mittel gegen Corona. Ausser dem gesellschaftlichen Stillstand. In Italien gilt nachts eine Ausgangssperre, die Franzosen (36'000 Tote) dürfen nur in dringenden Fällen raus. In der Schweiz stehen viele Spitäler am Anschlag, der Bund wird Betrieben Steuergeld schenken, um sie am Leben zu halten.

In dieser Situation also wird die obige Frage gestellt. Lassen Sie sich gegen Covid-19 impfen? Nein, sagen 28 Prozent der über 40'000 Befragten. Nein! Obwohl bisher ausser der Impfung nichts Corona tilgen kann. «Ich würde zunächst mal abwarten», sagen weitere 18 Prozent. Und 29 Prozent sagen, sie würden sich nur gegen Covid-19 impfen lassen, «wenn belegt ist, dass es keine Nebenwirkungen haben kann». Nebenwirkungen von in der Schweiz eingesetzten Impfungen sind Schwellungen, Rötungen auf der Haut, gelegentlich Fieber.

Wie kann das sein?

Wir erleben die erste weltweit verheerende Pandemie und nur 16 Prozent der Schweizerinnen und Schweizer würden sich heute «sofort impfen lassen». Eine grosse Mehrheit ist zurückhaltend bis ablehnend. Wie kann das sein?

So: Schweizerinnen und Schweizer sind Impfskeptisch. Das liegt zum einen daran, dass die post-moderne Medizin, also das Relativieren wissenschaftlicher Fakten, auch in der Wissensnation Schweiz beliebt ist. 2009 haben wir an der Stimmurne Homöopathie in die Grundversicherung der Krankenkasse aufgenommen.

Wir lassen uns auch von unserem direkten Umfeld beeinflussen. Impfskepsis ist ansteckend, im persönlichen Gespräch und via Youtube. Das zeigte 2014 eine Studie des Bundes. Wir lassen uns von Schulmedizinern nicht mehr unhinterfragt sagen, was richtig ist.

Rennen um Milliarden

Bei der Corona-Impfung kommt dazu, dass diese unter einem riesigen Zeitdruck entwickelt wird. Jeder Tag zählt. Geld spielt eine immense Rolle. Regierungen wetteifern, ein Rennen um Milliarden und um unsere Gesundheit. Wer garantiert da, dass man sich schlussendlich nicht einen Pfusch unter die Haut spritzen lässt?

Auf den Bund, aber auch auf Medien, auf Fachstellen und Universitäten kommt eine Herkulesaufgabe zu: Vertrauen schaffen. Vertrauen in die behördliche Zulassungsprozesse in der Schweiz. Dass kein Pfusch in die Spritzen kommt. Vertrauen in die Nützlichkeit der Impfung: Dass die Impfung nicht nur einem selbst schützt wie ein Regenschirm, sondern dass sie ein schützendes Dach spannt über die ganze Gesellschaft. Wer sich impfen lässt, hilft Risikogruppen: älteren Menschen, hunderttausenden mit Vorerkrankungen wie Krebs oder Diabetes, Schwangeren.

Die Aufklärungsarbeit sollte angesichts der Umfrageresultate beginnen. Stand heute ist ein Covid-19-freies Leben nur mit Impfung möglich.

Michael Perricone

Chef vom Dienst, SRF Newsroom

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Michael Perricone ist Chef vom Dienst in SRF Newsroom und gibt am Medienausbildungszentrum MAZ einen Kurs für Journalistinnen und Journalisten zum Umgang mit PR. Er hat 2011 als Leiter Ressort Politik bei der «Blick»-Gruppe gearbeitet.

SRF 4 News, 06.11.2020, 17.00 Uhr

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