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Cornel Fraefel: «Wir haben Coronaviren gefunden.»
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Coronavirus in Tieren Wie gefährlich sind Fledermäuse in der Schweiz?

Forscher haben in Tieren ein Beta-Coronavirus gefunden. Sie untersuchen nun, ob es auf den Mensch überspringen könnte.

Bei der ersten systematischen Untersuchung von Schweizer Fledermäusen auf Virenarten haben Forscher der Universität Zürich auch ein sogenanntes Beta-Coronavirus gefunden. Viren dieses Typs sind in der Vergangenheit vom Tier auf den Menschen übergesprungen und haben Krankheiten ausgelöst.

Das Institut für Virologie an der veterinärmedizinischen Fakultät Vetsuisse der Universität Zürich hat dazu Proben von über 3000 Fledermäusen aus 18 verschiedenen Arten aufbereitet und auf Viren untersucht – mit der Methode der Genom-Sequenzierung.

Tiere trugen Coronaviren in sich

«Wir haben in diesen Fledermäusen relativ viele verschiedene Viren gefunden», sagt Professor Cornel Fraefel, der Leiter des Instituts. Darunter befanden sich auch Coronaviren: Bemerkenswert sei «Insbesondere ein Beta-Coronavirus, das dem sogenannten Mers-Coronavirus ähnlich ist», so Fraefel.

Das Mers-Coronavirus hat 2012 in Saudi-Arabien eine Epidemie schwerer Lungenkrankheiten ausgelöst, an der mehrere hundert Personen starben. Mers gehört wie Sars und Covid-19 zu den Infektionskrankheiten, die von Tieren auf den Menschen übertragen wurden.

Können Menschen angesteckt werden?

Die Fledermaus-Studie an der Uni Zürich wird von Jakub Kubacki geleitet, der auch die vor einem Jahr gegründete Forschungsgruppe für Umweltvirologie anführt. «Wir haben in einer Zweifarbfledermaus Spuren des Genoms dieses Mers-ähnlichen Coronavirus gefunden. Wir wissen aber nicht, ob dieses Virus einen Menschen anstecken könnte. Herauszufinden, ob eine Übertragung möglich wäre, bedarf einer weiteren Studie» sagt Kubacki.

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«Ob die Übertragung möglich ist, müssen wir untersuchen.» (engl.)
Aus News-Clip vom 08.04.2020.
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«Eine direkte Infektion durch die Coronaviren einer Fledermaus ist sehr unwahrscheinlich», sagt der Virologie-Professor Cornel Fraefel. Bei den bisherigen Coronavirus-Epidemien gelangten die Viren jeweils über einen Zwischenwirt zum Menschen. Bei Covid-19 war der Zwischenwirt vermutlich ein asiatisches Schuppentier, bei Mers ein Dromedar und bei Sars eine Schleichkatze.

Vorsicht bei kranken und toten Tieren

Die Zürcher Forscher haben bei der Studie mit der Stiftung Schweizer Fledermausschutz zusammengearbeitet. Freiwillige Helfer der Organisation sammelten Kotproben und tote Tiere für die Virologen ein.

Forschung mit Fokus auf Fledermäuse und Viren

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Bislang ist bereits in mehreren europäischen Ländern die Virenpopulation von Fledermäusen untersucht worden. Für die Schweiz ist es die erste derartige Studie. In Italien, Slowenien oder Luxemburg haben Forscher ebenfalls Viren in Fledermaus-Populationen festgestellt, die potenziell auf Menschen überspringen könnten.

Vor rund einem Jahr wurde am Virologischen Institut der Universität Zürich eine Forschungsgruppe Umweltvirologie, Link öffnet in einem neuen Fenster gegründet, die den Einfluss von Umweltveränderungen wie Klimaerwärmung oder Urbanisierung auf die Verbreitung von Viren untersucht, die vom Tier auf den Menschen oder umgekehrt überspringen können.

Die einzigen Viren, die in den letzten Jahren von Fledermäusen in der Schweiz auf Menschen übergesprungen sind, waren Erreger von Tollwut. Die Zürcher Untersuchung, die noch im Gang ist, hat bislang keine Tollwut-Viren bei Schweizer Fledermäusen gefunden.

So oder so: Man könne problemlos mit Fledermäusen unter einem Dach leben; verletzte, kranke oder tote Tiere sollte man aber nur mit Handschuhen berühren, rät die Stiftung Schweizer Fledermausschutz in einem Merkblatt.

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Wie gefährlich sind Fledermäuse?
Aus Rundschau vom 08.04.2020.
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Rundschau, 08.04.2020, 20:05 Uhr

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42 Kommentare

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  • Kommentar von Denise Casagrande  (begulide)
    Einen sehr wichtigen Faktor darf nich ausgelassen werden bei den Recherchen betreffend die COVID-19-Pandemie: der "Homo sapiens"! Die Welt ist masslos überbevölkert! Hinzu kommt die weltweite Überforderung der Ökosysteme und der Umwelt, deren Vergiftung mittels tonnenweise gesudheitsschädigende Chemie, durch die teilweise absolut verantwortungs-und skrupellose Weltwirtschafts-Politik (Konzernverantwortungslosigkeit), AGRAR-und Wirtschafts-Politik jedes einzelnen Landes!
  • Kommentar von Alois Keller  (eyko)
    Der Sog chinesischer Wildtiermärkte gilt als schwarzes Loch für die Artenvielfalt. Die Bedingungen auf den Märkten sind zudem katastrophal, sowohl was die Hygiene angeht, als auch den Tierschutz: Viele Tiere werden noch lebend angeboten, um Frische zu garantieren. Sie sind ohne Wasser und Futter in winzige Käfige eingepfercht oder gestapelt in Bottichen, Boxen oder Netzen. Bereits die SARS-Epidemie, der mehr als 770 Menschen zum Opfer fielen war der Ursprung auf einem chinesischen Tiermarkt.
  • Kommentar von Alois Keller  (eyko)
    Auf Wildtiermärkten in Asien verschwindet die Artenvielfalt.Wildtiere werden millionenfach auf Märkten in China verkauft, oft lebend oder aber zerlegt, geräuchert oder in Flüssigkeiten eingelegt. Fledermäuse, Schuppentiere, Ginsterkatzen, Affen, Ratten, Schlangen, Flughunde, Wasserschildkröten:Angeboten wird nahezu alles, was die Natur hergibt.Da Chinas Wälder und Flüsse vielerorts leergefangen sind,Schmuggel von Wildtierlieferungen mittlerweile aus Ländern in aller Welt auch aus Afrika, Birma