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Registrierungs-Dschungel bei Veranstaltungen und in Restaurants
Aus 10 vor 10 vom 03.09.2020.
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Daten von Besuchern Kontaktdaten-Erfassungssysteme: Gäste sind genervt

Die vielen Registrierungsarten verärgern die Kunden. Sie wollen ein einheitliches System. Der Bund zeigt kein Interesse.

Eine Mittagsszene im Zürcher Restaurant Hiltl: Die Gäste müssen erst den sogenannten QR-Code, der sich auf jedem Tisch befindet, mit dem Handy scannen und dann ihre Kontaktdaten in ein digitales Formular eintragen.

«Ich habe beim Hinsitzen gesehen, ich muss mich registrieren. Dann habe ich auf meinem Handy eine App gesucht, mit der ich es machen könnte. Und habe keine gefunden», sagt ein Hiltl-Besucher. Das Problem: Heute sind in der Schweiz unzählige solcher digitalen Registrierungssysteme im Einsatz, jedes funktioniert anders. Und viele wissen nicht, wie.

«Es ist sehr verwirrend»

Die Gäste des Hiltl sind sich einig: Eine einheitliche Lösung Bar, Clubs, Restaurants und Veranstaltungen wäre toll. Eine Vereinheitlichung würde die Registrierung vereinfachen und schneller machen. Und nur eine lückenlose Registrierung macht das Contact-Tracing auch wirklich effektiv.

«Wir haben ein System, das sowohl für Veranstaltungen aller Art und auch von Gastrobetreibern genutzt werden kann», sagt Remo Tschanz, der das digitale System Get-Entry mitentwickelt hat. Mit Get-Entry, aber auch der App Mindful sind einheitliche Lösungen also vorhanden. Weshalb sind diese Systeme nicht schon national verbreitet? Die Entwickler der Mindful-App sehen den Bund in der Pflicht: «Wir haben gewusst, dass dies auf Bundesebene gelöst werden muss. Darum sind wir früh diese Wege gegangen».

Verschiedene digitale Systeme

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Die Lösung get-entry.ch benötigt keine App. Bei Get-entry müssen sich die Gäste nicht zentral registrieren, sondern generieren mit ihren Angaben anonym eine Entry-ID in Form eines QR-Codes und speichern diesen bei sich ab. Die Entry-ID kann immer wiederverwendet werden. Erst bei einem allfälligen Event-Eintritt mit dem QR-Code werden die Daten mittels Scan gespeichert – und dies nur für 14 Tage. Diverse mittlere bis grössere Sportclubs, aus den Bereichen Eishockey, Fussball, Handball und weiteren setzen bereits auf die Lösung. Get-entry strebt ein Kooperationsnetz an und ist in Gesprächen mit Ticketinganbietern, Verbänden und grossen Restaurantketten. Get-entry wird von der Gesundheitsdirektion Bern empfohlen.

Mindful ist eine App, die in Zürich entwickelt wurde. Nach dem Download werden die Personendaten des Nutzers lokal abgespeichert. Bei einem Besuch einer Veranstaltung oder einem Restaurant muss ein QR-Code am Eingang selbst gescannt werden. Die Gästedaten werden verschlüsselt gespeichert und nach 14 Tagen automatisch gelöscht. Die Benutzung der App ist für alle kostenlos. Mindful arbeitet beispielsweise mit Firmen wie MacDonalds, dem FCZ oder den ArenaCinemas zusammen.

Kein Interesse vonseiten des Bundes

Doch der Bund ist zurzeit an einer einheitlichen Lösung nicht interessiert: «Ein einheitliches System im Sinne einer App oder einer anderen elektronischen Lösung ist im Moment nicht geplant», sagt Stefan Kuster vom Bundesamt für Gesundheit.

Aber selbst aus Sicht des Eidgenössischen Datenschutzbeauftragten wäre eine einheitliche Lösung begrüssenswert: «Zurzeit gibt es für die Privatwirtschaft sehr viele verschiedene Systeme. Je weniger Systeme zur Anwendung kommen, je einfacher ist unsere Aufsicht, das ist klar», meint Adrian Lobsiger.

Der Ball liegt bei den Veranstaltern

Kinos, Sportclubs und Theater würden unter einem erneuten Lockdown besonders leiden. Viele von ihnen nutzen die Dienste von Ticketcorner. Ticketcorner will Mitte September mit einem eigenen, weiteren System auf den Markt kommen. Gedacht war es für die eigenen Kunden – doch jetzt wollen es auch Veranstalter, die nicht mit Ticketcorner zusammenarbeiten. Das zeigt: Interesse an einer gemeinsamen Lösung wäre da.

Auch die Gastrobranche ist in einigen Kantonen nicht untätig geblieben und hat sich zusammengetan: In Zürich, Bern und Basel haben die Bar- und Clubkommissionen eigene digitale Systeme entwickelt. Doch diese Lösungen sind nicht auf eine nationale Vereinheitlichung ausgerichtet.

Schweizweit einheitliches System nicht in Sicht

Digitale Lösungen wie Get-Entry, die Apps Mindful oder Socialpass, die eine nationale Vereinheitlichung möglich machen, gibt es bereits. Doch trotz aller Bemühungen – die Realität zeigt: Ein schweizweit einheitliches System durchzusetzen, ist schwierig. Ohne Vorgabe des Bundes oder der Kantone vielleicht sogar unmöglich.

Im Kampf gegen Corona könnte dies jedoch entscheidend sein.

10vor10, 03.09.2020, 21:50 Uhr

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35 Kommentare

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  • Kommentar von Richard Limahcer  (Limi)
    Wie wäre es mit Visitenkarten? Bei einem Besuch Datum, Uhrzeit notieren und einwerfen.
  • Kommentar von Pierre de Senarclens  (Pierre de Senarclens)
    Wer hier wegen Datenschutz ein Problem hat, sollte aber schnellstens sein Facebook/Whatsapp-Konto löschen, sein Handy wegtun, keine Mails mehr schreiben und auch keine Kreditkarten mehr nutzen.
    1. Antwort von Peter Hahnau  (Peter Hahnau)
      Und wer mit Diebstahl ein Problem hat, sollte auf allen Besitz verzichten? Im Ernst: Beim Datenschutz geht es nur zum einen darum, was die Firma mit meinen Daten sonst noch anstellt. Es geht auch um die Frage, wie gut meine Daten vor Diebstahl geschützt sind. Bei den BigPlayern (Microsoft, Facebook, Kreditinstitute) ist Datendiebstahl kaum möglich. Gehackt werden die Datenbanken der kleinen Buden, wie letzte Woche Gastronovi. Im Internet für jeden auffindbar: wer war wann mit wem wo essen?
    2. Antwort von Hans Peter  (Byron)
      Das FB/Insta/WA Argument wird immer wieder ins Spiel gebracht, wenn es um Datenschutzbelange geht. Für digital natives schwer nachvollziehbar: es gibt in der CH nach wie vor eine nicht ganz unbedeutende Anzahl von Menschen, welche keine derartigen accounts und auch keine Kundenbindungskarten nutzen und auch das analoge Leben noch beherrschen. Darunter nicht wenige, welche sehr digital-affin sind und vielleicht gerade auch deswegen zu gewissen Enwicklungen eine gesunde kritische Distanz haben.
    3. Antwort von Florian Kleffel  (Hell Flodo)
      @Hahnau: Bei Facebook braucht man sich tatsächlich keine Sorge um Diebstahl zu machen. Die Daten kann eh jeder kaufen, der sie will.
    4. Antwort von Esther Jordi  (EstherJ.)
      @Peter Hahnau
      "Bei den BigPlayern (Microsoft, Facebook, Kreditinstitute) ist Datendiebstahl kaum möglich."
      Zu Facebook
      Dezembe 2019: Daten von 300 Millionen Facebook-Nutzern geleakt.
      September 2019: Datenleck bei Facebook, das 220 Millionen Nutzer betraf.
    5. Antwort von Peter Hahnau  (Peter Hahnau)
      @Esther Jordi: das wusste ich, dass jemand damit kommt. Sie kennen aber den Unterschied zwischen "kaum" und "nie"?
    6. Antwort von Esther Jordi  (EstherJ.)
      Ja, Herr Hahnau, ich kann Deutsch. Aber zwei mal innerhalb weniger Monate mehrere Millionen geklaute Daten ist für mich nicht "kaum".
    7. Antwort von Werner Gürr  (FrMu)
      @P. Hanau
      "Im Internet für jeden auffindbar: wer war wann mit wem wo essen?" Oh, heikle Sache. Das könnte schon Probleme verursachen....Wo muss man denn sonst noch seine Kontaktdaten hinterlassen? Gibt sicher einige, die deshalb auf gew. Dienstleistungen verzichten, was wiederum wirtschaftlichen Schaden verursacht. Wie es auch die Maskenpflicht tut.
  • Kommentar von Lukas Beutel  (dre)
    Also bei meinem iPhone kann ich Chrome antippen (und drauf bleiben). Dann kommt ein Menü und dort kann ich "Scan QR Code" auswählen. Da braucht es keine eigene App fürs Scannen.
    1. Antwort von Andrea Esslinger  (weiterdenken)
      Schön. ich habe kein Smartphone, wo drück dann drauf?
    2. Antwort von Robert Frei  (RFrei)
      Hr.Beutel, mit Chrome teilen Sie alle Daten mit Google. Lesen Sie einmal die Nutzerbestimmungen. Mit den Daten wird ein Nutzerprofil angelegt, es werden Ihnen Suchergebnisse angeboten, die in Ihr Profil passen, und die Daten können an Dritte weitergegeben werden. Zudem werden Ihre Bewegungen in Chrome und vermutlich auch anderen Anwendungen verfolgt und registriert.