Zum Inhalt springen

Header

Video
Diskussion um die massgeblichen Indikatoren für eine Öffnung
Aus 10 vor 10 vom 12.03.2021.
abspielen
Inhalt

Diskussion um Fallzahlen Die Fallzahlen sollen nicht mehr allein Mass aller Dinge sein

Die Infektiologin Valérie D’Acremont fordert ein Umdenken und relativiert die Zahl der Neuinfektionen als Massstab.

«Die Fallzahlen steigen!» – «Es ist wichtig, die Fallzahlen tief zu halten.» – «Die aktuellen Fallzahlen erlauben keine raschen Öffnungsschritte.» Das sind oft gehörte Aussagen von Politikerinnen und Experten im Kampf gegen die Pandemie.

Bislang sind die Anzahl Neuinfektionen mit Covid-19 ein entscheidender Wert, wenn es um Verschärfungen oder Lockerungen der Pandemie-Massnahmen geht.

Impfungen scheinen zu wirken

Die Infektiologin Valérie D’Acremont ist aber der Ansicht, dass die Fallzahlen weniger stark gewichtet werden sollten. Die Forscherin von Unisanté, dem Universitätszentrum für Allgemeinmedizin und öffentliche Gesundheit in Lausanne, hat untersucht, wie sich das Virus in der Romandie ausbreitet.

Im aktuellen Stadium der Epidemie, in dem die gebrechlichen und älteren Menschen geimpft werden, sei die Zahl der Fälle nicht mehr entscheidend: «Wichtig ist die Anzahl der Spitaleinweisungen, die Zahl der Todesfälle und die Zahl der Betroffenen in Alters- und Pflegeheimen. Und da sehen wir zum Beispiel im Kanton Waadt bereits einen deutlichen Rückgang der Fälle und Todesfälle dank der Impfung in den Altersheimen», sagt D’Acremont.

Schweizweit sind die Ansteckungszahlen bei den über 80-Jährigen tatsächlich deutlich gesunken: von 433.9 Neuinfektionen pro 100'000 Einwohner in der letzten Woche im Dezember 2020 auf aktuell 52.3 Neuinfektionen. Die Impfungen scheinen bei den Älteren zu wirken.

Fallzahlen bleiben wichtig

Für Huldrych Günthard, Infektiologe und leitender Arzt am Universitätsspital Zürich, ist dies aber noch kein Grund, die Ansteckungszahlen als weniger wichtig zu betrachten.

«Bis wir nicht 50 Prozent der Bevölkerung durchgeimpft haben, insbesondere auch die über 60-Jährigen und diejenigen, die zusätzliche Risikofaktoren haben, bleiben für mich die Fallzahlen relevant.»

Strategiewechsel möglich

Für den Bundesrat bleiben die Fallzahlen ein wichtiges Kriterium bei Entscheidungen über Lockerungen, aber nicht das einzige. Gesundheitsminister Alain Berset geht davon aus, dass es in einer möglichen dritten Welle zu weniger Hospitalisationen kommt im Verhältnis zur ersten und zweiten Welle.

Dies aufgrund einer gewissen Immunisierung in der Bevölkerung und der angelaufenen Impfkampagne: «Das erlaubt uns einen Strategiewechsel. Wir können Schritte in Richtung Öffnung wagen trotz einer Situation, die epidemiologisch gesehen nicht so gut ist», sagte Berset.

Die Werte, nach denen sich der Bundesrat richtet, sind neben der 14-Tage-Inzidenz die Positivitätsrate, die Anzahl Covid-Patienten auf Intensivstationen sowie der R-Wert (Reproduktionszahl). Über allfällige Lockerungen entscheidet der Bundesrat am 19. März nach der angelaufenen Vernehmlassung bei den Kantonen.

Quelle: Bundesrat, 12.03.21Restaurant- und Barterrassen*Innenräume von Zoos und botanischen Gärten*weitere ÖffnungsschritteLockerungenRichtwerte für eine ÖffnungWeiteres VorgehenMassnahmen bei einem möglichen 2. Öffnungsschritt (frühestens ab 22. März, bei Einhaltung der Richtwerte)• Positivitätsrate unter fünf Prozent• Auslastung der Intensivplätze mit Covid-19-Patienten unter 250 belegten Betten• Durchschnittliche Reproduktionszahl über die letzten 7 Tage unter 1• 14-Tages-Inzidenz am 17. März nicht höher als am 1. März• Vorschläge des Bundesrats gehen in Konsultation an Kantone• Entscheide des Bundesrats am 19. März.Private Treffen in Innenräumen: 10 PersonenAktivitäten für Erwachsene drinnen und draussen: 15 Personen*Präsenzunterricht an Hochschulen/Weiterbildungen: 15 Personen*Keine Maskenpflicht bei Geimpften in Alters- und PflegeheimenKeine Kontaktquarantäne, wenn Unternehmen ihre Mitarbeiter einmal pro Woche testenVeranstaltungen, wie z.B.Vereinstreffen, Museumsführungen: 15 PersonenVeranstaltungen mit Publikum*:draussen (z.B. Fussballspiele): 150 Personendrinnen (z.B. Kino): 50 PersonenKeine Quarantänepflicht für Geimpfte*unter Einhaltung strenger Auflagen (z.B. Maskenpflicht, Abstand halten, Kapazitätsbegrenzung etc.)

10vor10, 12.03.2021, 21:50 Uhr

Jederzeit top informiert!
Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden.
Schliessen

Jederzeit top informiert!

Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Push-Mitteilungen aktivieren

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

Meistgelesene Artikel

Nach links scrollen Nach rechts scrollen

53 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Ulrich Zimmermann  (Crocc)
    Niemand braucht Corona, aber wir werden das Virus nicht mehr los. Wir müssen dagegen immun werden, geimpft oder genesen und das weltweit. Da die am meisten Gefährdeten Pensionäre weitgehend geimpft sind, kann man jetzt die Restriktionen nach der Auslastung der Spitäler richten. Je länger wir das Virus ausbremsen, umso grösser sind Mutationen und weitere wellenartige Ausbrüche.
    Dass die Impfstoffbeschaffung so verschlafen wurde, zeigt erneut, dass das BAG keine gute Seuchenbekämpfung macht.
  • Kommentar von Beat Zaugg  (Anandaji)
    Herr Spirig, das sehe ich mit meinen bald 58 Jahren fast andersrum. Ich hatte meine Corona-Grippe letztes Jahr mit überschaubaren Symptomen, am längsten dauerten der Verlust des Geschmacksinns und Schwächeattacken. Das Gesundheitssystem habe ich nicht beansprucht. Doch fühle ich mich nun bestens aufgestellt für die nächste Herausforderung - und bin entschlossen, es mit den Viren dieser Welt aufzunehmen. Sollte ich das einmal nicht mehr schaffen, wäre ich dann nicht mehr von dieser Welt...
    1. Antwort von Thomas Spirig  (lalelu)
      das mag ich ihnen gönnen. leider geht es nicht bei allen so gut.
  • Kommentar von Dorothee Meili  (DoX.98)
    Besten Dank für diesen Beitrag. Es braucht ein UND, ein neues UND. Im letzten Frühsommer rückten die Infektiolog*innen, Felderfahrenen Tropenärzt*innen, die mit praktischen public health-Erfahrungen, Pneumolog*innen in konkreten Beratungseinrichtugen mehr und mehr in den Hintergrund und es kippte alles fast ausschliesslich zu den Fallzahlen: von der WHO rauf? und runter, z.B. zu Salathé. @Schneebeli liest ja meine Texte nicht mehr?! er war einer der ersten, die darauf aufmerksam gemacht hat!!