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Keine Angst vor dem Virus?
Aus Rendez-vous vom 17.03.2020.
abspielen. Laufzeit 03:22 Minuten.
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Draussen trotz Coronavirus «Angst vor Einsamkeit spielt eine grosse Rolle»

Wer älter als 65 ist, sollte jetzt daheim bleiben und sich auf die nötigsten Kontakte beschränken, so die Weisung der Behörden. Doch viele, die gesund und fit sind, nehmen die Anordnung nicht besonders ernst. Das ruft alt Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf auf den Plan. Jede Person in der Schweiz müsse sich bewusst machen, dass es auch darum geht, das Gesundheitssystem vor dem Kollaps zu bewahren.

Eveline Widmer-Schlumpf

Eveline Widmer-Schlumpf

Stiftungsrats-Präsidentin von Pro Senectute

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Widmer-Schlumpf ist seit dem 1. April 2017 Präsidentin der Pro Senectute. Von 2008 bis 2015 war sie Mitglied des Bundesrats und amtete 2012 als Bundespräsidentin.

SRF News: Nehmen ältere Menschen die Situation nicht ernst genug?

Eveline Widmer-Schlumpf: Zum Teil hat man die Situation sicher nicht richtig wahrgenommen. Man dachte, es sei nicht so gravierend. Nun braucht es den Aufruf: Es geht um eure Gesundheit, aber es geht auch darum, das Gesundheitssystem in unserem Land zu entlasten.

Warum ist diese Botschaft teilweise noch nicht angekommen, gerade auch bei Seniorinnen und Senioren?

Viele sagen, dass sie ein erfülltes Leben gehabt haben und keine Angst haben, dass sie dieses Virus trifft. Sie haben bis heute vielleicht auch weniger daran gedacht, dass es auch darum geht, das Gesundheitssystem nicht zu überladen.

Die betroffenen Menschen sollen sich weiter gegenüber anderen äussern können, der Dialog soll weitergeführt werden. Niemand soll sich allein fühlen.

Spitäler, Pflegeheime, die Spitex – all das muss weiter funktionieren können. Wenn man diesen zweiten Pfeiler erklärt, verstehen alle, dass man sich strikt an die Anordnungen des Bundesrates und der Kantone halten muss. Egal ob Jung oder Alt.

Die Angst vor Einsamkeit ist ein grosses Thema im Alter. Spielt diese auch eine Rolle?

Ja, eine ganz grosse sogar. Ich verstehe das auch. Es gibt viele Menschen, die zuhause einsam und allein sind. Wir als Pro Senectute versuchen, diese Einsamkeit zu durchbrechen und haben eine Telefonkette aufgeschaltet.

Es ist wichtig, dass man jeden Tag eine Risikoeinschätzung macht. Was ist möglich, was nicht?

Unser Ziel ist, dass jede Person, die alleine ist und das Haus vorübergehend nicht verlassen kann, mindestens einmal pro Tag mit jemandem Kontakt hat. Sei dies telefonisch, über Skype oder auf eine andere Art und Weise. Die betroffenen Menschen sollen sich weiter gegenüber anderen äussern können, der Dialog soll weitergeführt werden. Niemand soll sich allein fühlen.

Wie handhaben Sie persönlich die aktuelle Situation? Sie sind am Dienstag 64 Jahre alt geworden und damit knapp ausserhalb der Risikogruppe. Gehen Sie noch aus dem Haus oder sehen Ihre Grosskinder?

Ich gehe mit allen Vorsichtsmassnahmen aus dem Haus, die der Bund und die Kantone verfügt haben. Ich arbeite jetzt auch im Home-Office. Mit meinen Grosskindern hatte ich gestern Kontakt, ich habe mit Ihnen über Skype telefoniert. Ich sehe sie also auf diesem Weg. Es ist wichtig, dass man jeden Tag eine Risikoeinschätzung macht. Was ist möglich, was nicht? Es gibt junge Grosseltern, die noch nicht im Pensionsalter sind. Und es gibt ältere. Man muss es also selbst abschätzen.

Das Gespräch führte Silvio Liechti.

Rendez-vous vom 17.03.2020, 12:30 Uhr; imhm

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45 Kommentare

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  • Kommentar von Manfred Sommer  (FrediSommer)
    Die Fachleute für Gesundheitsfragen im Alter raten den älteren Menschen an, sich zu Bewegen, Gesund zu Essen und soziale Kontakte zu pflegen. Diese drei Massnahmen können ein gesundes Altern gewährleisten. Zu Hause zu bleiben heisst, darum keine Bewegung mehr und man kann davon ausgehen, dass der Gesundheitszustand und die Widerstandskraft langsam sinkt. Es wäre gut möglich Zeit im Freien zu verbringen ohne mit jemand in Kontakt zu kommen. Wenn man jemand trifft, da hält man die nötige Distanz.
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  • Kommentar von Leo Nauber  (leo999)
    Ich bin „Freiwilliger Rotkreuzfahrer“ und gehöre zur Risikogruppe. Habe mich aus dem Fahrdienst gesperrt. Aber es tut weh, für alte Mitmenschen nicht mehr da zu sein, die einerseits die medizinisch bedingten Fahrten brauchen, die FahrerInnen und dann den Arzt/Physiotherapeuten, auch wenn nur als Gesprächspartner. Es sind vielfach die einzigen Kontakte nach aussen.
    Taxis (mit jungen Fahrern) sind für viele schlicht unbezahlbar, die Angehörigen wohnen weit weg oder müssten Ferientage beziehen
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  • Kommentar von Max Hess  (MAH)
    Bei älteren Menschen ist die Wahrscheinlichkeit zu sterben um vieles höher als bei jungen..
    Mit und ohne Corona und bei fast allen Krankheiten/Infektionen. Das ist nicht neu. Ich gehöre auch dieser Risikogruppe. Ja und? Lieber Lebensqualität als Lebensquantität und so denken einige "Alte".
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