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Aus dem Archiv: Wann kommt die Booster-Impfung in der Schweiz?
Aus 10 vor 10 vom 18.10.2021.
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Dritte Impfung Das denkt die SRF-Community über die Booster-Impfung

Ende Oktober sei eine Zulassung der Booster-Impfung möglich, wenn die Unternehmen mitspielten, erklärte Claus Bolte, Bereichsleiter Zulassung von Swissmedic am vergangenen Montag in der Sendung «10 vor 10». Diese Meldung wurde in der SRF-Community angeregt diskutiert.

Risikogruppen schützen – aber was ist mit den Jungen?

Der Tenor in der SRF-Community gegenüber der Booster-Impfung ist grundsätzlich positiv. Userin Lukretia Candreja weist auf die wieder ansteigenden Todesfälle älterer Personen hin. Ihrer Meinung nach könnten dies mit einer dritten Impfung verhindert werden. Zudem sollen immunsupprimierte Personen zusammen mit Personen über 75 Jahren den Vorzug bei der Booster-Impfung erhalten.

Auch Christian Weber findet, man solle die dritte Impfung freigeben. So wie weitere Userinnen und User fragt er sich jedoch, ob die dritte Impfung für junge Menschen zum jetzigen Zeitpunkt sinnvoll ist.

Einordnung dritte Impfung

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SRF-Wissenschaftsredaktor Daniel Theis ordnet die Notwendigkeit einer dritten Impfung folgendermassen ein:

Die Notwendigkeit für eine Corona-Booster-Impfung für die junge, gesunde Bevölkerung scheint im Moment nicht gegeben. Es gibt zwar in allen Altersgruppen einige wenige Impfdurchbrüche die zu Spitaleinweisungen führen, gemäss den Zahlen des BAG.

Die Zahlen sind aber im Vergleich zu den ungeimpft ins Spital Eingewiesenen 10-20 Mal geringer. Das heisst, die Impfung schützt ausser in Ausnahmefällen fast alle Menschen noch immer sehr gut vor einem schweren Verlauf. Erst bei der Altersgruppe über 80 Jahre ist es anders: Dort ist die Zahl der Impfdurchbrüche ähnlich gross, wie die Zahl der ungeimpft Eingewiesenen. Das lässt auf einen nachlassenden Schutz in dieser Alterskategorie schliessen. Zudem ist in dieser Altersgruppe auch die Impfung am längsten her in der Regel.

Bei der breiten Bevölkerung verlaufen die Impfdurchbrüche in der Regel mild, das heisst man kann sich selber auskurieren und muss nicht ins Spital. Die Erkrankung wirkt dann gewissermassen als Booster – und jemand mit Impfung und anschliessender Erkrankung hat nachher einen sehr guten Schutz. Noch nicht klar ist allerdings, ob diese Durchbruchsinfektionen auch zu Langzeitfolgen führen können (Stichwort Long Covid), dazu gibt es noch keine wissenschaftlichen Daten. Ob also ein «Boost» des Immunsystems durch eine Reinfektion oder durch eine erneute Impfung sinnvoller ist aus gesundheitspolitischer Sicht, muss darum noch angeschaut werden. Möglich, dass dies in einem halben Jahr anders beurteilt wird als jetzt – und eine Boosterimpfung dann auch für jüngere Menschen empfohlen wird. Aber klar ist das noch nicht.

SRF-User Michel Koller begrüsst eine dritte Impfung für ältere Personen und Risikogruppen ebenfalls, wünscht sich aber, dass danach der Fokus auf die globale Impfproblematik gelegt wird. Denn es bringe schlussendlich kaum etwas, wenn das Virus andernorts nahezu ungehemmt weiterverbreitet werde und mutieren könne. Das nationale Denken sei in einer globalen Krise eines der grössten Probleme.

Nationaler Egoismus anstatt globale Solidarität?

Die Thematik der globalen Solidarität wird in der SRF-Community rege diskutiert. SRF-User Daniel Widmer weist auf den Aufruf von Amnesty International hin, Impfstoffe weltweit gerechter zu verteilen. Vielerorts könnten sich geschwächte Menschen nicht richtig schützen, während man in der Schweiz bereits eine dritte Impfung verlange. Das empfinde er als unsolidarisch.

Auch Lukas Gubser thematisiert das globale Ungleichgewicht: Während der Westen einen Grossteil der Impfstoffe aufgekauft hat, gingen viele ärmere Länder leer aus. Da könne man noch so viel «boosten», die globale Problematik werde damit nicht gelöst. Das sei «tiefverwurzelter Egoismus».

Ich finde jetzt ist es zuerst einmal wichtiger, dass der Rest der Welt die Chance kriegt, sich zu impfen.
Autor: Mariano Scholl SRF-User

Michael Fuchs führt ein weiteres Argument zur Debatte auf. Angesichts des Engagements der Schweiz für Covax und die weltweite Corona-Bekämpfung könne man eine Booster-Impfung ins Auge fassen, ohne dass dies ethisch komplett verwerflich sei.

Die Schweiz und die Covax-Initative

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Der Bundesrat hat Ende Juni 2021 entschieden, einen Grossteil der rund 5.4 Millionen bestellten Impfstoffdosen von AstraZeneca an die Covax-Facility abzutreten und beteiligt sich somit an der globalen Covax-Initiative.

Die Zuteilung der gespendeten Impfdosen erfolgt direkt durch die Covax-Facility und folgt einem etablierten Allokationsmechanismus. Die Schweiz hat somit keinen Einfluss darauf, wo die Dosen verteilt werden. Der Mechanismus berücksichtigt zahlreiche Faktoren wie die Impfquote und Absorptionsfähigkeit der Covax-Mitgliedstaaten und definiert auf dieser Grundlage, wann wie viele Impfdosen in welches Land geliefert werden sollen.

UNICEF führt auf dem Covid-19 Vaccine Market Dashboard live nach, wann wie viele Dosen der Schweiz ausgeliefert werden.

Was halten Sie von einer dritten Impfung und welche Fragen stellen sich Ihnen mit einer möglichen Einführung? Sagen Sie es uns in den Kommentaren!

10 vor 10, 18.10.2021, 21:50 Uhr

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51 Kommentare

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  • Kommentar von SRF News (SRF)
    Guten Abend liebe Community. Wir schliessen an dieser Stelle die Kommentarspalte und bedanken uns für die angeregte Diskussion. Wir wünschen Ihnen einen schönen Abend und freuen uns, wenn Sie auch morgen wieder mitdiskutieren. Liebe Grüsse, SRF News
  • Kommentar von Oskar Wagner  (wingman)
    Eigentlich ist die Diskussion pro oder contra Booster-Impfung unnötig. Wenn wir das Virus in den Griff kriegen wollen (und wir haben es gemäss den aktuellen Zahlern überhaupt nicht), dass müssen wir uns eben nach dem richten, was die besten Erfolgschancen verspricht. Sennenchutte und Trychle sind es offensichtlich nicht. Wenn ein Booster aber dabei hilft, dann jederzeit, Nebenwirkungen hin oder her. Diese sind ja trotz individueller Ausprägung immer zeitlich limitiert.
  • Kommentar von Monika Mitulla  (momi)
    Wer gefährdet ist oder eine Booster Impfung wünscht, sollte diese bekommen können. Aber als Pflicht für ein Zertifikat sollte die Booster Impfung nicht vorgeschrieben werden.
    1. Antwort von Michael Fuchs  (mfuchs)
      Das Zertifikat ist ein Ausweis darüber, dass man zu einer deutlich tieferen Wahrscheinlichkeit ansteckend ist.

      Wenn die Antikörper und dieser Schutz mit der Zeit abnehmen (darauf deuten alle wissenschaftlichen Resultate hin), dann ist es auch nur folgerichtig und logisch, wenn das Impfzertifikat zeitlich begrenzt ist, und man es nach einer gewissen Zeit per Auffrischimpfung erneuern muss.