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Männliche Küken müssen kurz nach der Geburt sterben, obwohl es eine Technologie dagegen gebe.
Aus HeuteMorgen vom 04.06.2021.
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Eierproduktion in der Schweiz Grüne will Tötung männlicher Küken verbieten – wie in Deutschland

Bundesrat und Branchenverband finden, dass die in Deutschland angewandte Technologie noch nicht einsatzbereit sei und suchen andere Lösungen.

Ihr Leben dauert nicht mal einen Tag: Kurz nachdem sie geschlüpft sind, werden die meisten männlichen Küken in der Schweiz mit CO2 getötet. Ein Vorgehen, das auch Daniel Würgler, den Präsidenten der Eierproduzentenorganisation GalloSuisse nicht kaltlässt: «Dies ist eine der grössten Herausforderungen und eines der grössten Dilemmas, die wir haben in der Schweizer Eierproduktion.»

Grüne fordert Verfahren aus Deutschland

Laut GalloSuisse gibt es derzeit aber keine Alternative zur Kükentötung. «Stimmt nicht», sagt die Grüne-Nationalrätin Meret Schneider, die scharfe Kritik an der millionenfachen Tötung übt. Sie stellt fest: «Das ist ein Erstickungskampf – und das ist nicht länger tolerierbar, zumal es ja nicht notwendig wäre.»

Meret Schneider von den Grünen bei einer Rede im Nationalrat
Legende: Meret Schneider wollte, dass der Bundesrat die Tierschutzverordnung anpasst, sodass die routinemässige CO2-Tötung männlicher Küken gestoppt würde. Der Bundesrat hingegen sagte, dass die Methode noch nicht reif für eine breite Kommerzialisierung sei. Keystone/Archiv

In einer Motion fordert Schneider ein Verbot der Tötungen. Sie verweist auf Deutschland, das Kükentötungen ab nächstem Jahr verbietet. Demnach soll mit einem speziellen Verfahren das Geschlecht der Küken bereits im Ei bestimmt werden.

Technologie sei noch nicht einsetzbar

Ausgesondert würden dann die Eier mit dem männlichen Küken, noch bevor diese schlüpfen. GalloSuisse hingegen bezweifelt, dass Deutschland das Kükentötungsverbot tatsächlich umsetzen kann. Die Technologie sei noch zu wenig ausgereift. Weiter sagt Daniel Würgler: «Diese Technologie gibt es heute. Sie ist einfach noch nicht flächendeckend einsetzbar.»

Video
Aus dem Archiv: Daniel Würgler beobachtet deutsche Technologie
Aus Kassensturz vom 16.04.2019.
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Bis es so weit sei, werde Deutschland das Problem wohl ins Ausland verlagern. Die Eierproduzentinnen und -produzenten würden weibliche Küken importieren und zu Legehennen aufzüchten. Das Töten der männlichen Küken würde damit einfach in ausländischen Fabriken stattfinden. Diese Bedenken teilt auch der Bundesrat und lehnt den Vorstoss von Nationalrätin Schneider deshalb ab.

Bleibt alles, wie es ist?

Einfach alles beim Alten lassen? Das will auch GalloSuisse nicht. Die Eierproduzentinnen und -produzenten werden in den nächsten Tagen beraten, wie sie die Versuche mit der Geschlechtsbestimmung im Ei ausweiten können. Bis eine flächendeckende Lösung vorliegt, wird es jedoch noch dauern.

Video
Aus dem Archiv: «Tierfreundlich» nur auf dem Etikett
Aus SRF News vom 02.06.2021.
abspielen

Konsumentinnen und Konsumenten können derweil bereits heute Eier kaufen, bei denen die männlichen Küken mit aufgezogen werden. Das sind sogenannte Zweinutzungshühner oder Bruderhahnmast. Die Nachfrage nach diesen etwas teureren Eiern ist bislang allerdings tief.

HeuteMorgen, 04.06.2021, 06:00 Uhr

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83 Kommentare

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  • Kommentar von Denise Casagrande  (begulide)
    Dass sich jemand in der Schweiz 2021 immer noch um die Umsetzung von tier-art-gerechter: Züchtung-Haltung -Schlachtung kümmern muss, ist sehr bedenklich und beschämend!
    Soviel zu den angeblichen Schweizer "Tier- Schutz -Gesetzen" und deren effektiven Umsetzung, Kontrollen und entsprechenden Konsequenzen in der industrialisierten Schweizer LW!!? Eine Pharce!
    Wer wundert sich da noch über die "legale", bezahlte (Volks-Subventionen), jahrzehntelang volks-vergiftende CHEMIE-LW??
    1. Antwort von Ursula Schmid  (Biobäuerin)
      Frau Casagrande, auch wenn sie es noch hundert mal gebetsmühlenartig wiederholen, bleiben die Direktzahlungen Beiträge an die Landwirtschaft für klar definierte Leistungen. Diese werden vom Bund ausgezahlt und nicht vom Volk. Vergiftend sind hier in erster Linie ihre dauernden Diffamierungen der Landwirtschaft. Ich weiss nicht, ob sie wirklich glauben, mit dieser Methode zum Ziel zu kommen. Naturschutz geht nur mit den Bauern und nicht gegen sie.
    2. Antwort von Beppie Hermann  (Eine rechte Grüne)
      U.Schmid, verstehe ja, Bauern brauchen Einkommen, um zu überleben. Aber wie in jedem anderen Beruf mit grosser Verantwortung, reicht diese eine Seite einfach nicht aus. Wer mit Menschen, Tieren, Pflanzen zu tun hat, mit dem Leben eines ganzen Landes, der kann nicht nur ans Optimieren denken. Nach 75J inmitten Bauern im In-+Ausland habe ich nur ganz wenige Bauern erlebt, die sich selber umfassend mit den Zusammenhängen der Nachhaltigkeit, mit einer zukunftsträchtigen Landwirtschaft befasst haben.
  • Kommentar von August Meier  (And007)
    Sorry, jetzt haben wir gerade Knatsch mit 2 Agrarinitiven weil die Landwirtschaft seit Jahrzehnten auf der Bremse steht und jetzt steht sie schon wieder auf der Bremse. Gibt es eigentlich keinen einzigen Fall wo die Schweizer Landwirtschaft mal vorne dabei ist?
  • Kommentar von Andreas Pfister  (apfi)
    So eine dümmliche Argumentation "weil die Technologie noch nicht breit einseztbar sei..."
    Dann nehmt eure Finger raus und sorgt dafür, dass sie es wird!!!
    Ihr proletet doch sonst immer so von Innovation, Fortschritt und Entwicklung. Nur wenn es mal nicht zugunsten von wirtschaftlichen, sondern ethischen Interessen sein soll, ist das wieder nicht erwünscht...
    Was für eine Ausrede!
    1. Antwort von Maria Müller  (Mmueller)
      Wie ich gesagt habe:

      Würde niemand mehr Poulet kaufen, würden die Ställe verschwinden.
      Ganz simpel.

      (Seitdem ich fast kein Fleisch mehr esse, werden wegen mir fast keine Tiere mehr getötet. Mehr kann ich nicht tun. Ich kann nicht zum Bundesrat gehen und ihn mit Waffengewalt dazu zwingen, Gesetze abzuändern. Was für ein Nonsens.)

      Darum wie gesagt: Hört auf Poulet zu kaufen und die Industrieställe werden verschwinden.

      Nicht immer andern die Schuld geben.
    2. Antwort von Ursula Schmid  (Biobäuerin)
      Her Pfister, etwas mehr Zurückhaltung im Vorverurteilen würde auch ihnen gut tun.
    3. Antwort von Julian Braun  (jabr)
      @mmueller
      Ihre Fleisch Reduktion ist sehr begrüssenswert! Was trennt Sie noch vom kompletten boykott? Auch für Eier und Milch werden Tiere in Massen gehalten und unnötigerweise getötet - haben sie schon mal über veganismus nachgedacht?
      Ich habe erst damit angefangen und bin sehr glücklich damit :-)