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Parteispitzen wollen Corona-Einreisebedingungen verschärfen
Aus Echo der Zeit vom 24.01.2021.
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Einreise in die Schweiz Parteichefs fordern Testsystem an den Grenzen – Tourismus dagegen

Sechs Parteichefs verlangen einen negativen PCR-Test bei der Einreise und Quarantäne. Die Tourismusbranche lehnt das ab.

Dass sich alle Bundesratsparteien – SVP, FDP, Die Mitte und die SP – mit den Grünen und den Grünliberalen zusammentun: das ist ein äusserst seltenes Ereignis. Ein «umfassendes Grenz- und Testsystem» für Einreisende fordern die Parteispitzen in ihrem Brief, den sie am Freitag an den Bundesrat gesandt haben und der heute durch die «SonntagsZeitung» publik geworden ist.

Wir wissen, dass in Wengen und St. Moritz das Virus aus dem Ausland in die Schweiz gekommen ist, von Touristen.
Autor: Jürg GrossenPräsident Grünliberale

Initiiert hat das Schreiben Jürg Grossen, Präsident der Grünliberalen. Es gehe darum, die strengen Massnahmen im Inland nicht aufs Spiel zu setzen, indem an der Grenze zu wenig strenge Massnahmen gelten würden: «Die besten Beispiele sind Wengen und St. Moritz. Wir wissen, dass da das Virus aus dem Ausland in die Schweiz gekommen ist, von Touristen. Und es ist notwendig, dass man Tests verlangt und auch Quarantäne anordnet für Leute, die länger in der Schweiz bleiben wollen.»

Tourismusbranche lehnt Quarantäne ab

Das aber stösst in der Tourismusbranche auf heftigste Ablehnung. Dass man einen negativen Covidtest von Einreisenden verlange, das könne er ja noch verstehen, sagt Andreas Züllig, Präsident des Verbands Hotelleriesuisse. Aber Touristen fünf Tage lang in eine Quarantäne stecken zu wollen – das sei ein absolutes No-Go. «Wenn das jetzt auch noch eingeschränkt wird, dann haben wir überhaupt keine Geschäfte mehr. Dann macht es auch keinen Sinn mehr, die Hotels offen zu halten.»

Dann macht es auch keinen Sinn mehr, die Hotels offen zu halten.
Autor: Andreas ZülligPräsident Hotelleriesuisse

Das stimme nicht, hält Grossen entgegen: «Schweizer Touristen können weiterhin Skiferien machen. Aber die ausländischen Touristen müssen halt diese Quarantänen durchlaufen.»

Die Parteispitzen seien sich wohl nicht bewusst, dass 55 Prozent aller Gäste in einem normalen Jahr aus dem Ausland kämen, kontert Züllig. «Verschiedene Destinationen wie Luzern, Zermatt oder St. Moritz, die brauchen die internationalen Gäste. Das kann man mit Schweizer Gästen alleine nicht kompensieren.»

Massive Kritik aus Grenzregion

Auch aus einer Grenzregion kommt bereits massive Kritik. Denn Grenzgängerinnen und Grenzgänger sollen ebenfalls von dem strengeren Regime betroffen sein. «Die Mitte»-Nationalrätin Elisabeth Schneider-Schneiter, Präsidentin der Handelskammern beider Basel, schüttelt nur den Kopf: «Viele Grenzgängerinnen arbeiten im Gesundheitswesen, im Detailhandel oder in der Bauwirtschaft. Solch einschränkende Massnahmen verursachen an den Grenzen Chaos und Staus.»

Diese Gefahr bestehe nicht, erwidert Jürg Grossen. Grenzgänger sollten von den Schweizer Firmen getestet werden, in denen sie arbeiten. «Es ist notwendig, dass die täglich – oder regelmässig mindestens – ein Screening durchlaufen in diesen Firmen mit Schnelltests, wo man mindestens Superspreader erwischt damit.»

Diesen Unternehmen noch zusätzliche Aufgaben aufzubürden, das finde ich eine Zumutung.
Autor: Elisabeth Schneider-SchneiterPräsidentin Handelskammer beider Basel

Aber auch das lehnt Elisabeth Schneider-Schneiter vehement ab: «Unsere Unternehmen kommen schon heute an ihre Grenzen mit allen Covid-Massnahmen. Diesen Unternehmen noch zusätzliche Aufgaben aufzubürden, das finde ich eine Zumutung.»

Sie ärgert sich zudem, dass die Grenzregionen einmal mehr nicht einbezogen wurden. Sie habe vom Brief, den ihr Parteipräsident Gerhard Pfister unterschrieben hat, aus der Zeitung erfahren.

Auf diese Kritik wiederum reagiert «Die Mitte»-Präsident Gerhard Pfister auf Twitter. An die Adresse seiner Parteikollegin Schneider-Schneiter schreibt er, Provinzialismus sei «keine Frage der Geografie, sondern eine des Hirns».

Nach dem Schreiben der Parteispitzen ist Feuer im Dach.

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Corona-Kontrollen an Grenzen sollen verschärft werden
Aus Tagesschau vom 24.01.2021.
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Echo der Zeit, 23.01.21, 18:00 Uhr

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110 Kommentare

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  • Kommentar von Fernando Oso  (Fernando Oso)
    Sind ja fast schon österreichische Verhältnisse:
    wenn es innen rumort, dann wird auf Ausländer gezielt. Dort heisst es halt, Balkanroute schliessen. Kurz war sich nicht zu blöd zu sagen, dass das Virus vom Balkan mit dem Auto kommt.

    Ich hoffe, da zieht die Schweiz nicht mit.

    Ich bin SOFORT für Grenzschliessungen wenn die auch für Pendler und Waren gelten. Dann sehen (vielleicht) auch die Populisten, dass Stimmenfang und Pandemiestrategien eher inkompatibel sind.
  • Kommentar von Claudia Dolfi  (Claudia D.)
    Zuerst wird monatelang trotz Warnungen der Experten viel zu wenig unternommen und jetzt soll plötzlich das strengste Grenzregime Europas eingeführt werden?

    Viel zielführender wären etwas verhältnissmässigere Massnahmen, dafür Schweizweit einheitlich, möglichst stabil und absehbar, idealerweise mit der EU koordiniert anstatt dieses Hickhack von einem Extrem ins andere.
    1. Antwort von Maciek Luczynski  (Steine)
      Mir wäre es auch lieber, wir hätten mehr Kontrollen, bei wenigen Massnahmen. Und dass man z.B. bei groben Vergehen Quarantäne mit Hausarrest kombiniert ( nicht unter 30 Tagen).
      Nur Bussgelder nehmen die ("partysüchtigen") Leute einfach nicht ernst.
      Anders würde es aussehen, wenn die "Sünder" zu Hause bleiben müssten, während die (regeeinhaltenden) Freunde unterwegs sind.
  • Kommentar von Peter Meier  (Ein Rechter, der nicht blind ist auf dem Linken)
    Eins ist klar. Ohne Grenzgänger läufts in unserer Wirtschaft und im Gesundheitswesen nicht. Dafür ein Danke. Aber es ist auch klar, dass es die Grenzgänger waren, die das Virus eingeschleppt haben. Man muss ja nur die Zahlen anschauen vom letzten Frühling, welche Kantone zuerst am meisten Coronafälle hatten. Tesssin, Basel und Genf, Waadt. Ein Schnelltest tut keinen weh, der in die Schweiz kommt.
    1. Antwort von Maciek Luczynski  (Steine)
      ich wäre ja auch dafür, dass man die "Reisenden" regelmässig testet, bzw für ca. 1 Woche die Freigabe für mehr als 15/20 km zu reisen freigibt.
      Dabei sollte es keine Rolle spielen, ob man aus einem anderen Land kommt, oder "nur" aus einem anderen Kanton/Bezirk.

      Für die Virusausbreitung spielen Ländergrenzen keine Rolle, die Reise-Entfernung, und die "Kontakt-Zonen" (in denen man sich Aufhält) aber schon.

      Leiter arbeiten die Kantone genau so wenig zusammen, wie die Länder.