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Schweiz auf Kurs bei der Energiestrategie 2050
Aus Rendez-vous vom 26.11.2020.
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Energiepolitik Bundesamt für Energie: «Sind bei Energiestrategie 2050 auf Kurs»

Direktor Benoit Revaz vom Bundesamt für Energie ist zuversichtlich. Doch die Schweiz spare noch zu wenig Energie.

Gleich zu Beginn der heutigen Medienkonferenz betonte der Vizedirektor des Bundesamts für Energie (BFE), Pascal Previdoli, dass der neue Monitoring-Bericht 2020 keine punktgenaue Prognose darstelle. «Energieperspektiven sind keine Kristallkugeln – sie zeigen aber mögliche technologische Entwicklungen, mit denen die Ziele bis 2050 erreicht werden können.»

Nötig wurde die Studie, weil der Bundesrat letztes Jahr offiziell das Ziel netto Null bis 2050 ins Auge gefasst hat. Dieses Ziel kommt zum bisherigen Vorhaben, den Ausstieg aus der Atomenergie mit anderen Energieerzeugungsformen aufzufangen, hinzu.

Es muss mehr Strom produziert werden

Trotzdem sei das Ziel im Prinzip erreichbar, sagte Studienleiterin Almut Kirchner. Dabei blieben aber rund zwölf Millionen Tonnen CO2 an «Restemissionen» übrig. «Das betrifft insbesondere Industrieprozesse, Kehrichtverbrennung und Landwirtschaft», führte Kirchner aus.

Um von fossilen Energieträgern wie Erdöl, Benzin und Erdgas wegzukommen, muss beispielsweise auf Elektroautos umgestiegen werden. Dadurch erhöht sich allerdings der Stromverbrauch. Zudem rechnet die Studie mit einem weiteren Wirtschafts- und Bevölkerungswachstum, sie geht von einer 10-Millionen-Schweiz aus. Das steigert den Bedarf an Elektrizität zusätzlich.

Sonnenstromproduktion ausbauen

Und weil zugleich die Atomenergie ersetzt werden muss, müssen die erneuerbaren Energien, vor allem die Stromproduktion aus Sonnenenergie, massiv ausgebaut werden. Auch bei der Wasserkraft braucht es ein Wachstum, wobei hier das Potenzial schon bald ausgeschöpft ist.

Der Umbau muss beschleunigt werden

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Der Umbau muss beschleunigt werden
Legende:srf

Macht die Schweiz weiter wie bisher und beschleunigt den Zubau erneuerbarer Energieproduktion – Fotovoltaik, Windenergie, Wasserkraft oder Geothermie – nicht, stösst sie 2050 immer noch 32 Millionen Tonnen CO2 aus. Das ist gegenüber heute ein Rückgang von 30 Prozent, verfehlt aber das Klimaziel von null Treibhausgasemissionen. Im Szenario «weiter wie bisher» fallen, so die BFE-Studie, bis 2050 im Energiesektor Investitionen von 1.4 Billionen Franken an. Im Basis-Null-Szenario müssten 109 Milliarden Franken mehr investiert werden. (sda)

Zudem braucht es laut der Studie mehr Stauseen als Stromspeicher, wenn die Atomenergie wegfällt. Denn so kann die Sonnenenergie zwischengespeichert werden, bis sie in der Nacht oder bei schlechtem Wetter gebraucht wird. Um rund um die Uhr immer gleichmässig viel Strom zur Verfügung zu haben, wird es gemäss dem Papier zwischenzeitlich auch nicht ohne Stromimporte gehen.

Das sagt SRF-Wissenschaftsredaktor Daniel Theis:

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Das sagt SRF-Wissenschaftsredaktor Daniel Theis:
Legende:Keystone

Wenn wir weiterfahren wie bisher, wird die Schweiz in Zukunft viel Strom importieren müssen. Ob der aber erhältlich sein wird, ist offen. Denn alle europäischen Länder wollen weg von den fossilen Brennstoffen hin zu Strom. Auch scheint der in der Studie berechnete Zuwachs beim Stromverbrauch bis 2050 mit elf Prozent gegenüber heute etwas gar optimistisch. So könnten dannzumal statt der im Bericht erwähnten 3.6 Millionen Elektroautos durchaus eine Million mehr auf den Schweizer Strassen unterwegs sein. Andere Berechnungen für das Jahr 2050 gehen denn auch davon aus, dass wir 30 oder sogar 50 Prozent mehr Strom benötigen werden.

Bei den Heizungen sollen Öl und Erdgas zu einem bedeutenden Teil mittels Fernwärme kompensiert werden. Diese soll etwa durch die Verbrennung von Biogas oder Biomethan sowie aus Abwärme von Gewässern, Abwasserreinigungs- oder Geothermie-Anlagen stammen.

Auf gutem Weg – aber es braucht mehr

Dabei hat die Schweiz, so die Studie, ein kleines Stück der Energiewende bereits geschafft. «Wir sind bei der Umsetzung der Energiestrategie 2050 heute auf Kurs», sagte BFE-Direktor Benoit Revaz. «Doch wir dürfen uns nicht zurücklehnen.»

Die aktuellen Zahlen zeigen nämlich, dass der Ausbau bei den erneuerbaren Energien noch zu langsam vorwärtsgeht und dass wir insgesamt noch zu wenig Energie einsparen. So müsste den Plänen zufolge der Gesamt-Energieverbrauch um 2.2 Prozent pro Jahr sinken. Doch in den letzten zehn Jahren waren es im Schnitt jeweils bloss 1.4 Prozent.

Rendez-vous vom 26.11.2020, 12.30 Uhr

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22 Kommentare

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  • Kommentar von Beat Reuteler  (br)
    Ohne schweizweites striktes Verbot von Oel- und Gasheizungen wird es nicht gehen. Wenn heute neue Oelheizungen eingebaut werden, müssten diese sinnvollerweise ca. 30 Jahre, also bis 2050 betrieben werden können (normale Lebensdauer). Also wird mit jeder neu eingebauten Oelheizung der entsprechende fossile Verbrauch bis direkt zum Ziel "netto 0" zementiert. Auch Elektroboiler gehören schweizweit verboten (heute kantonal verschieden). So spart man Energie ohne Komfortverlust.
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  • Kommentar von Noah Schmid  (Schmid)
    Pro Jahr wird in der Schweiz gut 30 km^2 neu verbaut. Wenn nur schon gleich viel der bestehenden Fläche mit PV-Modulen (350 W) bestückt wird, dann sind das 6 GW pro Jahr. 6 GW entspricht wiederum lediglich 2 PV-Modulen pro Einwohner und Jahr.
    Auf unsere Dächer passen etwa 80 GW PV. Damit kann über 3 mal so viel Strom produziert wie mit den Schweizer AKW. Wenn man 30 km^2 der schönen Schweiz jedes Jahr neu zubetonieren kann, dann kann man auch Solarenergie auf bestehende Dächer installieren.
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  • Kommentar von Alex Schneider  (Alex Schneider)
    Die wachsende Wirtschaft kompensiert einen Teil der zunehmenden Energieeffizienz und erschwert es damit, die Ziele der Energie- und Klimapolitik zu erreichen. In diesem Zielkonflikt wiegt das Interesse der Wirtschaft stets mehr als das Ziel einer sparsamen, CO2-freien Energieversorgung. Das manifestieren aktuell etwa die Konjunkturprogramme und Verschuldungsorgien, mit denen die Staaten versuchen, die coronabedingte Rezession zu mildern.
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