Zum Inhalt springen

Header

Audio
Marsch-Halt beim Grimselprojekt
Aus Rendez-vous vom 26.11.2020.
abspielen. Laufzeit 02:45 Minuten.
Inhalt

Entscheid des Bundesgerichts Grimsel-Staumauer darf vorläufig nicht erhöht werden

  • Ein Rückschlag für die Kraftwerke Oberhasli (KWO) und ein Rüffel für den Kanton Bern: Die Grimsel-Staumauer darf vorläufig nicht erhöht werden.
  • Das Bundesgericht hat die Beschwerde von zwei Naturschutzorganisationen gutgeheissen.
  • Nun muss der Kanton Bern das Projekt neu beurteilen.

Für die beiden Naturschutz-Organisationen Aqua Viva und die Schweizerische Greina-Stiftung ist heute ein guter Tag: In ihrem Kampf gegen die Erhöhung der Staumauer des Grimsel-Stausees feiern sie einen Zwischenerfolg. Das Bundesgericht heisst ihre Beschwerde gegen das Projekt gut.

In seinem Urteil kommt das Bundesgericht zum Schluss, dass die Erweiterung des Stausee-Projektes einer Grundlage im kantonalen Richtplan bedürfe. Auf der Ebene des Richtplans müsse entschieden werden, welche Interessen höher zu gewichten seien – jene des Naturschutzes oder die wirtschaftlichen.

Baustelle an der Staumauer Spitallamm
Legende: Seit 2019 und bis 2025 bauen die KWO neben die bestehende Grimsel-Staumauer «Spitallamm» eine neue, gleich hohe Staumauer. Spitallamm bleibt erhalten und wird später geflutet. Die Erhöhung der neuen Staumauer gibt seit Jahren zu reden. Keystone

Moorlandschaft würde überschwemmt

Bisher habe es der Kanton Bern unterlassen, diese vollständige Abwägung vorzunehmen. So sei etwa nicht berücksichtigt worden, dass es sich beim Gletschervorfeld des Unteraargletschers wahrscheinlich um eine Aue von nationaler Bedeutung handle, hält das Bundesgericht fest. Dieses Gletschervorfeld würde überschwemmt, wenn der Stausee erweitert wird.

Am Grimselsee wollen die KWO die Staumauern um 23 Meter erhöhen. Dadurch würde das Speichervolumen des Stausees um 75 Millionen Kubikmeter auf neu 170 Millionen Kubikmeter vergrössert. Eine Speicherung von zusätzlichen 240 GWh Energie wäre möglich. Damit könnte man 60'000 bis 100'000 Haushalte mit Strom versorgen.

Video
Aus dem Archiv: So begründen die KWO die Staumauer-Erhöhung
Aus Schweiz aktuell vom 13.08.2019.
abspielen

Ausserdem verlangt das Bundesgericht, dass der Kanton Bern das Grimsel-Projekt nicht isoliert betrachtet, sondern im Zusammenhang mit einem zweiten Wasserkraftprojekt in der Nähe: Denn beim Triftgletscher planen die Kraftwerke Oberhasli KWO einen neuen Stausee. Weil es sich beim Grimsel teilweise um eine geschützte Moorlandschaft handle, sei ein Richtplan, also eine Gesamtschau zwingend notwendig, so die Richter in Lausanne.

In einer schriftlichen Stellungnahme schreibt die Kraftwerke Oberhasli AG, sie nehme das Urteil aus Lausanne zur Kenntnis, bedaure es jedoch. Denn durch das Urteil des Bundesgerichts werden gerade beide Projekte verzögert.

Marschhalt im Grimsel-Projekt

Allzu sehr freuen dürfen sich aber auch die Naturschutzorganisationen Aqua Viva und Greina-Stiftung nicht: Denn das Urteil des Bundesgerichts bedeutet nicht das definitive Ende des Grimsel-Projektes. Es ist lediglich ein Marschhalt. Das Gericht hält fest, dass das Grimsel-Stausee-Projekt von nationalem Interesse sei, weil es durch die zusätzliche Stromgewinnung einen wichtigen Teil zur Energiewende betragen könnte.

Info3 am Mittag, 26.11.2020, 12.00 Uhr

Jederzeit top informiert!
Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden.

Meistgelesene Artikel

Nach links scrollen Nach rechts scrollen

47 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Nico Stäger  (Nico Stäger)
    Entweder mehr Strom produzieren und speichern oder weniger elektrische Geräte und somit Strom brauchen oder weniger Menschen im Land, die Strom brauchen. Am besten wohl alles zusammen...
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Bruno Hochuli  (Bruno Hochuli)
    Wenn die Grimsel Staumauer erhöht werden könnte, so würde man auch das Wasser für die Bewässerung von Feldern nutzen. In der DOC Sendung gestern waren sehr gute Ideen vorhanden, welche die Wasserknappheit vieler Orts mildern könnte. Ich habe schon vor Jahren geschrieben, dass es unbedingt mehr Stauseen brauche, da es immer weniger Schneefälle gibt und die Gletscher verschwinden werden. Leider scheine ich recht zu haben mit meiner Prognose.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Noah Schmid  (Schmid)
    Es würde übrigens nicht mehr Strom produziert, sondern nur 240 GWh in den Winter 'gerettet'. Das Alpenland Österreich produziert bereits gegen 8000 GWh zusätzlichen Strom mit Windkraftanlagen. Der Vorteil von Windkraft ist, dass im Winter immer mehr Strom produziert wird. Gemäss der Studie "Windenergiestrategie Winterstrom und Klimaschutz" zu finden auf der BFE-Webseite sind 30'000 GWh umsetzbar und 9000 GWh realistisch. Schade wird die Windkraft in der Schweiz vehement bekämpft.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen