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Bundesrat verzichtet auf grössere Öffnungsschritte
Aus Echo der Zeit vom 19.03.2021.
abspielen. Laufzeit 06:26 Minuten.
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Entscheid des Bundesrates «Es ist ein kalkuliertes Wagnis»

Der Bundesrat erlaubt ab Montag wieder private Treffen in Innenräumen mit zehn Personen. Wie heikel ist das aus epidemologischer Sicht? SRF-Wissenschaftsredaktor Christian von Burg spricht von einem kalkulierten Wagnis.

Christian von Burg

Christian von Burg

SRF-Wissenschaftsredaktor

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Der 1972 geborene Journalist arbeitet für die SRF-Wissenschaftsredaktion. Angefangen hat er bei der Zeitung «der Bund», zuerst bei der Lokalredaktion, anschliessend im Inland.

SRF News: Die Fallzahlen steigen, der Bundesrat erhöht gleichzeitig die Zahl der Personen, die in einem geschlossenen Raum sein dürfen. Christian von Burg, wie beurteilen Sie diesen Schritt aus wissenschaftlicher Sicht?

Christian von Burg: Es ist ein kalkuliertes Wagnis. Epidemiologisch gesehen ist es heikel, wenn sich wieder zehn Leute in Innenräumen treffen dürfen. Denn die neue Virusvariante ist etwa 50 Prozent ansteckender. Es bleibt zu hoffen, dass die Menschen vorsichtig bleiben und sich auch regelmässig testen lassen.

Wobei man sagen muss, so einfach wie Bundesrat Alain Berset das an der Medienkonferenz gesagt hat, ist es nicht. Vielerorts kann man nicht einfach in die Apotheke gehen und sich schnell testen lassen, weil es an Tests fehlt. Und Tests, die man zu Hause machen kann und in anderen Ländern längst im Verkehr sind, werden gemäss dem BAG erst in anderthalb Monaten zugelassen.

In umliegenden Ländern werden die Massnahmen verschärft. Ist denn die epidemiologische Lage dort so viel schlechter als bei uns?

Das kommt darauf an, in welche Richtung man schaut. In Deutschland ist die Zahl der Neuinfektionen in etwa vergleichbar. In Italien, Frankreich und Österreich hingegen ist sie gut doppelt so hoch. Was aber überall gleich ist: Die Zahlen steigen exponentiell und es ist interessant zu sehen, wie unterschiedlich die Länder in dieser Lage reagieren: Während unsere Nachbarn die Massnahmen verschärfen, lockert die Schweiz ein bisschen.

Der Bundesrat hat auch eine Strategie präsentiert, wie er bei steigenden Fallzahlen strengere Regeln einführen will. Wie wahrscheinlich ist es, dass diese Regeln aktiviert werden müssen?

Ich denke, das ist durchaus möglich. Der Bundesrat hat als Grenzwert für Verschärfungen eine Fallzahl von 350 Neuansteckungen auf 100'000 Menschen innerhalb von 14 Tagen vorgeschlagen. Heute liegen wir bei gut der Hälfte dieser Zahl. Aber wenn die Kurve weiter verläuft wie im Moment, dann kann es gut sein, dass wir in drei, vier Wochen so weit sind. Zudem zeigen nun leider immer mehr Studien, dass die britische Variante, die bei uns jetzt fast neun von zehn Fällen ausmacht, nicht nur ansteckender, sondern entgegen früherer Aussagen auch etwa 50 Prozent tödlicher ist. Die Lage bleibt leider ungemütlich.

Echo der Zeit, 19.03.2021, 18.00 Uhr;

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10 Kommentare

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  • Kommentar von Jay Leuthold  (Jay Leuthold)
    Es ist niemand gezwungen sich in 10er Gruppen zu treffen. Wer Anst hat kann sich freiwillig weiterhin einschliessen. Wer sich in Gruppen treffen will soll das machen können. Man muss dann halt auch bereit sein die Konsequenzen zu tragen. Wo ist das Problem?
    So ein Entscheid ist überfällig und nicht mutig.
    Bitte liebe Mitbürger - nehmt Euer Leben selber in die Hand. Der BR weiss es nicht besser. Wer die wichtigsten Erkenntnisse studiert, ist schnell besser informiert als der BR mit Taskforce
  • Kommentar von Urs Dupont  (udupont)
    Ob sich Herr Berset bewusst ist, dass er mit diesem Schritt ausgerechnet dort wo die Gefahr besonders gross ist, das Risiko einer Ansteckung bis zu mehr als vervierfacht hat? Schwer nachvollziehbar, wenn gleichzeitig Massnahmen mit allen Mitteln durchgeboxt werden, die verhindern, dass das Risiko gesenkt bzw. die Gesundheit und das Immunsystem gestärkt werden kann und wo es nur zu sehr wenigen, potentiell gefährlichen Kontakten kommt (Terrassen, Hallenbäder, Saunas weiterhin geschlossenl!)
  • Kommentar von Alexander Markert  (garantiert-trollfrei)
    Nun , im Augenblick scheint in England die Lage wieder unter Kontrolle (R zwischen 0.7 und 0.9), während sie hier im Kanton Tessin bereits am 1. März bei 1.22 lag. (neuere Daten gibt es nicht). Es ist also nicht so, dass strenge Massnahmen nichts bringen.

    Und wer weiss heute, wie sich die brasilianische Variante P 1, die in Brasilien gerade ein breite Schneise der Verwüstung hinterlässt, bei uns einmal auswirken wird. Denn kommen wird sie, die Frage ist nur wann.