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Zehn Personen dürfen sich privat treffen
Aus SRF News vom 19.03.2021.
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Kaum Lockerungen Das Dilemma des Bundesrates: Herz oder Verstand?

Als heute Mittag bekannt wurde, dass Bundesrat Alain Berset alleine vor die Medien treten wird, war schon zu vermuten, dass die Öffnungen wohl eher kosmetischer Natur sein würden. Einen grossen Schritt hätte wahrscheinlich auch Wirtschaftsminister und Bundespräsident Guy Parmelin gerne verkündet.

Der Bundesrat bleibt mit seinen heutigen Entscheidungen (oder besser: Nicht-Entscheidungen) seiner vorsichtigen Politik der letzten Monate treu. Dass die Obergrenze für private Treffen von fünf auf zehn Personen angehoben wird, dürfte vor allem psychologische Gründe haben. Denn die Ostertage stehen vor der Tür.

Glaubwürdigkeit bewahrt

Allen anderen «Lockerungsgelüsten» hat der Bundesrat heute eine Abfuhr erteilt. Und sich damit seine Glaubwürdigkeit bewahrt: Man kann nicht vier Kriterien und Grenzwerte definieren, an denen man seine Öffnungspolitik ausrichten will, und dann weitgehende Lockerungen verkünden, wenn drei der vier Kriterien nicht erfüllt sind.

Die Richtung hatte Bundesrat Berset eigentlich schon vor einer Woche vorgegeben, als er eingestand, dass sich die Schweiz auf eine dritte Welle einstellen müsse, und hinzufügte: «Wir können sie mässigen, wenn wir richtig handeln.»

Dem Druck standgehalten

Ob der Bundesrat jetzt richtig gehandelt hat, wird naturgemäss kontrovers diskutiert. Man kann zumindest festhalten: Der Bundesrat hat mit dem heutigen Vorgehen Mut zum Widerstand bewiesen. Der Druck für weitere Öffnungen war gross. Das Parlament hatte in der ablaufenden Session die Muskeln spielen lassen, die Wirtschaft lobbyierte auf allen Kanälen, eine Mehrheit der Kantone wünschte sich grössere Öffnungsschritte und auch der Unmut in der Bevölkerung über die Einschränkungen des täglichen Lebens wurde immer grösser.

Interessant war in der gestern publizierten Corona-Umfrage der SRG, dass sich die Menschen zwar grössere Lockerungen dringend wünschen, gleichzeitig aber die vorsichtige Strategie des Bundesrates mehrheitlich unterstützen. Anders gesagt: Das Herz sagt: Öffnen! Der Verstand sagt: Vorsichtig bleiben!

Vor demselben Dilemma dürfte sich heute auch der Bundesrat gesehen haben. Der Verstand hat gesiegt.

Urs Leuthard

Urs Leuthard

Leiter TV-Bundeshausredaktion SRF

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Seit Sommer 2020 ist Urs Leuthard Leiter der Bundeshausredaktion von Fernsehen SRF. Bereits seit 2002 moderiert er das «Abstimmungsstudio» und analysiert Wahlen und Abstimmungen. Bis 2008 war er Moderator und Redaktionsleiter der «Arena», danach wechselte er zur «Rundschau», bevor er 2012 die Redaktionsleitung der «Tagesschau» übernahm. Ab 2016 leitete Urs Leuthard die Newsroom-Entwicklung beim Fernsehen SRF.

Quelle: Bundesrat, 19.03.21Weiter geschlossen: Restaurants, Bars, Discos, Sportanlagen (drinnen), Kultur- und Freizeitbetriebe (drinnen)Homeoffice-PflichtMaskenpflichtFernunterricht an HochschulenRegeln für SkigebieteVerbot von Sport mit KörperkontaktSingen nur im FamilienkreisAusnahmen bei Sport, Gesang und Kultur für unter 20-Jährige20Das hat der Bundesrat am 19. März beschlossenLockerung ab dem 22. MärzWeiterhin giltRichtwerte für erneute VerschärfungenWeiteres VorgehenVorschlag Bundesrat:Private Treffen in Innenräumen: 10 statt 5 PersonenWeitere Öffnungen und Lockerungen wegen Anstieg der Fallzahlen verschoben.Private Treffen im Freien: bis 15 Personen1. Phase:Impfung der Risikogruppen nicht abgeschlossen - strengere Richtwerte (z.B. 14-Tages-Inzidenz von 350)2. Phase: Risikogruppen geimpft - weniger strenge Richtwerte3. Phase: Impfung aller Impfwilligen abgeschlossen - keine Schliessungen und Richtwerte mehrNächster Entscheid vom Bundesrat voraussichtlich am 14. April.

SRF 4 News, 19.03.2021, 16:00 Uhr

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126 Kommentare

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  • Kommentar von Denise Casagrande  (begulide)
    Es braucht, Verstand, Herz, Loyalität gegenüber der Bevölkerung und Verantwortungsbewusstsein!
  • Kommentar von Werner Vetterli  (KlingWe)
    Das war ein glasklare Entscheidung mit Herz und Verstand. Es wurden, wohlverstanden zu aller Zufriedenheit, 4 Eckkriterien festgelegt. Das ist eigentlich vergleichbar mit einem Ampelsystem.
    3mal rot, die Konsequenzen sind gegeben.
    So wird auch in der Wirtschaft geführt. Jeder Sportler der seine Ziele erreichen will, entscheidet analog.
    Ich verstehe die negativen Reaktionen nicht.
  • Kommentar von Erik Eisermann  (ECATWEAZLE)
    Guten Tag.
    Der Schritt war absehbar und ist konsequent.
    Auch wenn die Fallzahlen bei uns relativ langsam steigen,in den umliegenden Ländern ist das anders. Fassen wir uns in Geduld, auch wenn das noch ein paar Monate gehen kann. Was wir gesundheitlich dazugewinnen, wenn wir die Pandemie in den Griff bekommen,ist wesentlich mehr als ein paar Monate Einschränkungen.Es gibt Opfer in dieser Zeit,und wo eine Tür zufällt, geht eine andere wieder auf.Mit der Gesundheit haben wir diese Option nicht.