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«Am wichtigsten ist, Kontakte zu reduzieren»
Aus Echo der Zeit vom 21.10.2020.
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Entwicklung der Coronafälle Wie sinnvoll ist ein Mini-Lockdown, Herr Ackermann?

Die Schraube wird in verschiedenen Kantonen wieder angezogen. Wenn sich die Lage nicht verbessert, will auch der Bundesrat in einer Woche zusätzliche Massnahmen gegen die Ausbreitung des Coronavirus beschliessen. Martin Ackermann, Leiter der Taskforce des Bundes, sah das Wachstum kommen.

Martin Ackermann

Martin Ackermann

Chef der Covid-19-Taskforce

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Der Experte für Mikrobiologie, Prof. Dr. Martin Ackermann, ist seit dem 1. August 2020 der Chef der Covid-19-Taskforce des Bundes. Ackermann ist seit August 2008 ausserordentlicher Professor für molekulare mikrobielle Ökologie am Institut für Biogeochemie und Schadstoffdynamik der ETH Zürich.

SRF News: Neue Massnahmen erst in einer Woche – haben wir diese Zeit?

Martin Ackermann: Die Zeit ist extrem knapp. Das grösste und drängendste Problem im Moment ist die Kapazität der Intensivpflege. Wir sind heute noch etwa vier Verdoppelungen weg von der Kapazitätsgrenze bei den Intensivbetten. Das wäre beim jetzigen Tempo in etwa vier Wochen.
Die Kantone handeln schon diese Woche. Wir begrüssen das sehr.

Wäre es sinnvoll, einen Mini-Lockdown ins Auge zu fassen?

Diese Idee wird zurzeit von uns analysiert. Worauf unsere Experten aber immer wieder hinweisen: Wenn sich die Infektionen weiter ausbreiten, reduziert dies Konsum und Investitionen, unabhängig davon, ob ein Lockdown angeordnet wird. Das müssen wir bei unseren Überlegungen miteinbeziehen.

Wir müssten von 16 Ansteckungen etwa 7 verhindern. Das ist eine grosse Reduktion.

Die Wirtschaft leidet also so oder so, mit oder ohne Lockdown?

Ein Lockdown ist das Mittel der letzten Wahl, wenn die anderen Massnahmen fehlschlagen. Im Moment hat ganz klar Priorität, dass wir so schnell wie möglich mit Massnahmen reagieren, die ausreichend sind, um die Situation unter Kontrolle zu halten. Das heisst: Wir müssen von 16 Ansteckungen etwa 7 verhindern. Im Moment stecken 10 infizierte Personen 16 weitere an. Diese Zahl müssen wir unter 10 bringen. Das ist eine grosse Reduktion.

Und wie soll das gelingen?

Die wichtigste Massnahme ist, die Kontakte zwischen Menschen zu reduzieren. Überall: im Geschäftsleben, im Privatleben, in der Freizeit. Und auch die Reduktion der Veranstaltungen und Veranstaltungsgrössen ist sehr wirkungsvoll. Das hat sich im Frühjahr gezeigt. Damals haben diese Reduktionen dazu beigetragen, dass die Fallzahlen rasch herunterkamen.

Anfang August haben Sie angesichts der Datenlage von einem Blindflug gesprochen. Weiss man heute, Mitte Oktober, besser, was zu tun ist?

Wir wissen viel mehr darüber, welche Massnahmen wirkungsvoll sind. Wir haben jetzt Einblick in die Wirksamkeit von Masken. Und wir wissen auch, dass Treffen in Innenräumen besonders grosse Risiken mit sich bringen.

Die Fallzahlen waren schon hoch. Es wurde immer schwieriger, gezielt Ansteckungsketten zu unterbrechen.

Wo wir immer noch im Blindflug sind, ist bei den Daten über die Ansteckungen. Das ist auch eine Konsequenz der hohen Fallzahlen. Die Kontaktverfolgung ist für die Kantone im Moment sehr schwierig.

Vor drei Wochen war die Lage in der Schweiz im europäischen Vergleich noch sehr gut. Nun nicht mehr. Was ist in diesen drei Wochen passiert?

Die Entwicklung kam nicht völlig unerwartet. Wir haben seit Anfang Juni ein exponentielles Wachstum der Epidemie in der Schweiz. Manchmal war es ziemlich langsam, aber es wurde dann Anfang Oktober viel schneller.

Die Massnahmen, die wir beibehielten, haben nicht ausgereicht.

Da sind wohl zwei Dinge geschehen. Erstens wurde es kühler, die Leute haben sich mehr drinnen aufgehalten. Wir wissen, dass in Innenräumen die Ansteckungen viel häufiger stattfinden. Zweitens waren die Fallzahlen schon hoch. Es wurde immer schwerer, gezielt Ansteckungsketten zu unterbrechen.

Im Vergleich zu anderen Ländern hatte die Schweiz eher sanfte Massnahmen ergriffen. Wurde zu stark auf Eigenverantwortung gesetzt?

Die Schweiz hat die Massnahmen sehr stark gelockert, stärker als die meisten anderen Länder. Es zeigt sich jetzt, dass die Massnahmen, die wir noch beibehalten hatten, nicht ausgereicht haben.

Das Gespräch führte Simone Hulliger.

Echo der Zeit, 21.10.2020, 18 Uhr;

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173 Kommentare

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  • Kommentar von Iris Fischer  (Seahorse)
    Was ist das denn anderes als ein Lockdown auf Raten, wenn langsam aber sicher alles immer wie mehr eingeschränkt und verboten wird? Da wäre ein richtiger Lockdown wohl ehrlicher als so ein schrittweises Luft abwürgen....
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    1. Antwort von Peter Hahnau  (Peter Hahnau)
      Ja. Die Massnahmen kommen mir so langsam vor, wie ein grosses Pflaster, das von einer üppig behaarten Hautstelle abgezogen wird.
      Möglichst langsam, vorsichtig und zaghaft, mit der Absicht, dem Patienten nicht wehzutun. Dass man auf diese Art aber das Gegenteil bewirkt, wüsste man eigentlich.
      Eigentlich...
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    2. Antwort von Hans Meier  (h.m.)
      Was hätte denn ein Lockdown für einen Sinn, wenn anschliessend die aktuellen Massnahmen nicht weitergeführt werden? Denken Sie, nach dem Lockdown wird die Maskenpflicht wieder aufgehoben? Nein, man wird die aktuellen Einschränkungen als die liberalere Variante verkaufen gegenüber einem längeren Lockdown.
      Zuerst alles verbieten, dann wieder häppchenweise verkaufen.
      Die Massnahmen und der Lockdown haben kein Ziel, sondern sie sind nur der Weg zu Ziel.
      Zu dumm, dass es gar kein Ziel mehr gibt.
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  • Kommentar von Richard Limahcer  (Limi)
    Betrachtet man die Kurve der Hospitalisierungen, dann stellt man fest, dass die Schwelle vom 16.3 bereits vor einer Woche überschritten wurde. Die Steilheit ist etwa gleich. Im Frühling dauerte es nach dem 16.3 zwei Wochen bis der Peak erreicht wurde. Also wenn sich die Ansteckungen nicht bereits seit einer Woche massiv reduzierten, wird der Peak dieses Mal höher ausfallen.

    https://www.srf.ch/news/schweiz/coronavirus-so-entwickeln-sich-die-corona-zahlen-in-der-schweiz
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    1. Antwort von Daniel Altorfer  (geni)
      Herr Limacher, hierzu eine aktuelle Aussage einer mir bekannten Person die in einem Kantonsspital im Notfall arbeitet: Die Patientenzahl nimmt laufend zu, wobei man sagen lann, dass rund 35-40% der Patienten keine Spitalbetreuung benötigen...
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    2. Antwort von Alex Hanselmann  (kinkiri)
      Vergleicht man die CFR Kurven von Finnland und der Schweiz sieht man bei beiden gleichzeitig wie die Situation Anfang Oktober dramatisch wird. Bei uns explodieren seit dann die Fallzahlen der positiv getesteten, während Finnland die Krise bereits nach wenigen Tagen im Griff hatte.
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  • Kommentar von Hans Meier  (h.m.)
    The Show must go on lautet die Devise für das BAG und die Medien:
    Nun ein publikumswirksamer "kleiner" Lockdown, welcher in Wirklichkeit eine absolute Katastrophe für den Unterhaltungssektor ist.
    Die Zahlen werden steigen, stagnieren, sinken - je nach Vorhaben des Testregimes, um offizielle Zahlen zu präsentieren.
    Ihr macht ja ohnehin was ihr wollt, um die Zahlen nach eurem Gusto zu frisieren.
    Die Glaubwürdigkeit in der Bevölkerung ist längst verloren - hierfür bräuchte es Ehrlichkeit.
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    1. Antwort von Franz Lehmann  ((DrFranz))
      Ich denke nicht, dass Sie für die Bevölkerung sprechen können. Und ich nehme an, dass Sie falsch liegen.
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    2. Antwort von Maciek Luczynski  (Steine)
      Auch der Unterhaltungssektor muss sich wandeln (Siehe Youtube, Netflix, Amazon, Disney, Sky, etc...)

      "Die Glaubwürdigkeit in der Bevölkerung ist längst verloren"
      Für welchen Tel der Bevölkerung sprechen Sie ?
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    3. Antwort von Reto Camenisch  (Horatio)
      H.Meier. Sprechen Sie bitte für sich! Nach allen Umfragen, auch die letzte. sind etwa 60% zufrieden mit den Massnahmen. 25% finden sie gingen zu wenig weit, 15% finden zu weit.
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