Bei der Einweihung der Frauenklinik im Jahr 2002 gibt es viel Lob und schöne Worte. Von «fliegenden Häusern» ist die Rede. «Ich bin begeistert», sagt die damalige kantonale Baudirektorin Dori Schär. Und die Architektin Marie-Claude Bétrix sagte: «Was man von aussen sieht, muss Hunderte von Jahren halten.»
Aber schon bald kommen Baumängel zum Vorschein, 3600 an der Zahl. Bei 930 Zimmern sei diese Anzahl nicht ungewöhnlich, heisst es damals. Der grösste Mangel jedoch kommt nicht alle Tage vor: Die stadtseitige Fassade ist undicht und muss saniert werden.
Von der Eröffnung zum Sanierungsfall
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Bild 1 von 6. Bei der Eröffnung Ende Mai 2002 gab es viel Lob und schöne Worte. «Nur» die gelbe Geburtswanne sorgte für Kopfschütteln. Bildquelle: KEYSTONE/Peter Gerber.
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Bild 2 von 6. 2004 tauchen tausende Mängel auf: 3600 an der Zahl. Beispielsweise gab es keine Kühlung der Räume. Bildquelle: KEYSTONE/Gaetan Bally.
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Bild 3 von 6. Einige Jahre später zeigen sich Schäden an Geländern und Risse in der Fassade. Dahinter stecken Probleme mit der Statik. Bildquelle: KEYSTONE/Gaetan Bally.
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Bild 4 von 6. 2013 bricht eine Betonstufe einer Treppe ab und stürzt in die Tiefe. Verletzt wurde niemand. Grund sei eine «schlampige Bauausführung», schreibt die Berner Zeitung. Bildquelle: KEYSTONE/Peter Schneider.
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Bild 5 von 6. Die Südfassade der Frauenklinik muss in den Jahren 2014 und 2015 saniert werden. Bildquelle: KEYSTONE/Peter Schneider.
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Bild 6 von 6. 2017 entscheidet die Inselgruppe: Das Gebäude der Frauenklinik wird saniert. Im Juni 2018 werden Patientinnen und Infrastruktur gezügelt. Bildquelle: KEYSTONE/Peter Schneider.
Ab 2008 wird klar: Die Statik des Millionenbaus wurde falsch berechnet. Zudem ist das Betongebäude nicht erdbebensicher, zu diesem Schluss kommen zwei Gutachten.
Patientinnen und Mitarbeitende kommen 2013 mit dem Schrecken davon, als eine Betonstufe einer Treppe abbricht und in die Tiefe stürzt. Verletzt wird niemand, Grund sei eine schlampige Bauführung, schreibt die Berner Zeitung.
Diese Machtlosigkeit hat mich schon ein paar Mal echt hässig gemacht.
«Man fühlt sich so machtlos», sagt der damalige Inseldirektor Urs Birchler in einem Interview mit SRF 2014, als er auf die zahlreichen Mängel angesprochen wird. «Wir haben einen Geburtsfehler festgestellt und können einfach nichts machen, ausser mit viel Geld sanieren. Diese Machtlosigkeit hat mich schon ein paar Mal echt hässig gemacht.»
Über die Jahre wird immer klarer, dass es eine grundsätzliche Lösung für die Probleme der Frauenklinik braucht. Die Inselgruppe, die die Frauenklinik vom Kanton Bern nach der Eröffnung übernimmt, diskutiert verschiedene Möglichkeiten: vom Neubau über ein Provisorium bis hin zu einem Abriss.
Wir wollen mit diesem Entscheid definitiv einen Schlussstrich unter das unendliche Frauenspital-Debakel ziehen.
2017 entscheidet die Inselgruppe, dass das Gebäude saniert wird. Kostenpunkt: 100 Millionen Franken. «Wir wollen mit diesem Entscheid definitiv einen Schlussstrich unter das unendliche Frauenspital-Debakel ziehen», lässt sich die Inselgruppe bei SRF zitieren.
Im Jahr darauf zieht die ganze Frauenklinik in ein anderes Gebäude auf dem Inselareal um, und das Gebäude steht nach 16 Betriebsjahren wieder leer.
Während die Sanierung läuft, tritt ein neues Problem auf: Schimmelbefall. Dieser führt 2021 zu einem temporären Baustopp, da zuerst der Schimmelpilz weg muss. Das verteuert die ganze Sanierung – die Inselgruppe rechnet mit 187 Millionen Franken statt der ursprünglich geplanten 100 Millionen. Am Schluss sind es Gesamtkosten von 230 Millionen Franken.
Am Freitag wird die frisch sanierte Frauenklinik offiziell eingeweiht, gut drei Jahre später als geplant. Dafür in frischem Kleid und mit neuem Namen: Marie-Colinet-Haus. «Wir haben das Gebäude innen komplett entkernt und von Grund auf neu hergestellt», sagt Abel Müller-Hübenthal, Leiter Immobilien und Betrieb.
«Es ist erdbebensicher», sagt der Leiter Immobilien und Betrieb weiter. «Hier werden die höchsten Standards der Erdbebensicherheit an die Tragstruktur erfüllt.»
Im alten Gebäude hat Sichtbeton dominiert, nun sind die Decken weiss gestrichen, die Wände teilweise mit Holz bekleidet oder farbig gestrichen. «Wir haben die Rückmeldung der Patientinnen und Mitarbeitenden aufgenommen und versucht, mit viel Licht und schönen Farben die Aufenthaltsqualität im Gebäude zu verbessern», so Müller-Hübenthal.
Der Umzug der Patientinnen in die sanierte Frauenklinik ist im August 2026 geplant. Damit findet die lange Krankengeschichte der eigentlich noch recht jungen Frauenklinik in Bern ein Ende.