«Es gibt keinen offenen Rassismus in Fussballstadien mehr»

Kein Fussballspiel ohne Hitlergruss oder Hakenkreuz-Tatoo: Das war einmal. Heute sind Rechtsextreme in Fussballstadien kaum noch anzutreffen, wie Kenner der Fan-Szene sagen.

YB-Fans halten im Stadion ein grosses Transparent mit der Aufschrift «Gemeinsam gegen Rassismus». Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Die Berner Young Boys führen seit Jahren Aktionen gegen Fremdenfeindlichkeit im Fussball durch. Keystone

Am Samstag beginnt die Rückrunde der Fussball Super League. Dann werden in den Schweizer Stadien wieder Fangesänge angestimmt, rassistische Beschimpfungen allerdings erklingen nur noch selten.

Die Rechtsextremen seien zwar nicht komplett aus den Stadien verschwunden, aber sie hätten ihre «doch prägende Rolle» ganz klar eingebüsst, stellt Lukas Meier fest. Er ist Fan-Arbeiter bei YB und Schweizer Leiter von Fare, einem internationalen Netzwerk gegen Diskriminierung im Fussball. «Wir haben eine sehr positive Entwicklung: Es gibt keinen offenen Rassismus mehr.»

Weniger extreme Fussballfans

1:45 min, aus HeuteMorgen vom 06.02.2015

Mehr Frauen in Stadien

Die Fanarbeiter anderer Klubs, die Kantone und Beobachter der Szene bestätigen Meiers Aussagen. Was hat sich verändert seit den 1990er-Jahren, als Rechtsextreme noch im Stadion für ihre Gesinnung warben?

Grund seien tiefgreifende Umwälzungen im Fussballerlebnis, sagt Meier. «Die Spiele haben mehr Eventcharakter bekommen. Das Publikum ist viel durchmischter – es hat auch einen sehr viel höheren Frauenanteil.» Ganz allgemein habe es im Fussball unglaubliche Umwälzungen gegeben.

Zudem seien in den Mannschaften Spieler aus anderen Kulturen alltäglich geworden. Auch deshalb, sagt Meier, seien Fussballfans heute apolitischer als früher – wenn auch nicht unbedingt weniger gewalttätig. Gewaltausbrüche gehören immer noch zu vielen Spielen dazu, Fussball bleibt eine Herausforderung für Polizei und Fanarbeit.

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

  • Hooligans vereint mit Neonazis

    Aus 10vor10 vom 27.10.2014

    Unter dem Titel «Hooligans gegen Salafisten» haben gestern in Köln mindestens 4000 Personen gegen radikale Islamisten protestiert. Nun nutzen deutsche Rechtsradikale die Gunst der Stunde: Sie rufen ebenfalls zu Demonstrationen auf und erhalten so ungewohnt grossen Zulauf.

  • Hooligans: Mehr Polizei heisst nicht weniger Gewalt

    Aus Rendez-vous vom 18.9.2014

    Das Problem gewaltbereiter Fans ist erkannt; trotzdem will der Nationalrat keine Lockerung der Vorschriften für Fan-Transporte per Bahn oder Bus. Fliegende Flaschen, Petarden und lahmgelegte Züge - mehrmals pro Jahr liefern Fussball- oder Eishockeyfans Bilder der Zerstörung.

    Einige Massnahmen gegen gewalttätige Fans sind zwar in Kraft, aber längst nicht alle greifen. Eine Bilanz.

    Elisabeth Pestalozzi und Samuel Burri