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Fachleute sind besorgt Nur jede dritte Schwangere verzichtet auf Alkohol

Legende: Video Zwei Drittel aller Schwangeren trinken Alkohol abspielen. Laufzeit 01:00 Minuten.
Aus SRF News vom 07.09.2018.
  • Nur ein Drittel der schwangeren und stillenden Frauen folgen der Empfehlung des Bundesamtes für Gesundheit und verzichten ganz auf Alkohol, dokumentiert das neue Suchtmonitoring.
  • Neue Studien deuten darauf hin, dass auch moderates Trinken der Mutter für das ungeborene oder neugeborene Kind bedenklich sein kann.
  • Die Fachärzte für Gynäkologie sind derzeit dabei, mit Blick auf die Risiken von Alkohol eine neue Informationsstrategie für werdende und junge Mütter zu erarbeiten.

Während der Schwangerschaft und der Stillzeit trinken Frauen in der Schweiz deutlich weniger Alkohol als sonst. Allerdings ist nur jede dritte bereit, ganz auf den Alkohol zu verzichten – das zeigt das neue Suchtmonitoring von Sucht-Schweiz im Auftrag des Bundes.

«Höchstes Risiko für das Kind»

Nur ein Drittel der schwangeren und stillenden Frauen folgen der Empfehlung des Bundesamtes für Gesundheit und verzichten ganz auf Alkohol.

Fast jede sechste Frau trinkt mindestens einmal die Woche Alkohol und einige trinken viel zu viel, sagt Markus Meury, Mediensprecher von Sucht-Schweiz: «Es gibt etwa sechs Prozent der schwangeren und stillenden Frauen in der Schweiz, die mindestens einmal pro Monat vier oder mehr Gläser Alkohol bei einer Gelegenheit trinken. Das heisst: wirklich zu viel Alkohol trinken. Und das ist wahrscheinlich das höchste Risiko für das Kind.»

Es gibt keinen unbedenklichen Alkoholkonsum

Das jüngste Sucht-Monitoring basiert auf Befragungen aus den Jahren 2011 bis 2016. Bis vor wenigen Jahren galt moderates Trinken – also ein Glas Wein oder Bier mal hier, mal da – als unbedenklich für das ungeborene oder neugeborene Kind.

«Neuere Studien ziehen das aber in Zweifel», sagt Markus Meury von Sucht-Schweiz: «Heute geht man davon aus, dass etwa zwei Prozent aller Neugeborenen in der Schweiz mit Alkohol-bedingten Störungen zur Welt kommen.» Deshalb brauche es ein gesellschaftliches Umfeld, das die Frauen nicht noch zum Trinken ermuntere. Und: Ärztinnen und Ärzte müssten ihre Patientinnen besser aufklären über die Risiken.

Gynäkologen arbeiten an Empfehlungen

Thomas Eggimann, Gynäkologe und Generalsekretär der Fachgesellschaft für Gynäkologie sagt, tatsächlich seien sie jetzt daran, ihre Strategie zu überarbeiten: «Die Prävention soll auch da immer wichtiger werden. Aber im Moment gibt es zum Beispiel nicht irgendwelche Leitlinien, die wir irgendwo publiziert haben.»

Doch klar sei: jeder Alkoholkonsum könne dem Kind schaden. Das müssten die Ärztinnen und Ärzte auch so weitergeben. Gar kein Alkohol während der Schwangerschaft – an dieser Botschaft hält auch das Bundesamt für Gesundheit fest.

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14 Kommentare

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  • Kommentar von Beatrice Fiechter (thea)
    Die Dokumentation "Alkoholkinder, wenn Mütter in der Schwangerschaft Alkohol trinken"(WDR), gibt einen sehr kurzen ehrlichen Einblick in die Problematik des fetalen Alkoholsyndroms, die daraus resultierenden Schwierigkeiten in der Entwicklung und wie sich das ein Leben lang im Alltag auswirkt. Was ich nicht wusste: Der Alkohol gelangt über die Plazenta unter anderem ins Gehirn des Fötus und verbleibt dort als Gift bis zur Geburt, da er nicht abgebaut werden kann und schädigt dabei das Gehirn.
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  • Kommentar von Jürg Brauchli (Rondra)
    Kommt vermutlich oft vor, dass eine Frau im ersten Monat noch nicht weiss, dass sie schwanger ist. Wenn sie dann aber weitertrinkt etc ist das verantwortungslos und grobfahrlässig. Die eventuell entstehenden Kosten fallen dann wieder der Allgemeinheit anheim. Womit wir wieder beim Thema Eigenverantwortung wären.
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    1. Antwort von Albert Planta (Plal)
      Am Besten verzichtet man generell auf alkoholische Getränke. Die Gesundheit verdankt es uns
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  • Kommentar von Arthur Häberli (Arthur Häberli)
    Interessant wäre, wie Alkohol früh in der Schwangerschaft auf das Embryo wirkt. Vor allem wenn es die werdende Mutter noch gar nicht weiss, dass sie schwanger ist. Wenn die Schwangerschaft klar ist, sind eigentlich die Massnahmen bekannt. Der sich häufende Anblick von Männern und Frauen im öffentlichen Raum, mit einer entsprechenden Alu Büchse in der Hand, erschreckt mich seit einiger Zeit. Spitze des Eisbergs? Auch wegen dem Alu, aber primär der so selbstverständliche Umgang mit dem Inhalt.
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