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FDP Schweiz und Pierre Maudet (Fast) alles richtig gemacht – und doch verloren

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Vorstand der FDP Genf stimmt klar für Maudet-Ausschluss
Aus Tagesschau vom 06.07.2020.
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Politik ist eine Sache des Vertrauens. Wähler vertrauen den Kandidatinnen, die Stimmbürgerinnen den Parolen und den Argumenten, die Parteien ihren Mitgliedern. Und wie überall gilt auch in der Politik: Vertrauen aufbauen braucht Zeit und Geduld – Vertrauen verspielen geht ganz schnell.

Lange hat die FDP Genf ihrem Regierungsrat Pierre Maudet das Vertrauen ausgesprochen, auch als es in der Öffentlichkeit und auch bei der FDP Schweiz schon lange verbraucht war. Die Quittung in Form von massiven Verlusten kam bei den Nationalrats- und den Gemeindewahlen. Nun haben auch die Genfer reagiert – und haben Maudet aus der Partei ausgeschlossen. Warum sie so lange gebraucht haben, um zu diesem Schluss zu kommen, bleibt ihr Geheimnis.

Nationale Partei distanzierte sich schon früh

Im Gegensatz zur FDP Genf hat sich die FDP Schweiz schon recht früh und deutlich von Maudet distanziert. Bereits im November 2018 hatte der Parteivorstand Maudet einstimmig zum Rücktritt aufgefordert. FDP-Präsidentin Petra Gössi sprach damals von einem «Vertrauensbruch» durch Maudet.

Auch heute, nach dem Partei-Ausschluss von Maudet, kommentiert FDP-Präsidentin Gössi auf Anfrage von SRF unmissverständlich: «Pierre Maudet hat das Vertrauen der FDP Schweiz verloren (…). Die FDP hat sich mit viel Engagement dafür eingesetzt, zu zeigen, dass sie für die Schweiz und ihre Bewohner einsteht, und nicht für persönliche Bereicherungen. Diese Werte hat Pierre Maudet mit Füssen getreten. Er wird seiner Vorbildfunktion nicht gerecht.»

Vertrauensverlust auch für FDP Schweiz

Man kann festhalten: Die FDP Schweiz hat in der Causa Maudet fast alles richtig gemacht. Ausser, dass die Findungskommission, die Maudet 2017 zum Bundesrats-Kandidaten vorgeschlagen hatte, genauer hätte hinschauen sollen. Trotzdem steht sie als Verliererin da – ein Teil des Vertrauensverlustes durch Maudet bleibt an ihr hängen. So unschön das für die FDP ist, so ist es doch folgerichtig.

Man kann in der Politik die Parteien nicht von den Personen und nicht von den Argumenten trennen. Die FDP hatte lange davon profitiert, dass das «politische Wunderkind» Pierre Maudet hochgejubelt wurde. Jung und trotzdem schon mit vielen Erfahrungen, durchsetzungsstark und nahbar, kommunikativ begabt – das hatte auch auf die FDP abgefärbt.

Als Pierre Maudet dann seine politische Karriere zerstörte, hat er auch die FDP beschädigt. Besonders schwierig, auch kommunikativ, ist für die FDP, dass Maudet eine für die Partei zentrale und immer wieder zitierte Eigenschaft sträflich vermissen lässt: Eigenverantwortung.

Urs Leuthard

Urs Leuthard

Leiter TV-Bundeshausredaktion SRF

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Seit Sommer 2020 ist Urs Leuthard Leiter der Bundeshausredaktion von Fernsehen SRF. Bereits seit 2002 moderiert er das «Abstimmungsstudio» und analysiert Wahlen und Abstimmungen. Bis 2008 war er Moderator und Redaktionsleiter der «Arena», danach wechselte er zur «Rundschau», bevor er 2012 die Redaktionsleitung der «Tagesschau» übernahm. Ab 2016 leitete Urs Leuthard die Newsroom-Entwicklung beim Fernsehen SRF.

Tagesschau, 06.007.2020, 12:45 Uhr

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13 Kommentare

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  • Kommentar von Stefan Gisler  (Stefan Gisler)
    Die FDP ist schon lange nocht mehr glau würdig, weiss nicht wo sie steht oder stehen will. Zick zack und eine Präsidentin die sehr artogant rüber kommt.
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  • Kommentar von Ernesto Asher Meng  (Ashi Ernesto)
    Maudet hat alles falsch gemacht und mindestens 5 x zu viel gelogen. Schwach dass FDP Präs. Gössi sich nicht deutlicher distanziert hat.Die FDP Genf wird dies in den nächsten Wahlen deutlich spüren. Dass Maudet auch noch nach Parteiausschluss weiterkämpft ist zu befürchten. Aber zum Glück hat er keine Zukunft mehr als Politiker. Wie kann man so borniert sein.
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  • Kommentar von Helmut Lubbers  (ecoglobe)
    Ich wähle nicht FDP. Aber Pierre Maudet könnte ein Sündenbock sein, wegen einer kleinen Reise in die Golfstaaten. Es wäre eine Ablenkung von allen sonstigen, milliardenschweren Vorteilen und Manipulationen, welche die Herrschenden sich leisten. Die Schere zwischen arm und reich wird auch dadurch immer grösser.
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    1. Antwort von Daniel Bucher  (DE)
      Es war längst nicht nur die Reise in die Golfstaaten. So z.B. die gratis Geburtstagsparty. Wer einem Politiker eine gratis Geburtstagsfeier für 20'000 CHF ausrichtet erwartet Gegenleistungen. Das weiss jeder - auch Maudet und offensichtlich war es ihm das Wert. Zudem hat er versucht nachträglich ein Protokoll in seinem Sinne anzupassen. Das geht gar nicht. Ein Politiker ohne Moral und Skrupel.
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