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Legende: Audio Food Waste im Flugzeug: «Was möglich, versuchen wir zu recyceln» abspielen. Laufzeit 06:43 Minuten.
Aus Espresso vom 21.06.2019.
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Foodwaste im Flugzeug Was nicht schmeckt, wandert in den Abfall

Nicht allen Fluggästen schmeckt das Essen an Bord. Obwohl möglichst viel recycelt wird, muss viel verbrannt werden.

Mit einem schrillen Piepsen fährt der Highloader langsam in die Höhe, bis er vor der Cockpit-Türe angekommen ist. Davor hat der Mitarbeiter von Gategourmet den Lastwagen möglichst nahe am Swiss-Flugzeug parkiert. «Das ist der heikelste Moment in unserer täglichen Arbeit», sagt Samuel Schneeberger. Er ist Geschäftsführer von Gategourmet Zürich, welches zur international tätigen Gategroup gehört. «Bevor wir ans Flugzeug fahren, testen wir die Bremsen drei Mal. Wenn wir das Flugzeug beschädigen würden, käme das schnell sehr teuer.»

Im hinteren Teil des Swiss-Flugzeugs, in der Economy-Klasse, sind die Mitarbeitenden bereits daran, die sogenannten Trolleys auszutauschen: «Die Maschine ist vor einer Stunde aus Hongkong angekommen. Nun werden die Trolleys mit den Resten des Frühstücks herausgenommen und die mit dem Zmittag für die Passagiere nach Tel Aviv wieder eingeladen», erklärt Schneeberger.

Continental Breakfast ist nicht überall beliebt

Der Platz ist eng in der Bordküche. Trotzdem werfen wir einen Blick in einen Trolley: «Die haben gut gegessen», sagt Schneeberger, «das ist nicht immer so.» Denn die Flugverpflegung sei immer auch eine Gratwanderung: «Wir Schweizer essen gerne ein kaltes Frühstück mit Gipfel, Schinken, Käse oder einem Joghurt. Das Continental Breakfast mit Würstchen und Omeletten ist vielen zu mastig. Trotzdem müssen wir auch internationale Vorlieben berücksichtigen.»

Per Lastwagen werden die Essensreste ins Produktionsgebäude von Gategourmet transportiert. Auf einer Rampe laden die Mitarbeiter die Trolleys aus. Dabei werde so viel wie möglich recycelt, sagt Schneeberger: «Die Konfitüren-Gläsli, die abgepackten Apéronüssli oder ungeöffnete Flaschen können wir wiederverwenden. Den grössten Teil allerdings müssen wir entsorgen.» Das tue schon weh, findet Schneeberger, aber: «Wegen Seuchengefahr verbietet uns das Lebensmittelgesetz, die Lebensmittel an Bedürftige weiterzugeben.»

Raubvogel-Schreie gegen Spatzen

Damit sich keine Tiere an den Lebensmittelabfällen bedienen, werden sie in abgeschlossenen Containern gelagert. Zudem ertönen in unregelmässigen Abständen Schreie von Raubvögeln: «Damit versuchen wir Tauben, Spatzen oder Raben fern zu halten.»

Die Teller der First- und Businessclass und auch die Hartplastikschälchen aus der Economyclass werden abgewaschen und wiederverwendet. Ebenso das Besteck. «Die Schälchen sind zwei Stunden später schon wieder im Einsatz», sagt Schneeberger. Pro Tag produziert Gategourment in Zürich 50’000 Mahlzeiten.

In Zukunft werde die Verpflegung im Flugzeug individualisiert, ist Schneeberger überzeugt. Schon heute könnten Passagiere angeben, ob sie ein Menü ohne Kohlenhydrate oder ohne Rindfleisch möchten: «Das bringt für uns zwar mehr Aufwand, aber wenn die Reisenden das Essen gern haben, gibt es am Ende auch weniger Abfall.»

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9 Kommentare

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  • Kommentar von Tobias Vetter  (ToVe)
    Im Bereich Lebensmittelverschwendung ist der Anteil der Luftfahrt vermutlich tatsächlich verschwindend gering.
    Im Gegensatz zu einem anderen globalen Problem, wo die Luftfahrt ein signifikanter Faktor ist, dessen Einfluss von einigen Kreisen aber kleingeredet wird. (Ich denke, ich muss nicht erwähnen was Gemeint ist)
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    1. Antwort von Beat Reuteler  (br)
      Ja, aber es stimmt nicht, was Sie meinen. Der Einfluss dessen wird nicht kleingeredet, sondern er ist in der Tat kleiner als Sie meinen. Er ist bei uns in der CH viel höher als anderswo, weshalb es eher Sinn macht bei uns Massnahmen zu ergreifen. Aber global gesehen ist der Einfluss in der Tat gering.
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  • Kommentar von Ueli von Känel  (uvk)
    Wenn jemand ein Essen, das serviert wird, nicht erträgt, ja, dann wird es halt zurückgegeben. Aber die "Schnäderfrässigkeit" ist halt gar kein seltenes Phanomen. Natürlich: Im Flugzeug kann man nicht auslesen. Aber so schlecht ist das Essen in der Regel nicht. Noch erschreckender ist der Foodwaste in Selbstbedienungsrestaurants. Ein Beispiel: Jemand liest ein Menu aus: Fleisch, Kartoffelstock, Gemüse. Das Fleisch wird gegessen, der ganze Rest wird weggeschmissen. Beschämend, dekadent!
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    1. Antwort von August Meier  (And007)
      Ich stimme ihnen zu. Die Schuld liegt aber nicht immer bei den Kunden. In unserer Kantine werden wir diskret genötigt bestimmte Gemüsebeilagen mitzubestellen (man nennt das gerne nudging). Diese Nötigingen führen in ihrem Beispiel dazu, dass das völlig verkochte weiche Gemüse in den Abfall wandert.
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    2. Antwort von Roman Loser  (Jessica)
      Oh Wunder, ich darf Ihnen wiedermal zustimmen! Mich freuts!
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    3. Antwort von Beat Reuteler  (br)
      Leider hat die Qualität der Verpflegung in Flugzeugen drastisch abgenommen. Da ist es mir regelrecht egal, dass es auf innereuropäischen Flügen teilweise nur noch ein winziges Stück Quiche oder ein Sandwich gibt. Da es nicht besonders gut ist, bin ich echt froh, dass es nicht grösser ist. Sonst würe ich wohl auch einen Teil zurückgeben. Ich kann alle verstehen die es enttäuscht stehen lassen.
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  • Kommentar von Nicola Harrison  (Nicola Harrison)
    In den Spitäler etc. ist das nicht anders; die Menschen wissen leider nicht was gesund bzw. die Gesundheit ist und daraus entstehen unsere Krankheiten, die wieder mit der Symptombehandlung "bekämpft" werden. Dieser Hamsterrad dreht sich weiter und weiter - alles, damit die Menschheit "vorwärts" kommt?
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