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Das Fussball-Hilfspaket: Fluch oder Segen?
Aus Rundschau vom 27.05.2020.
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Fussball-Hilfspaket Nur FCB und FCZ sassen am Verhandlungstisch

Die meisten Clubs waren nicht dabei, als über die Fussball-Millionen des Bundes verhandelt wurde. Entsprechend heftig ist ihre Kritik.

Es musste schnell gehen. Mitte Mai verkündete Sportministerin Viola Amherd, dass sie den Fussballligen mit Darlehen von bis zu 200 Millionen Franken unter die Arme greifen will.

Ausgehandelt wurde das Hilfspaket zwischen dem Bund und der Swiss Football League über das Wochenende. Im kleinen Kreis. «Es ging zack, zack», sagt Liga-Präsident Heinrich Schifferle. «Wir hatten gar keine Gelegenheit, die Clubs zu informieren.»

Im Geschäftsleben läuft es manchmal anders, als man sich das in der Primarschule vorstellt.
Autor: Ancilla CanepaPräsident des FCZ

«Rundschau»-Recherchen zeigen: Bei den Verhandlungen waren nur der FC Basel und der FC Zürich mit von der Partie. Die anderen Clubs blieben aussen vor. «Sie können nicht mit 20 Personen in die Verhandlung gehen», begründet FCZ-Präsident Ancillo Canepa das Vorgehen. «Im Geschäftsleben läuft es halt manchmal anders, als man sich das in der Primarschule vorstellt.»

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Canepa: «Im Geschäftsleben läuft es anders»
Aus News-Clip vom 27.05.2020.
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Geld, das keiner will

Ist das Hilfspaket ein Schnellschuss? Eine Umfrage der «Rundschau» bei den 20 Clubs der Super League und der Challenge League zeigt: Stand heute will kein Club einen Coronakredit beantragen.

Der Grund: Die Gelder sind an Bedingungen geknüpft. Steuergelder gibt es etwa nur, wenn der Lohndurchschnitt der Clubs, die ein Darlehen aufnehmen, insgesamt um 20 Prozent sinkt.

Unterdurchschnittliche Löhne

Das ist für viele Clubs undenkbar. «Ein Grossteil der Löhne bei uns ist weit unter dem Durchschnittslohn der Schweizer Erwerbstätigen», sagt András Gurovits, Vizepräsident bei GC. «Wenn jemand zwischen 3000 und 3500 Franken verdient, kann ich nicht sagen, du verdienst jetzt nochmals 20 Prozent weniger.»

Wir haben eindeutig mehr Spieler, die am Existenzminimum leben, als Millionäre.
Autor: Andreas MösliGeschäftsführer des FC Winterthur

Ähnlich tönt es beim Kantonsrivalen FC Winterthur. Die Forderung nach einer Lohnsenkung sei reiner «Populismus», meint Geschäftsführer Andreas Mösli: «Es gibt das Klischee, dass alle Fussballer viel verdienen würden. Doch wir haben eindeutig mehr Spieler, die am Existenzminimum leben, als Millionäre.»

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Gurovits: «Viele Löhne bei uns sind unterdurchschnittlich»
Aus News-Clip vom 27.05.2020.
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Auch in der Schweiz gibt es sie, die Spitzenverdiener – etwa bei Meister YB oder dem FC Basel. Doch sie bilden die Ausnahme. Der Durchschnittslohn in der Super League beträgt 13'900 Franken im Monat – in der Challenge League kommen die Fussballer im Schnitt auf 3800 Franken.

Schuldenfalle statt Befreiungsschlag

Nicht nur die Löhne bereiten den Clubs Bauchschmerzen. Auch die im Hilfspaket festgehaltene Solidarhaftung schreckt viele ab. Kann ein Club ein Darlehen nicht zurückzahlen, haften die anderen gemäss ihrem Umsatzanteil für die Schulden. Ein Schreckensszenario für viele.

«Ich weiss nicht, wie die anderen Vereine wirtschaften», sagt Winterthur-Chef Mösli. «Dennoch muss ich für etwas haften, das ich nicht beeinflussen kann. Ich finde das rechtlich gesehen, aber auch von der Fairness her eine komische Bedingung», sagt er.

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Mösli: «Eine rechtlich etwas komische Bedingung»
Aus News-Clip vom 27.05.2020.
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Und was meinen die Clubs, die bei der Entstehung des Deals dabei waren? Der FC Basel lässt ausrichten, er empfinde das Paket der Behörden als «zielführend und weitsichtig». FCZ-Chef Canepa spricht von einer wertvollen «Anerkennung für den Spitzensport». Allerdings müsse man bei den umstrittenen Punkten noch «nachverhandeln». Viel Zeit bleibt auch diesmal nicht.

Rundschau vom 27.5.2020, 20.05 Uhr

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4 Kommentare

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  • Kommentar von Rolf Wysshaar  (Seeländer)
    Das ganze Paket ist deutsch gesagt, Schwachsinn. Für jeden Club einzeln schauen, dafür gehen im Falle einer Pleite die Transfererlöse der Spieler an den Bund. Es geht ja bei den Clubs nicht um zig-Millionen. So kann jeder Club einzeln entscheiden, ob ers wirklich will und braucht.
  • Kommentar von Hans Anreiner  (Hans.Anreiner)
    Ich empfinde es auch so wie 95% der Clubs, dass dies wohl nur eine Schuldenfalle ist. Ich kann wirklich nicht verstehen, wie man auf eine solche Lösung kommt und von Fairness keine Spur. Das ganze Coronazeugs und die Lösungen vom Bund finde ich grösstenteils sehr fragwürdig. Mir ist bewusst, dass das Steuergelder sind die da eingesetzt werden, darum wirklich vorsichtig sein. Ich kann einfach nicht ausblenden, dass der Bund dies alles veranlasst hat und die meisten einfach nichts dafür können.
    1. Antwort von Daniel Flückiger  (Daniel Flückiger)
      Der Bund hat das Coronavirus veranlasst? Nicht ihr Ernst, oder? Der Bund hat höchstens veranlasst, dass wir nicht in eine Katastrophe wie Italien, Spanien, GB oder New York (lesen Sie dazu das letzte Magazin des Tagesanzeigers - aber zuerst hinsetzen!) rutschten. Dort sind die wirtschaftlichen Schäden nicht kleiner - aber die gesundheitlichen grösser.
    2. Antwort von Hans Anreiner  (Hans.Anreiner)
      Was hat der Bund Herr Flückiger? Sie leiern in jedem Thema die gleiche Story runter. Mein Post hat sich auf die Story bezogen und mit "dies" meint man die Lösungen danach. Und damit muss man wohl nicht zufrieden sein. Haut auch überhaupt rein gar nichts mit anderen Ländern wie sie schreiben zu tun, sondern das ist eine rein interne schweizerische Lösung mit den Krediten im Fussball. Und die Clubs können nun wirklich nichts für Corona. Es ist auch keine Disk. Wirtschaft vs. Gesundheit.