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Anwohner über Bewertungen: «Gleichbehandlung: das gibt es nicht.»
Aus Regionaljournal Bern Freiburg Wallis vom 14.05.2021.
abspielen. Laufzeit 10:08 Minuten.
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Gefahr durch Munitionslager Werden die Liegenschaften in Mitholz fair bewertet?

Die Einwohner werden entschädigt, weil sie Mitholz verlassen müssen. Ihre Häuser fair zu bewerten, ist aber schwierig.

Verena und Peter Zumkehr haben ihr Haus in Mitholz 1970 gebaut. Aus ihrem Haus wurde ein Zuhause: «Es ist ein vertrautes Stück Umgebung», sagt der Rentner mit dem weissen Schnauz, der bald 80 Jahre alt wird. «Es wurde mit uns älter», ergänzt seine Frau. Ihr Haus wird wie jedes andere in Mitholz derzeit bewertet.

Die Mitholzerinnen und Mitholzer müssen aus Sicherheitsgründen das Dorf für Jahre verlassen. Grund: Vom ehemaligen Munitionslager im Fels geht weiterhin Gefahr aus. Deshalb will es der Bund räumen lassen und evakuiert die Bewohner.

Haus Mitholz
Legende: Die Zumkehrs müssen ihr Haus wegen der Sanierung des Munitionsdepots in Mitholz verlassen. Matthias Baumer/SRF

Das Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport VBS will in vier Etappen bis Ende Jahr alle betroffenen Häuser durch Experten schätzen lassen. Damit sich die Betroffenen mit dem Geld an einem anderen Ort eine neue Existenz aufbauen können, legt das VBS eine Entschädigung fest.

Einheitliche Bewertung

Die Bewertungen der Liegenschaften führen die unabhängigen Experten nach einem festgelegten Prozess durch. Ein «Schätzerhandbuch» dient als Leitfaden. Damit sollen die Häuser und Höfe in Mitholz möglichst einheitlich bewertet werden.

Das ist aber nur ein Teil, sagt Bruno Locher, Chef Raum und Umwelt beim VBS. Um den Verlust der Liegenschaft zu ersetzen, ist ein «individueller, zusätzlicher finanzieller Teil» vorgesehen. Dabei darf das VBS jedoch keine Fantasiepreise bezahlen, denn zahlt das VBS zu viel für Ersatzlösungen, könnte das den Druck auf den gesamten Wohnungs- und Häusermarkt in der Region erhöhen. «Wir werden gezwungen sein, realistische Preise für den Ersatz zu bezahlen», so Locher.

Experten aus der Liegenschaftsbranche sind jedoch überzeugt, dass die Preise in der Region steigen werden, weil viele Mitholzerinnen und Mitholzer eine neue Bleibe suchen müssen.

Wir können dem ideellen Wert nicht Rechnung tragen.
Autor: Bruno LocherChef Raum und Umwelt VBS

Was sich aber gemäss Bruno Locher nicht entschädigen lässt, sei der ideelle Wert der Häuser. Die betroffenen Menschen leben zum Teil seit Jahrzehnten dort. Sie haben die Häuser selbst gebaut, oder es sind die Häuser ihrer Eltern, Grosseltern. Für die Verbundenheit mit dem eigenen Heim gibt es kein Geld. «Das kann man nicht in Geld ausdrücken. Wir können dem ideellen Wert nicht Rechnung tragen», so Locher.

Jeder Fall ein Einzelfall

Alle Menschen könnten aber nicht gleich behandelt werden, ist Anwohner Peter Zumkehr überzeugt. «Gleichbehandlung: ich will dieses Wort nicht hören, denn das gibt es nicht», sagt der Rentner. Eine Gleichbehandlung wäre für Zumkehr wohl nur gegeben, wenn die Häuser an einem neuen Ort genau gleich wiederaufgebaut werden könnten. Doch das ist unmöglich.

Wir werden diskret sein. Aber das gibt Raum für Spekulationen.
Autor: Bruno LocherVBS

Es wird für jeden einzelnen Fall eine eigene Lösung brauchen. Und die Mitholzer und Mitholzerinnen werden vergleichen. «Das ist eine weitere Schwierigkeit,» sagt Bruno Locher, «wir werden nie veröffentlichen, was jemand für seine Lösung erhält. Wir werden diskret sein. Aber das gibt Raum für Spekulationen und Gerüchte.» Das VBS wird dies hinnehmen müssen. «Wir wissen nicht, was unter den Menschen geredet wird – ob jemand eine Ersatzlösung fair findet oder nicht.»

Was ist eine faire Lösung?

Aus Sicht der Betroffenen kann ein fairer Ersatz nur einer sein, der dem Gefühl von «daheim sein» möglichst Rechnung trägt. Doch reicht dafür die Entschädigung des VBS? Peter Zumkehr zumindest bezweifelt das. «Wir müssten das Doppelte von dem haben, was der Wert der Bewertung unseres Hauses ergeben hat.» Nur dann könnten er und seine Frau sich etwas Vergleichbares in der Region leisten.

Regionaljournal Bern Freiburg Wallis, 14.06.2021, 06:31/17.30 Uhr

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7 Kommentare

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  • Kommentar von Martin J. Pérez  (MJP)
    Schlafende Drachen soll man nicht wecken!
    Warum sollte nach so langer Zeit noch etwas passieren, wenn man das ganze unberührt lässt? Die verbleibende Munition ja hat nicht einmal mit der damaligen Explosion reagiert. Sollte wieder etwas passieren dann doch wohl dann, wenn man daran herumhantiert. Deshalb sollte man die Finger davon lassen.
    Gerade weil man Erinnerungen und Heimat nicht entschädigen kann. sollte man aber zumindest einen fairen Marktpreis zahlen satt seltsamer Schätzungen.
  • Kommentar von Ueli von Känel  (uvk)
    Die Entschädigung für die Gebäude muss hoch sein plus Schmerzensgeld. Letzteres würde darauf hinweisen, dass das Reduit wohl kaum Sinn gemacht hätte; denn was hätte man mit Frauen und Kindern im ganzen Mittelland und den Städten gemacht? Dem Feind ausgeliefert? Es war ein zu militaristisches Ziel.
    1. Antwort von Martin J. Pérez  (MJP)
      @von Känel: Was hat das eine mit dem anderen zu tun? Nichts.

      Für die Gebäude muss ein angemessener Betrag evtl. auch eine Genugtuung bezahlt werden, soweit stimme ich Ihnen zu.

      Was Sie da aber bezüglich der Reduit-Strategie äussern ist ziemlicher Konsense und Sie sollten sich vielleicht erst näher mit der Strategie auseinandersetzen.
      Weder wäre das Mittelland oder der Jura aufgegeben worden, noch kann man behaupten ein Unfall in einem Mun. Depot sei teil irgendeiner Strategie.
  • Kommentar von Thomas Trefzer  (ttre)
    Das Eine ist der ideelle Wert, das andere der Bodenpreis der enorme Preissteigerungen erlebt hat und als drittes die Baukosten und die sind in den letzten 20 Jahren wohl eher gesunken. Denke da wird wohl mehr als ein Prozess geführt werden ;-).