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Neue 5G-Richtlinien: Kritiker bemängeln Messmethode
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Gefahr oder Fortschritt? Neue 5G-Richtlinien: Kritiker bemängeln Messmethode

Gegner kritisieren: Grenzwerte für 5G-Antennen werden gelockert, die Strahlenbelastung kann aber nicht gemessen werden.

5G weckt Widerstand. Mehrmals wurden Antennen angezündet, Gegner demonstrieren, erheben Einspruch. Grund dafür sind eine neue Mobilfunktechnologie und neue Antennen.

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Der Unterschied zwischen konventionellen und adaptiven Antennen
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Zwei Typen von Antennen

Bis jetzt gab es für 2G bis 5G passive Antennen: Sie strahlen Funksignale permanent – wie ein Scheinwerfer.

Für das 5G-Netz gibt es neu adaptive Antennen. Sie senden Funksignale nicht mehr konstant in eine Richtung. Stattdessen zielen sie die Strahlung tendenziell in die Richtung, wo sich das verbundene Gerät befindet. Wer neben einer Antenne wohnt oder arbeitet, ist dieser Strahlung ausgesetzt.

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Archiv: Bundesrätin Simonetta Sommaruga in der Tagesschau vom 23.02.2021.
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Lange fehlte die Grundlage, welcher Grenzwert für adaptive Antennen gilt und wie gemessen werden soll. Im Februar präsentierte Simonetta Sommaruga Vollzugshilfen für Gemeinden und Kantone. Damit herrsche Klarheit. «Es ist wichtig, dass wir den Schutz der Bevölkerung vor Strahlung sicherstellen können. Deshalb wurden die Grenzwerte nicht erhöht.»

«Das ist ein Buebetrickli»

«Die Grenzwerte werden mit der Vollzugshilfe an Orten mit empfindlicher Nutzung wie Wohnungen nur noch pro forma eingehalten», kritisiert Rebekka Meier, Präsidentin des Vereins «Schutz vor Strahlung». Der Schwachpunkt sei: Über kurze Zeit dürfen die Antennen stärker strahlen. Was gilt, ist der Durchschnittswert über sechs Minuten. «Es kann sein, dass der Grenzwert überschritten wird, dass man neu statt 6 V/m bis zu 19 V/m in der Wohnung hat. Das ist ein ‹Buebetrickli› um den Grenzwert zu erhöhen.»

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So wird gemessen
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Kritiker betrachten Messmethode als unseriös

Bevor Telecom-Anbieter eine Antenne bauen oder aufrüsten, müssen sie aufzeigen, wie stark sie strahlen wird. Erst dann darf die Antenne in Betrieb gehen. Anschliessend haben Mobilfunkbetreiber drei Monate Zeit, über eine unabhängige Messfirma die Strahlung zu messen.

«Das Signal von adaptiven Antennen sendet unregelmässig, darum müssen wir einen Kanal messen, der konstant sendet, so können wir eine Verbindung herstellen zwischen einem Messwert und der Emissionsleistung», erklärt Romain Jaques, Messtechnik-Verantwortlicher der Firma Enkom, die Messmethode: Das heisst, die tatsächliche Gesamtstrahlung wird nicht gemessen, sondern dieser konstante Kanal mit Hilfe von Angaben von Mobilfunkfirma und Antennen-Hersteller hochgerechnet.

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Rebekka Meier, Verein Schutz vor Strahlung: «Das Messen funktioniert nicht und das Ausrechnen ist praktisch unmöglich, weil man sich auf Betreiberangaben abstützen kann.»
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Diese Messmethode sei unseriös, sagt Rebekka Meier vom Verein «Schutz vor Strahlung». Vor allem, weil bei adaptiven Antennen die effektive Strahlung nicht gemessen werden könne. Zudem sei es möglich, dass Mobilfunkbetreiber die Sendeleistung verändern: «Bei einer 5G-Antenne kann es sein, dass bei einer Messung vor Ort keine Strahlung da ist. Dann rechnet man aus, wie hoch die Strahlung bei maximaler Leistung wäre», sagt Meier. «Dazu braucht man Angaben des Betreibers – ob die stimmen, ist unklar.»

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Paul Steffen, Bundesamt für Umwelt: «Insgesamt schützen wir so die Bevölkerung stärker vor negativen Strahlen.»
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Paul Steffen, Vizedirektor des Bundesamtes für Umwelt, bestreitet, dass der Grenzwert erhöht oder aufgeweicht werde. Mit einer 5G-Antenne nehme die Strahlenbelastung eher ab. «Die Mobilfunk-Antennen erhalten eine automatische Leistungsbegrenzung. Das ist ein System, welches sicherstellt, dass die Gesundheit nie gefährdet werden kann.»

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Studiogespräch mit Paul Steffen vom Bundesamt für Umwelt
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Kassensturz, 25.05.2021, 21:05 Uhr

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80 Kommentare

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  • Kommentar von Robert Schaller  (Bob Noise)
    Als ehemaliger Funkmesstechniker bin ich der Meinung, dass durchaus reale Messungen möglich sind. Eine breitbandige Erfassung aller 5G-Kanäle über einen längeren Zeitraum wo die meisten Handybenutzungen stattfinden, mit Zählfunktion. Aber auch diese Messung müsste man mind. einmal im Jahr neu machen, da die Anzahl der 5G-Anwender aufgrund der Einführung noch MASSIV zunehmen wird.
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    1. Antwort von Daniel Barrer  (Daniel Barrer)
      Welches Messgerät könnte denn die Millisekunden-lange "Verweildauer" überhaupt erfassen? Wie soll die Strahlung bei wenig genutzten Antennenanlagen gemessen werden, wenn nur der Signalisierungs-Beam (SS/PBCH) gemessen werden kann und mit den von der Mobilfunkbetreiberin angegebenen Daten(!) die theoretisch mögliche Strahlungsleistung berechnet wird?
      Da stellt sich doch die Frage, wieso das im Strassenverkehr nicht auch so gehandhabt wird: Weil es mehr als 3 Beteiligte sind?
  • Kommentar von Robert Schaller  (Bob Noise)
    Die Frage wäre dann auch noch, welche Faktoren diese "Hochrechnung" verwendet. Zur Zeit arbeiten die meisten Geräte noch mit 4G, aber das wird sich ändern. Eine Mittelwertberechnung die heute stimmt, dürfte in einem Jahr schon völlig daneben liegen. Eine regelmässige Anpassung wäre nötig.
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  • Kommentar von Nicole Zemp  (NicoleZemp)
    Wozu brauchen wir denn eigentlich immer mehr Digitalisierung? Damit wir in Zukunft keine Bauern und Ärzte mehr brauchen, weil dann Roboter diese Jobs übernehmen? Damit wir uns überall noch mehr und noch schneller Videos reinziehen können etc.? Macht denn das wirklich glücklicher? Sollten wir uns nicht eher fragen, was uns Menschen denn WIRKLICH glücklich und zufrieden macht, und alles daran setzen, uns dahingehend zu entwickeln? Anscheinend nicht, denn leider regiert noch immer Geld die Welt...
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    1. Antwort von Martin Tschanz  (tinu83)
      Das Problem ist ja nicht die Digitalisierung an sich, sondern der Wandel und die dafür notwendige Zeit. Z.B. automatisierte, digitalisierte Kreditoren-/Debitorenbuchhaltung: Die schnelle Verarbeitung und die geringen Kosten sind eine wahre Erleichterung für Unternehmen. Die seit 20 Jahren dafür zuständige Person muss sich neu orientieren, was auf den ersten Blick zermürbend ist. Aber es entstehen neue Berufe mit neuen Aufgaben, wenn auch nur Schritt für Schritt.