Es war ein Debakel mit Ansage. Schon lange vor der Debatte im Parlament war klar: Links-grün wird das Vorhaben nicht unterstützen. Wegen der hauchdünnen Mehrheit von einer Stimme würde das Projekt einer neuen Leichtathletik-Halle abgelehnt werden. Kurz vor der entscheidenden Debatte im Stadtparlament zog der zuständige Stadtrat deshalb das ganze Geschäft zurück. Wie es jetzt weitergeht, ist unklar. Eine schnelle Lösung dürfte es aber nicht geben.
SP, Grüne und Alternative Liste (AL) sprachen sich bereits im Vorfeld dagegen aus, dass die Stadt zwar viel Geld investiere, aber nichts zu sagen habe. Die Stadt hätte ihrer Meinung nach wenn schon das ganze Projekt, also 21 Millionen Franken bezahlen sollen, anstatt einen Drittel von sieben Millionen.
Streit um Verantwortung für das Scheitern
Der Rückzug des Geschäfts war für den zuständigen Stadtrat Filippo Leutenegger (FDP) deshalb alternativlos: «Das wären unglaubliche zusätzliche Kosten für die Stadt.» Für die Rückweisung durch die links-grünen Parteien fand er deutliche Worte: «Es ist eine Desavouierung derer, die jetzt mitgemacht haben: den Leichtathletik-Club Zürich und den Kanton.» Abgesehen davon, dass es jetzt keine neue Indoor-Trainingsmöglichkeit gibt, hat der Rückzug weitere Konsequenzen: Drei Jahre Planung und eine halbe Million Franken sind verloren.
Obwohl das Geschäft von der Traktandenliste gestrichen war, entspann sich im Stadtparlament eine sehr emotionale Debatte. AL und Grüne wehrten sich dagegen, für den Scherbenhaufen verantwortlich zu sein. «Wir haben nicht gesagt, man soll das nicht bauen. Wir haben einfach gesagt: nicht in dieser Konstruktion», kritisierte Sophie Blaser von der AL. Für sie wäre zentral gewesen, dass auch andere Sportarten wie Volleyball berücksichtig worden wären. Damit die breite Bevölkerung auch einen Nutzen gehabt hätte.
Wir haben nicht gesagt, man soll das nicht bauen.
Die Grünen fühlten sich ebenfalls missverstanden. Es werde so dargestellt, als ob der Leichtathletik-Club Zürich ein böser Privatinvestor sei. Dem sei nicht so. Das vorliegende Projekt sei einfach nicht die bestmögliche Lösung. «Das Projekt ist nicht ausgereift», meinte Gemeinderat Urs Riklin. Die SP, als grösste Partei im Parlament, die das Projekt ebenfalls ablehnte, äusserte sich nicht mehr zum Geschäft.
Heftig fielen dafür die Voten der bürgerlichen Parteien aus. Stefan Urech von der SVP sprach von einem grossen politischen Debakel: «Es ist für mich ein Tiefpunkt dieser Legislatur, dass wir so abschliessen müssen.» Die Ratslinke zwinge den Stadtrat praktisch dazu, das Geschäft zurückzuziehen.
Yasmine Bourgeois von der FDP warf der links-grünen Mehrheit vor, ein Sportprojekt zu verhindern. «Sie haben es so lange mit Forderungen traktiert, bis der Stadtrat die Reissleine ziehen musste.» Das könne sie ihm nicht verübeln. Denn wer wolle ein Projekt, das zum aufgeblasenen Steuerzahler-Projekt mutiere.
Es ist für mich ein Tiefpunkt dieser Legislatur.
Am Schluss bleiben ein Scherbenhaufen und ein enttäuschter Leichtathletik-Club. Es sei sehr schade, sagt dessen Präsident Martin Nyfeler: «Wir haben viel Herzblut investiert.» Er wolle die Hoffnung aber nicht aufgeben: «Wir hoffen, dass wir das Projekt trotzdem noch umsetzen können. » Und er wünscht sich, das Zieldatum möge nicht in einer absurd fernen Zukunft liegen.