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Gesundheitskosten senken Der Bundesrat bläst zum Angriff auf Generika-Preise

Der Bundesrat stellt ein neues Massnahmenpaket zur Diskussion. Er setzt den Hebel unter anderem bei den Medikamentenpreisen an.

Darum geht es: Das Kostenwachstum im Gesundheitswesen ist Bundespräsident Alain Berset ein Dorn im Auge. Heute hat er ein Massnahmenpaket vorgestellt, das diese Kosten dämpfen soll.

Die wichtigsten Punkte: Es soll ein Referenzpreissystem mit einem Maximalpreis für Medikamente, deren Patente abgelaufen sind – also hauptsächlich für Generika – eingeführt werden. Demnach würde bei teureren Medikamenten nur noch der Referenzpreis von der Krankenkasse vergütet.

Einschätzung von Bundeshauskorrespondent Christoph Nufer

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Bild von Christoph Nufer
Legende:srf

Die von Bundesrat Berset beschlossenen Änderungen seien enttäuschend, mutlos und gingen zu wenig weit. Das sagen Konsumentenorganisationen aber auch Gesundheitsökonom Heinz Locher, der an dem Bericht des Bundesrates letztes Jahr mitgearbeitet hat. Ist das wirklich so?

Man muss Bundesrat Berset zugute halten: Senkt er jetzt die Generikapreise, sinken auch die Gesundheitskosten. Aber kommen diese Massnahmen nicht um Jahre zu spät? Und das wirklich heisse Eisen hat Berset heute nicht angefasst: Einen Kostendeckel einzuführen, um die Kostenspirale im Gesundheitswesen zu stoppen. Ob Berset überhaupt je damit kommen wird, ist ungewiss. Er überlässt dieses heisse Eisen vielmehr dem Wahlkampf im Herbst. Dafür will die CVP nächstes Jahr mit ihrer Initiative «Kostenbremse im Gesundheitswesen» bei den Wählern punkten.

Weiter soll ein Experimentierartikel eingeführt werden, der es erlaubt, auch ausserhalb des geltenden Krankenversicherungsgesetzes kostendämpfende Pilotprojekte durchzuführen. So könnten zum Beispiel Spitäler bei der Finanzierung stationärer und ambulanter Leistungen versuchsweise neue Wegen gehen. Um Tarifblockaden wie aktuell beim Ärztetarifsystem Tarmed zu verhindern, soll eine nationale Tariforganisation ins Leben gerufen werden. Ferner sollen Versicherte von Leistungserbringern Rechnungskopien erhalten. Das ermögliche eine genauere Kontrolle und fördere die Transparenz.

Die finanziellen Auswirkungen: Das Ziel der vorgeschlagenen Massnahmen ist, die Entwicklung der Kosten für Leistungen zu Lasten der obligatorischen Krankenpflegeversicherung einzudämmen und den Prämienanstieg zu begrenzen. Einsparungen von mehreren 100 Millionen Franken pro Jahr seien damit möglich – sofern tatsächlich alle Akteure mitziehen.

Generika sind in der Schweiz bis zu zweimal teurer als in Nachbarländern mit ähnlichen Gesundheitssystemen.
Autor: Alain BersetGesundheitsminister

«Das ist viel», gibt Berset vor den Medien in Bern zu. Aber insbesondere bei den Medikamentenpreisen gebe es noch viel Potential. Generika seien in der Schweiz laut einem Bericht bis zu zweimal teurer als in Nachbarländern mit ähnlichen Gesundheitssystemen. «Das ist nicht einfach zu erklären.»

Die Reaktionen der Beteiligten: Das sieht der Präsident des Pharmaverbands Intergenerika ganz anders. Das Billigste sei nicht automatisch auch das Beste für den Patienten, argumentiert Thomas De Courten. Der Präsident des Pharmaverbandes Intergenerika warnt vor einer Verringerung der Versorgungssicherheit. Überdies hätten viele Generika ihr Kostensenkungs-Potential bereits ausgeschöpft.

Demgegenüber ist der Preisüberwacher Stefan Meierhans überzeugt von einem beachtlichen Sparpotential. Würde ein Referenzpreis-System eingeführt, ist Meierhans überzeugt, liessen sich pro Jahr bis zu 300 Millionen Franken einsparen. In das gleiche Horn stösst Verena Nold. Die Direktorin des Krankenkassenverbands Santé Suisse weist auf den direkten Einfluss von Medikamentenpreisen auf die Prämienkalkulationen der Kassen hin. «Wenn die Medikamenten-Preise sinken, dann sinken letztlich auch die Krankenkassen-Prämien», sagte sie zu SRF Tagesschau.

Die nächsten Schritte: Die Vernehmlassung für das erste von zwei Massnahmenpaketen dauert bis zum 14. Dezember 2018. Der Bundesrat wird bis spätestens Ende 2019 ein zweites Massnahmenpaket in die Vernehmlassung schicken. Dieses soll laut Aussage Bersets auch einen Kostendeckel für das Gesundheitswesen beinhalten. Eine internationale Expertengruppe hatte einen solchen vorgeschlagen. Er ist aber umstritten.

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20 Kommentare

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  • Kommentar von Pierre KOHLER (PiKohler)
    Billige sozialistische Show - Berset hackt auf der Pharmaindustrie und den Apothekern herum anstatt die wirklich grossen Kosten anzugehen. So wie es jetzt ist hat niemand ein Interesse an geringeren Kosten - ausser den jungen Gesunden i.e. vor Allem jungen Männern. Mehr Markt und Selbstverantwortung, keine Verrechnung von Bagatellfällen und von dubiosen Heilmethoden würde mehr bringen. Aber das kostet Stimmen weil so viele vom System profitieren.
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  • Kommentar von marlene Zelger (Marlene Zelger)
    Ein wihti8ger Grund des übermässig teuren Gesundheitswesens sind die horrenden Arzthonorare: Spezialärzte, Chirurgen etc. Das zeigt, dass den Ärzten - mit wenigen Ausnahmen - heute nicht mehr das Wohl der Patienten, sondern nur noch das Wohl ihres Kontos am Herze liegt. Wieso gibt es immer weniger Hausärzte, die beispielsweise in den hintersten Tälern ihre Patienten betreuen, wie dies früher noch selbstverständlich war?
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  • Kommentar von Bruno Hochuli (Bruno Hochuli)
    Unbedingt die total überteuerten Generikas den Preisen im Ausland anpassen. Herr De Courten erzählt einen totalen Schwachsinn, dass die Generika im Ausland weniger gut und die Sicherheit zu wünschen übrig lasse. Die Herren wollen nur hohe zweistellige Renditen erwirtschaften. Es braucht Mut Herr Berset und durch Setzungswillen. Packen sie es endlich an.
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