Zum Inhalt springen

Header

Audio
Wie reagieren Schweizer Trump-Fans?
Aus Echo der Zeit vom 07.01.2021.
abspielen. Laufzeit 04:41 Minuten.
Inhalt

Gewalteskalation in Washington Schweizer Trump-Fans in Erklärungsnot

Kritik ja, Bruch nein: Trump-Fans innerhalb der SVP hadern mit dessen undemokratischem Gebaren – und sehen auch Gutes.

Nationalrat Franz Grüter war einer der ersten SVP-Exponenten, der sich öffentlich als Trump-Unterstützer outete. Das war noch bevor Donald Trump im Jahr 2016 gewählt wurde. Heute sagt Nationalrat Grüter: Trumps Politik sei das eine, nun gehe es aber um die Akzeptanz eines demokratischen Entscheides. «Jeder, der im Herz Demokrat ist, kann ein solches Verhalten nicht gutheissen.»

Dass Trump die demokratischen Institutionen in Frage stellt, ist aber nicht erst seit gestern klar. Hätten sich also nicht auch Trump-Fans in der SVP schon früher von ihm distanzieren müssen?

Ich verurteile seinen Narzissmus, seine Lügen, seine Twitter-Sprüche. Aber er hat viel für die USA getan und nicht allzu viel falsch gemacht.
Autor: Andreas GlarnerNationalrat (SVP/AG)

«Nein», sagt Andreas Glarner. Die Medien hätten vier Jahre auf Trump eingedroschen und nie verwinden können, dass er überhaupt gewählt worden sei. «Ich verurteile seinen Narzissmus, seine Lügen, seine Twitter-Sprüche. Aber er hat viel für die USA getan und nicht allzu viel falsch gemacht.»

Und schliesslich Nationalrat und Weltwoche-Verleger Roger Köppel, der wohl lauteste Trump-Fan in der SVP. Er stellte auch verschiedentlich die Gewaltbereitschaft der Trump-Anhänger in Frage.

«Tohuwabohu» bei den US-Wahlen

Aber – und hier geht er weiter als Grüter und Glarner: Köppel verbreitet gleich wie Trump weiterhin die unbelegte Behauptung, dass es bei den Wahlen zu Wahlbetrug gekommen sei. Dies, wenn er sagt: Unbestritten habe es in den Vereinigten Staaten Irregularitäten, ein «Tohuwabohu», gegeben.

Das werde in hiesigen Medien überhaupt nicht zur Kenntnis genommen, so Köppel. Aber: «Wenn die Richter zu einem Schluss kommen und der Rechtsstaat gesprochen hat, dann musst du das auch einmal akzeptieren.»

Trump im Januar 2020 am WEF in Davos.
Legende: Donald Trump hat auch in der Schweiz Anhängerinnen und Anhänger. Innerhalb der SVP etwa fanden seine Politik oder er als Politiker vereinzelt Unterstützung. Im Bild: Trump im Januar 2020 am WEF in Davos. Keystone

Trotz Kritik sind die Trump-Fans in der SVP zum definitiven Bruch mit Trump nicht bereit, sei es aus politisch-ideologischen Gründen, oder auch weil sie dessen Narrativ des Wahlbetrugs weiter pflegen.

Der Sturm auf das Kapitol war ein politisches Grossereignis mit globaler Wirkung. Zwei zentrale Pfeiler der Demokratie wurden angegriffen.
Autor: Damir SkenderovicHistoriker an der Universität Freiburg

Für Damir Skenderovic, Historiker und Populismus-Spezialist an der Uni Freiburg, ist dies nicht überraschend. In den letzten Jahren hätten sich rechtspopulistische Parteien, inklusive der SVP, immer wieder auf den Wandel der US-Republikaner zu einem populistischen Stil bezogen.

So hat die Weltwoche vor drei Jahren etwa den früheren Chefstrategen von Trump Steve Bannon nach Zürich eingeladen. Da sei klar geworden, dass sich die SVP und Trump gegenseitig inspirierten.

Christoph Blocher 2009 bei einer Rede
Legende: In Zürich bezeichnete Bannon Christoph Blocher etwa für dessen politisches Engagement in den 90er- und Nuller-Jahren als «Trump before Trump». Keystone

Doch mit dem Sturm auf das Kapitol sei nun etwas Neues passiert: «Das war ein politisches Grossereignis mit globaler Wirkung. Zwei zentrale Pfeiler der Demokratie wurden angegriffen.» Nämlich durch das konsequente Negieren der Niederlage und die Behauptung des Wahlbetrugs sowie den Sturm auf das Parlament in Washington.

Abschreckender Effekt

Skenderovic ist überzeugt, dass dies Konsequenzen für populistische Strömungen und Parteien weltweit haben wird. Er bezeichnet die SVP als populistische Partei, die ähnlich funktioniere wie die republikanische Partei unter Trump: «Das hat einen gewissen Abschreckungseffekt für viele Wählerinnen und Wähler. Denn man sieht, was ein populistischer Leader oder eine populistische Politik für Folgen haben kann – nämlich die Unterminierung der Demokratie.»

Deshalb eben ein politisches Grossereignis mit globaler Wirkung, bis in die kleine Schweiz hinein – ist Skenderovic überzeugt.

Echo der Zeit, 07.01.2021, 18 Uhr

Jederzeit top informiert!
Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden.

Meistgelesene Artikel

Nach links scrollen Nach rechts scrollen

287 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Markus Baumann  (pierrotlunaire)
    Alles, was hier über Trump und die USA gesagt wird, beruht af Hörensagen und Vorurteilen. Keine einzige Aussage beruht auf Augen- und Ohrenzeugen. Alles ist bereits Interpretation und kann darum nicht als einzige und allgemein gültige Wahrheit verkündet werden. Gerade hier wird deutlich, dass ein Ansatz zur Wahrheit sich nur aus verschiedenen Perspektiven zusammensetzten kann. Verdächtigungen, Unterstellungen und Interpretationen sagen vor allem etwas über die Schreiber aus.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Toni Stark  (Toni Stark)
    Gerade im Falle von R. Köppel muss ich sagen, dass er am differenziertesten über Trump berichtet hat. Er hat immer klar argumentiert zwischen Inhalt und der Person. In der Schweiz besitzen die wenigsten diese Fähigkeit.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Albert Planta  (Plal)
      Köppel am 9.11.16 im 10vor10 zur Wahl DT als Präsident: "ich war positiv überrascht, es ist ein guter Tag für die Demokratie. Das ist ein Schlag, ein Dammbruch gegen die Elite. Gegen die internationalistische, etatistische politisch korrekte Elite, die vor Trump gewarnt hat, die ihn dämonisiert hat. Wenn man die Wahl mit ein bisschen Abstand anschaut, muss man sagen das ist gut. Wir haben jetzt mehr Vielfalt in der Welt, wir haben mehr Freiheit in der Welt."
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Werner Gerber  (1Berliner)
    Köppel? Ist das der Schweizer Trump Klon? Bei der AfD haben wir in D auch noch ein paar von und hier im Forum geistern auch welche rum.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen