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Berset im Interview: «Sämtliche Leute sollen guten Zugang zu Tests haben»
Aus Tagesschau am Vorabend vom 05.03.2021.
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Gratis (Selbst-)Tests für alle Testoffensive in der Schweiz – wieso erst jetzt, Herr Berset?

Es brauche mehr Tests und mehr Impfungen, um die Situation unter Kontrolle zu halten, betont Bundesrat Alain Berset. Erst dann könne man weitere vorsichtige Öffnungsschritte erwägen.

Alain Berset

Alain Berset

Bundesrat

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Der 48-jährige Sozialdemokrat leitet seit 2012 das Departement des Innern (EDI) und war 2018 Bundespräsident. Zuvor war er für den Kanton Freiburg im Ständerat und übte dort 2008/2009 das Amt des Ständeratspräsidenten aus.

SRF News: Herr Bundesrat, wie oft sind Sie schon getestet worden?

Alain Berset: Ach, das habe ich nicht gezählt. Fünf-, sechsmal vielleicht. Und, Gott sei Dank, nie positiv. Ich habe verschiedene Tests gemacht, auch Abstrich in der Nase. Das war nicht gerade angenehm, aber ok.

Sie haben heute eine massive Ausweitung des Testregimes angekündigt. Wo soll überall getestet werden?

Die Idee ist, dass wirklich alle Leute guten Zugang zu den Tests haben. Vor allem auch die Asymptomatischen, die ja auch krank sein können; es ist von grossem Vorteil, wenn man das weiss. Man soll in Schulen, in Universitäten, in Unternehmen und in Apotheken testen können. Die Kosten werden alle vom Bund übernommen. Wenn es dann noch Selbsttests gibt, kann man das auch zu Hause machen.

Wir müssen sicherstellen, dass die Qualität der Selbsttests genügend hoch ist.

Zu den Selbsttests: In anderen Ländern gibt es sie schon. Wann werden sie in der Schweiz zugelassen?

Ich hoffe, in den nächsten Wochen. Wir müssen einfach sicherstellen, dass die Qualität genügend hoch ist. Das Resultat, ob positiv oder negativ, muss dann auch wirklich stimmen.

In Deutschland ist die Qualität offenbar genügend. In der Schweiz reicht es noch nicht?

Es gibt noch eine kleine Differenz, und es gibt noch einige Punkte, die man organisieren muss in der Schweiz, dass sie zum Beispiel in drei Sprachen zugänglich sind. Aber ich hoffe, dass die Tests sehr bald zugänglich sind.

Die ganze Schweiz fragt sich: Warum kommt diese Ausweitung der Teststrategie erst jetzt?

Diese Ausweitung ist Teil einer Gesamtstrategie, die der Bundesrat in diesem Jahr entwickelt hat. Mit dem Impfen und den immer besseren Möglichkeiten zum Testen kann man die Pandemie gut begleiten. Das erlaubt auch, Lockerungsschritte vorzusehen. Sehr vorsichtig, denn die Situation ist immer noch sehr fragil.

Es musste auch zuerst der Moment kommen, wo die Tests verfügbar sind. Es gibt neue Tests, die Speicheltests, es gibt die Möglichkeit, die Tests im Pool auszuwerten, jetzt kommen dann auch die Selbsttests, und natürlich brauchte es auch Vorbereitung für die Labore und alle anderen Akteure, die die Teststrategie umsetzen müssen.

Der Kanton Graubünden fährt schon seit drei Monaten eine ausgebaute Teststrategie. Warum wäre das nicht früher für die ganze Schweiz möglich gewesen?

Das haben wir genau beobachtet, und es war interessant zu sehen, was funktioniert und was nicht. Wir haben auch in anderen Ländern gesehen, dass hin und wieder gross angekündigt wurde, das ganze Land zu testen, und dann hat das überhaupt nicht funktioniert. Man muss schon bescheiden bleiben; logistisch ist das keine einfache Übung.

Wenn 80 Prozent der Arbeitnehmenden jede Woche getestet werden, müssen Kontaktpersonen nicht in Quarantäne.

Es geht jetzt darum, mit einem entsprechenden kantonalen Konzept noch viel dezentraler testen zu können – in den Schulen, den Unternehmen, in den Universitäten. Die Unternehmen können zum Beispiel auch davon profitieren: Wenn 80 Prozent der Arbeitnehmenden eines Unternehmens jede Woche getestet werden, dann müssen die Kontaktpersonen nicht in Quarantäne, wenn ein positiver Fall auftritt.

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Berset: «Die nächsten Wochen sind Match-entscheidend»
Aus News-Clip vom 05.03.2021.
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Sie haben auch kommuniziert, dass mit dieser Teststrategie die schrittweise Öffnung des gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Lebens unterstützt werden soll. Das heisst doch: Ab dem 22. März kann man deutlich mehr öffnen?

Nein, man muss das im Gesamtkonzept sehen. Wir müssen vorsichtig bleiben, die Situation ist immer noch sehr fragil. In umliegenden Ländern steigen die Zahlen wieder, es wird wieder geschlossen. Das sollten wir verhindern. Deshalb vorsichtige Öffnungsschritte, die der Bundesrat schon aufgegleist hat, und parallel dazu mehr Impfen und mehr Testen.

Sie sind darauf angewiesen, dass die Leute mitmachen beim Testen, und das werden sie nur, wenn sie weitere Lockerungen bekommen.

Wir sind am Lockern, wir sind am Öffnen…

… aber Sie haben noch keine weiteren Öffnungsschritte beschlossen.

Diese Woche gab es einen der grössten Lockerungsschritte. Jetzt werden die nächsten Wochen matchentscheidend sein. Wir haben das Risiko einer dritten Welle, das sieht man ja in anderen Ländern. Wenn wir die Situation unter Kontrolle haben wollen, dann braucht es mehr Tests, mehr Impfungen, und dann kann man vorsichtig öffnen.

Das Gespräch führte Urs Leuthard.

Heute Abend in «10vor10»

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Heute Abend in «10vor10»

Mehr zum Thema in «10vor10», um 21.50 Uhr auf SRF 1.

Tagesschau, 05.03.2021, 18:00 Uhr;

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55 Kommentare

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  • Kommentar von Angela Doppelhofer  (AnDoHo)
    USStaaten beenden ALLE Massnahmen!!
    Texas, Mississippi, South Dakota, Tenessee,öffnet alles zu 100% und beendet die Maskenpflicht sofort.
    Ohne Stufenplan, ohne Tests!! Ohne Bedingungen...
    Wann folgen die Schweizer Kantone???
    1. Antwort von Hans Meuri  (hmeuri)
      Ich wusste nicht, dass meine eine Pandemie mit einem politischen Entscheid für beendet erklären kann und es ab dann keine Erkrankungen, LongCovid und Todesfälle mehr gibt.
  • Kommentar von Marc Schlatter  (Marc Rafael)
    "Die ganze Schweiz fragt sich: Warum kommt diese Ausweitung der Teststrategie erst jetzt?"

    Wie sagen bei der VBZ die Trams? Ich bin auch die ganze Schweiz!

    Interessant ist aber Bersets Antwort: Man hatte es schon vor. Und es erlaube (wohl im Idealfall) weitere Lockerungsschritte.

    Es geht hier also nicht, wie man jetzt meinen könnte, um einen Paradigmenwechsel, sondern der Zeitpunkt, uns die Selbsttests zu erlauben und viel flächiger zu testen, ist eingebunden in eine Gesamtstrategie.
    1. Antwort von Urs Dupont  (udupont)
      Es gibt wohl noch einen anderen Grund: Jetzt wo die Fallzahlen im Keller sind und wir bei einer anderen Infektionskrankheit weit weg von dem sind, was man als Epidemie bezeichnet und die Bevölkerung zu minimalen Vorsichtsmassnahmen aufrufen würde, braucht man jeden einzelnen pos. Test, um die z.T. kontraproduktiven Massnahmen weiter aufrecht zu halten. Mit nun gerade mal noch 84 Fällen pro 100'000 und pro Woche, wovon viele weder krank noch virulent bedeuten, sind die Massnahmen unverantwortlich
    2. Antwort von Marc Schlatter  (Marc Rafael)
      @Dupont, ich denke, wir wissen es noch nicht genau, wie sich die Lage weiter entwickeln kann. Der Schreck der zweiten Welle sitzt uns noch in den Knochen. Wie können wir herausfinden, wieviel Normalität wir uns erlauben können, ohne unverantwortbare Risiken einzugehen? Testen, um einen besseren Überblick zu erhalten, ist sicher besser, als die Wirte länger zu drangsalieren. Lockdown-Massnahmen sollten das allerletzte Mittel sein, um das Schlimmste zu verhindern - nicht weniger und nicht mehr.
    3. Antwort von Urs Dupont  (udupont)
      Das ist richtig, Herr Schlatter, aber wir können nicht damit warten, bis wir todsicher sind, dass weltweit das letzte Coronavirus ausgerottet ist. Mindestens die Massnahmen, die wenig bis gar nichts bringen oder teilweise sogar kontraproduktiv sind, also z.B. Restaurant, Hallenbäder, und Saunas weiterhin geschlossen zu halten. Mittlerweilen dürfte es ja klar sein, dass bei obigen Beispielen im Vergleich zum Bereich Schule/Familien es zu extrem wenigen, potentiell gefährlichen Begegnungen kommt.
  • Kommentar von Barbara Giordano  (Barby)
    und die Studien die sagen dass asymptomatische "Positive" praktisch nicht übertragen? (z.B . eine Studie aus Floridia ) Und dazu gehören natürlich nicht "Patienten" die durch Paracetamol oder Âhnliches keine Symptome haben.. Ca. 5% der Getesten sind positiv, darunter wird's auch Leute mit Symptomen haben denke ich..
    1. Antwort von Marc Schlatter  (Marc Rafael)
      Der Fokus sollte auf dem Onset der Symptome liegen. Statt sich zu sagen, jetzt könne man nicht schon wieder wegen diesem Kratzen im Hals gleich zum Testcenter laufen, sollte man doppelt auf den eigenen Körper hören und entsprechend aufpassen, bis stärkere Symptome auftreten oder nicht. Möglicherweise hatten aber ja auch viele ,Asymptomatische' so leichte Symptome, dass sie es gar nicht merkten oder sich zum Zeitpunkt des Tests nicht mehr erinnern (Nachteil von CT 40?).
    2. Antwort von Albert Bachmann  (AFB)
      Dass Massentest sehr gut funktionieren zeigt China eindrücklich seit Monaten auf. Wird jemand positiv getestet wird lokal die ganze Bevölkerung durchgetestet und so eine weitere Ausbreitung verhindert. Ausbrüche gibts kaum mehr. Eine solche Strategie ist aufgrund der momentanen Impfknappheit wohl der schnellste Weg zurück in die Normalität.
      Und, Herr Schlatter, „aufpassen“ bis man stärkere Symptome hat funktioniert nicht, sollte einem mittlerweile klar sein...
    3. Antwort von Marc Schlatter  (Marc Rafael)
      @Bachmann, Ihren Einwand in Ehren, aber was der Wissenschaft nicht klar ist, von dem lasse ich mir nicht einreden, es müsste mir klar sein. Was die Compliance angeht: Wenn Sie etwas von jemandem wollen, tun sie gut daran, es auch zu sagen. Je konkreter, desto besser stehen die Chancen für Erfolg. Fatalismus scheint mir hingegen weniger zielführend - auch wenn das Ganze immer wieder zum Verzweifeln ist.