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Müssen Bund und Kantone auf die hohen Fallzahlen reagieren?
Aus SRF 4 News aktuell vom 15.10.2020.
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Hohe Corona-Fallzahlen Taskforce: «Privatanlässe sollte man disziplinierter angehen»

Heute trifft sich der Bundesrat mit Vertretern und Vertreterinnen der Kantone, um die aktuelle Corona-Situation zu analysieren und um allenfalls neue Massnahmen zu beschliessen. Die aktuelle Situation lässt sich in Zahlen fassen: gestern hat das BAG für die Schweiz über 2800 neue Fälle gemeldet – so viele wie noch nie und doppelt so viele wie am Vortag. Marcel Tanner von der Covid-19-Taskforce nimmt private Feste als Ansteckungsort ins Visier.

Marcel Tanner

Marcel Tanner

Epidemiologe und Mitglied der Covid-19-Taskforce

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Marcel Tanner ist emeritierter Epidemiologie-Professor und Mitglied der vom Bundesrat eingesetzten Covid-19-Taskforce.

SRF News: Müssen Bund und Kantone bald einen neuen Lockdown beschliessen?

Marcel Tanner: Nein. Es ist nicht das Ziel, sofort in einen Lockdown zu gehen, da wir versuchen wollen, unser Leben, alles, was sozial und wirtschaftlich wichtig ist, aufrechtzuerhalten und dort einzugreifen, wo es wirklich möglich ist, ohne dass wir die ganze Schweiz abstellen oder ganze Regionen abstellen. Ausserdem sagt die Taskforce dem Bund nicht, was er machen muss. Wir haben unsere Besorgnis mitgeteilt über die sehr stark steigenden Fallzahlen, aber auch die Tendenz, dass die Hospitalisierung zunehmen. Deshalb müssen wir sehen, welche zusätzlichen Massnahmen nötig sind.

Welche zusätzlichen Massnahmen wären das konkret?

Die verschiedenen Möglichkeiten sind da. Erstens möchten wir gezielt eingreifen können, dort, wo Übertragungen stattfinden. Wir wissen, dass die Fallzahlen unter anderem steigen, da wir uns mehr in Innenräumen aufhalten. Deshalb sehen wir, dass verschärfte Massnahmen wie das starke Empfehlen von Homeoffice – wo möglich – wichtig wird, dass wir uns überlegen, dass in Mittelschulen, Gymnasien und Fachhochschulen der Online-Unterricht wieder stärker zu dominieren beginnt. Und dass Clubs und Bars schliessen sollten.

Es ist ganz klar, dass wir bei Personengruppen, die über 50, über 30 gehen, grosse Probleme sehen.

Und, ganz wichtig: Private Anlässe im privaten Umfeld sollten auch disziplinierter angegangen werden. Dort gibt es keine Beschränkung, die wir verordnen könnten, doch man sollte da kleinere Einladungen machen.

Weshalb?

Wir haben festgestellt, dass vor allem im privaten Umfeld, in der Familie, viele Infektionen stattfinden und sich das Coronavirus ausbreitet. Das hängt damit zusammen, dass wir alle bei den Grundmassnahmen ein bisschen lockerer geworden sind, uns nicht mehr konsequent an die Massnahmen halten.

Wir rufen nicht nur dazu auf, dass diese eingehalten werden, sondern wir sagen ganz klar: Wir müssen die Anzahl der Menschen, die zusammenkommen, reduzieren, aber die Grundmassnahmen gelten immer noch. Nur so können wir verhindern, dass wir eine unkontrollierte Ausbreitung vor uns haben.

Heisst, Sie wollen die Anzahl Personen limitieren, die privat zusammenkommt?

Ja, das ist ein Rat. Das ist etwas, das man machen muss, weil durch das die Ausbreitung verhindert oder gestoppt wird. Und das sollte man ins Auge fassen. Für das private Umfeld lässt sich zwar nicht einfach eine strikte Personenzahl angeben. Aber es ist ganz klar, dass wir bei Personengruppen, die über 50, über 30 gehen, grosse Probleme sehen. Die Leute müssen hier Verantwortung übernehmen und keine grossen Feste mehr durchführen.

Die Veranstalter haben sich enorm grosse Mühe gegeben, die Fussball- und Hockeyspiele mit guten Schutzkonzepten durchzuführen.

Grossveranstaltungen sind seit Anfang Oktober wieder zugelassen. Sollten die jetzt wieder verboten werden?

Das ist nicht der erste Punkt, bei dem man eingreifen sollte. Denn wir haben gesehen, dass sich die Veranstalter enorm grosse Mühe gegeben haben, die Fussball- und Hockeyspiele mit guten Schutzkonzepten durchzuführen. Und weil die Bevölkerung auch weiter Ausblicke haben muss, sollte man hier eher diese Konzepte überprüfen und anpassen, aber nicht einfach strikt verbieten.

Das Gespräch führte Hans Ineichen.

SRF 4 News, 15.10.2020, 06:15 Uhr;

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117 Kommentare

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  • Kommentar von Markus Feierabend  (Quantenmechanik)
    Na ja bin in Saas Fee in eine Gondel eingestiegen - ca 25 SkiFahrer in engstem Raum - und das Gondel für Gondel. Viel Gebabel und wenig Durchsetzung. Viel Spass bei solchen Missständen.
  • Kommentar von Iris Fischer  (Seahorse)
    Das BAG selber zählt Corona zu den "grippeähnlichen Erkrankungen"...
    1. Antwort von SRF News (SRF)
      @Iris Fischer
      Guten Abend Frau Fischer. Das BAG schreibt in seinem Bericht zur saisonalen Grippe, dass die COVID-19 Pandemie die Datenerhebung zur saisonalen Grippe beeinflusst. Zudem ist im Bericht zu lesen, dass COVID-Erkrankungen mit grippeähnlichen Symptomen in die Statistik der grippeähnlichen Erkrankungen einfliessen können. Das BAG lässt somit nicht per se alle COVID-Erkrankungen in diese Statistik einfliessen. Den Wochenbericht haben wir Ihnen untenstehend verlinkt. Freundliche Grüsse, SRF News

      www.bag.admin.ch/bag/de/home/krankheiten/ausbrueche-epidemien-pandemien/aktuelle-ausbrueche-epidemien/saisonale-grippe---lagebericht-schweiz.html
  • Kommentar von Brigitta Kempf  (WellCon)
    Wie wäre es, wenn man zur Kenntnis nehmen würde, dass in jedem Herbst/Winter öfter die Nase läuft oder eine Erkältung Einzug hält? Normal hält. Ohne Hysterie und MaskenNötigung.
    Es gibt Null Übersterblichkeit !! Die Spitäler sind unterbelegt!
    Die Frage bleibt, wer profitiert? Folge dem Geld.