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Hohe Übersterblichkeit Corona-Tote: Schweiz steht im Länder-Vergleich schlecht da

Über 320 Tote in den letzten drei Tagen. Die meisten anderen Länder haben weniger Corona-Tote pro 100'000 Einwohner als die Schweiz.

Die Zahl der gemeldeten Corona-Neuinfektionen in der Schweiz ist seit Tagen rückläufig und es werden wieder erste Forderungen nach Massnahmen-Lockerungen laut. Was dabei gerne vergessen geht: Die Todeszahlen im Zusammenhang mit Covid-19 sind hierzulande sehr hoch. Im internationalen Vergleich liegt die Schweiz auf dem unrühmlichen elften Platz, was den 7-Tage-Schnitt der täglich gemeldeten Verstorbenen pro 100'000 Einwohner angeht (Stand: 26.11., 11.30 Uhr).

Noch vor Kurzem lag die Schweiz in Bezug auf diese Zahlen vor ihren Nachbarländern – mittlerweile haben Italien und Österreich höhere Todesraten pro 100'000 Einwohner, wie diese Grafik zeigt, die sich mehrmals täglich aktualisiert (Stand: 26.11., 11.30 Uhr). Seit vergangener Woche ist der 7-Tage-Schnitt an Verstorbenen in der Schweiz immerhin auf hohem Niveau leicht rückläufig.

In Deutschland dagegen beträgt der 7-Tage-Schnitt pro 100'000 Einwohner nur rund ein Drittel der Zahlen aus der Schweiz. Und selbst Länder wie die USA, Spanien oder Russland haben im 7-Tage-Schnitt deutlich tiefere Todeszahlen pro 100'000 Einwohner als die Schweiz. So sorgten die hohen Zahlen der Schweiz denn auch im Ausland für Aufsehen. Vorwürfe wurden laut, der Bundesrat würde die Wirtschaft höher gewichten als Menschenleben.

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Aus dem Archiv: Zweite Covid-Welle führt zu Übersterblichkeit
Aus 10 vor 10 vom 19.11.2020.
abspielen. Laufzeit 3 Minuten 58 Sekunden.

Dass in der Schweiz während der zweiten Corona-Welle mehr gestorben wird, zeigt auch ein Blick auf die sogenannte Übersterblichkeit. In den älteren Bevölkerungsgruppen ab 65 Jahren sterben seit der vierten Oktoberwoche mehr Menschen, als das Bundesamt für Statistik (BFS) erwartet hätte. Die Übersterblichkeit ist hier deutlich höher als in den Vorjahren und auch höher als während vergangener starken Grippewellen und auch viel höher als während Hitzewellen.

Profitieren Spitäler von der Todesfall-Diagnose Coronavirus?

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In sozialen Medien kursiert immer wieder das Gerücht, Ärzte und Spitäler in der Schweiz und auch im Ausland würden bei vielen verstorbenen Patienten fälschlicherweise eine Covid-19-Erkrankung diagnostizieren, weil sie dafür extra vergütet würden.

Diese Behauptung ist nachweislich falsch. Der «Beobachter» hat beim Krankenkassenverband Santésuisse nachgefragt. Dieser betont, dass für die Höhe der Kosten die Behandlungsbedürfnisse eines Patienten ausschlaggebend seien. «Je mehr Pflege eine Person braucht, desto mehr darf ein Spital im Rahmen der Fallpauschale abrechnen.» Die Todesursache spiele bei der Abrechnungshöhe keine Rolle.

In der zweiten Novemberwoche etwa registrierte das Bundesamt für Statistik (BFS) 1830 Todesfälle bei den Über-65-Jährigen – rund 600 mehr als das BFS für diesen Zeitraum normalerweise erwartet hätte. In der dritten Novemberwoche starben etwa 500 Menschen mehr als sonst.

Dabei gibt es grosse regionale Unterschiede. Während in der Nordwestschweiz keine Übersterblichkeit zu verzeichnen ist und die Zahlen in der Zentralschweiz, im Tessin und in Zürich nur geringfügig gestiegen sind, sterben mit oder am Coronavirus besonders viele Menschen in der Genferseeregion, im Mittelland und in der Ostschweiz. Am stärksten betroffen sind die Kantone Freiburg, Appenzell Innerrhoden, Wallis und Genf.

SRF 4 News, 26.11.2020, 8.00 Uhr

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