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Wie sinnvoll ist eine Corona-Impfung bei Kindern, Christoph Aebi?
Aus Rendez-vous vom 09.06.2021.
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Impfung bei Kindern «Empfehlung für 12- bis 15-Jährige möglicherweise bis Mitte Juli»

Am 4. Juni hat Swissmedic den Corona-Impfstoff von Pfizer/Biontech in der Schweiz auch für 12- bis 15-Jährige zugelassen. Eine offizielle Impf-Empfehlung der Eidgenössischen Kommission für Impffragen gibt es bisher noch nicht. Christoph Aebi, Leiter der Kinder-Infektiologie am Inselspital Bern und Mitglied der Eidgenössischen Kommission für Impffragen, über das Vorgehen.

Christoph Aebi

Christoph Aebi

Kinder-Infektiologe

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Christoph Aebi leitet die Abteilung Kinder-Infektiologie am Inselspital Bern und ist Vorstandsmitglied von Pädiatrie Schweiz, der Organisation der Kinderärzte in der Schweiz. Zudem ist Aebi eines der 15 Mitglieder der Eidgenössischen Kommission für Impffragen.

Seit noch nicht einer Woche ist der Impfstoff von Pfizer/Biontech für 12-15-Jährige zugelassen. Kann sich ein 13-Jähriger jetzt bereits impfen lassen?

Nein, es ist zwar ein Zulassungsschritt erfolgt, aber noch keine Empfehlung da. Swissmedic hat den Impfstoff für wirksam und sicher befunden. Aber die Empfehlung vom BAG und der Impfkommission (Ekif) steht noch aus.

Die Beratschlagungen laufen. Was ist der Zeithorizont?

Das kann ich noch nicht genau sagen. Die Ekif wird noch diesen Monat eine Empfehlung herausgeben, diese wird dann aber nochmals mit dem BAG abgeglichen. Wann das genau der Fall sein wird, kann ich nicht sagen. Hoffentlich noch diesen Monat, möglicherweise bis Mitte Juli.

Wie funktioniert dieses Abgleichen mit dem BAG - welcher Entscheid ist am Ende ausschlaggebend?

Das ist gemeinsamer ein Prozess, der in Zusammenarbeit verläuft. Es gibt Gruppen der Ekif, die sich immer wieder mit dem BAG treffen und zusammen die bestmögliche Empfehlung ausarbeiten. Am Ende ist das BAG aber für den endgültigen Wortlaut zuständig, den sie herausgeben.

Die Diskussionen laufen, sie sind nicht öffentlich - wie erleben Sie diese?

Generell sind diese Diskussionen sehr konstruktiv. Es ist wichtig, dass man einen breiten Konsens findet. In diesem Fall ist die Diskussion aus verschiedenen Gründen sehr schwierig. Aufgrund der Gesamtsituation der Pandemie stehen wir unter gewissem Druck. Auch ist die Krankheitslast in diesem Altersbereich sehr gering, aber auf der anderen Seite stehen die Überlegungen, wie man dieses Virus möglichst rasch und nachhaltig an der Weiterverbreitung hindern kann. Diese zwei Faktoren sind nicht unbedingt einfach zu vereinen.

Auch in Deutschland hat sich die Impfkommission noch nicht durchgerungen, einen Entscheid zu fällen, die Diskussionen werden hitzig geführt. Nimmt man dies auf, was in anderen Ländern so passiert?

Was an harten Fakten passiert, ist ganz wichtig, wir sind keine Insel. Das sieht man auch bei den Diskussionen ums Impfzertifikat, wir sind nicht komplett unabhängig. Das ist auch richtig. Auf der emotionalen Seite: eher weniger. Das versuchen wir auszublenden, um möglichst rational einen guten Entscheid zu treffen.

Die Impfung ist ein Abwägen zwischen Nutzen und Risiken. Man sieht, dass die Impfung gut schützt. Kann man denn durch die bisherigen Datenlagen sagen, wie gross die Nebenwirkungs-Risiken für die Jugendlichen sind?

Das ist ein wichtiger Punkt. Was man an Daten hat, ist relativ beschränkt. Man hat eine Studie, die Zulassungsstudie von Pfizer, die 2000 Jugendliche untersucht hat, wovon 1000 das Placebo erhalten haben. Bei den 1000 Probanden hat man eine hervorragende Wirksamkeit gesehen. Das Nebenwirkungs-Spektrum war dabei ungefähr wie bei jungen Erwachsenen. Es gab relativ häufig lokale Beschwerden, also Schmerzen beim Impfarm und Müdigkeit, manchmal auch Gliederschmerzen oder Fieber. Das ist alles nicht gefährlich, kann aber im Extremfall dazu führen, dass ein Jugendlicher bei der Lehrstelle für ein oder zwei Tage fehlt.

Das Gespräch führte Barbara Peter.

SRF 4 News; 9.6.21; 14 Uhr;

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26 Kommentare

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  • Kommentar von Pirmin Schläpfer  (Gwunderer)
    Die Annahme, Kinder könnten die Pandemie antreiben, kommt nebst der Influenza von der Häufigkeit von Ansteckungen mit anderen Corona-Viren, die bei Kindern häufiger sind. So konnte hier schon eine Studie vorgestellt werden, die einen besseren Schutz sogar der Eltern kleiner Kinder gegen Sars-CoV-2 festgestellt hat. Jetzt zeigte eine Science-Studie ein besseres B-Zell-Gedächtnis junger Menschen:

    Shared B cell memory to coronaviruses and other pathogens varies in human age groups and tissues
  • Kommentar von Christoph Brasser  (Christoph Brasser)
    Grundlage ist eine Zulassungsstudie von Pfizer? Das ist ja ein Witz! Das ist ja der Verkäufer! (der nicht mal haftet für Schäden)
    1. Antwort von Pirmin Schläpfer  (Gwunderer)
      Läuft anscheinend so und ist bestimmt methodisch abgesichert. Trotzdem macht es einen Unterschied, ob eine Impfung in diesen Trials geprüft wird oder bei der Anwendung im weiten Feld. Auf die kommenden Forschungsergebnisse darf man gespannt sein.
    2. Antwort von Katharina Bleuer  (Blk)
      In USA und Kanada werden schon seit einem Monat 12-15 jährige geimpft, von diesen Erfahrungen kann die Schweiz bei der Entscheidung auch profitieren.
    3. Antwort von Daniela Langenauer  (Daniela L.)
      M.W. sind es immer die Hersteller die ihre Studien für eine Zulassung eines Medikamentes der Bewilligungsbehörde einreichen. Weshalb sollte dies bei Covid anders sein ?
  • Kommentar von Pirmin Schläpfer  (Gwunderer)
    Ich bin sehr froh, hat sich Herr Aebi deutlich gegen das Herdenimmunitäts-Kalkül des BAG bei Minderjährigen ausgesprochen. Was mir nicht klar ist: Auf welcher Grundlage befindet Swissmedic den Pfizer-BioNtech-Impfstoff für dieses Alter als sicher und wirkungsvoll? Letzteres muss ja relativ zur Krankheitslast geschehen, die allenfalls vermieden werden kann. Zur Sicherheit: Was würde Swissmedic zu einzelnen Todesfällen sagen? Würde die Zulassung zurückgezogen? Wäre es den Versuch wert gewesen?
    1. Antwort von Pirmin Schläpfer  (Gwunderer)
      Zur Erklärung: Laut Stiko-Chef Mertens sind in Deutschland zwei Kinder mit Corona verstorben. Beide hatten Krebs im Endstadium. Mit Impfen von Kindern wurde weltweit erst angefangen. Das CDC hält seine Daten zu Verdachtsmeldungen allgemein unter Verschluss. Israel hat den Zusammenhang der beiden Myokardie-Todesfälle von Zwanzigjährigen mit der Impfung abgestritten. Diese wirkt bekanntlich reaktogener im jungen Alter. Daher: Nähme man ganz seltene Todesfälle inkauf? Wenn ja, wie viele ungefähr?