Zum Inhalt springen

Header

Video
Die Suche nach dem Impfstoff
Aus Tagesschau vom 06.03.2020.
abspielen
Inhalt

Impfung gegen Coronavirus Schweizer Pharmariesen forschen nicht mit

Auf der Entwicklung eines Impfstoffs ruhen grosse Hoffnungen. Doch nur für manche Pharmafirmen ist das Geschäft lukrativ.

Im Moment treiben Universitäten, öffentliche Institute und auch Pharma- und Biotech-Firmen die Entwicklung einer Impfung gegen das Coronavirus voran. Sie tun das mit neuen Methoden und so schnell wie nie zuvor. Bloss: Schweizer Pharmafirmen sucht man in ihren Reihen vergeblich.

Bei Roche gehörten Impfstoffe noch nie zum Geschäft. Novartis verkaufte die eigene, damals defizitäre Impfsparte schon 2014. Der Käufer des Impfgeschäfts von Novartis war der britische Pharma-Multi GlaxoSmithKline.

Zusammen mit der französischen Sanofi und der amerikanischen Johnson und Johnson gehört GlaxoSmithKline heute zu einer Handvoll Pharmariesen, die das Impfgeschäft dominieren. Neben kleinen Biotechnologiefirmen sind es ihre Namen, die im Moment auftauchen, wenn es um die Entwicklung eines Impfstoffes gegen den Coronavirus geht.

Hohe Sicherheitsmargen

Dass sich ein paar wenige Pharmafirmen den Impfmarkt untereinander aufteilen, liegt laut Michael Nawrath an den hohen Anforderungen für Impfungen. Einerseits sei die Entwicklung von Impfstoffen besonders teuer. Der Grund: sie würden gesunden Erwachsenen und Kindern verabreicht.

Video
Michael Nawrath: «Was lange dauert, kostet viel»
Aus News-Clip vom 06.03.2020.
abspielen

«Da müssen die Sicherheitsmargen 1000-prozentig hoch sein», so der Pharma-Analyst der Zürcher Kantonalbank. Das verlängere die Zeit von der klinischen Entwicklung zum Versuch an Menschen. «Und was lange dauert, kostet auch viel.»

Hohe Kosten, tiefe Preise

Gleichzeitig seien Pharmafirmen bei der Preissetzung von Impfungen weniger flexibel, als bei anderen Medikamenten. Eine Impfung «muss für jeden erschwinglich sein, jede Krankenkasse muss das finanzieren können», so Nawrath. Hohe Kosten, tiefe Preise – bei dieser Kombination sei es nur für manche Firmen finanziell attraktiv, im Geschäft mitzumischen.

Eine Impfung muss für jeden erschwinglich sein, jede Krankenkasse muss das finanzieren können.
Autor: Michael NawrathPharma-Analyst der Zürcher Kantonalbank

Ausschlaggebend sei, so Nawrath, dass die Impfsparte eines Konzerns genügend gross und bei Regierungen auch schon bekannt sei. Dann lässt sich mit Impfungen durchaus viel Geld verdienen, wie Firmen wie GlaxoSmithKline und Sanofi beweisen. Für andere ist das Geschäft dagegen einfach nicht attraktiv genug.

Geduld ist gefragt

Für eine Corona-Impfung bedeutet die konzentrierte Marktstruktur im Impfgeschäft: nur wenige grosse Pharmafirmen haben überhaupt ein Interesse und die Expertise, Impfstoffe zu entwickeln und in grossem Massstab zu produzieren.

Die grossen Schweizer gehören nicht dazu. Im Wettlauf um eine Impfung ist aber so oder so noch Geduld gefragt: Einer breiten Öffentlichkeit dürfte ein Impfstoff frühestens in 12 bis 18 Monaten zur Verfügung stehen.

Tagesschau vom 06.03.2020, 19:30 Uhr; imhm/eglc

Schliessen

Jederzeit top informiert!

Wir informieren laufend über die aktuelle Entwicklung und liefern Analysen zum Coronavirus. Erhalten Sie alle wichtigen News direkt per Browser-Push. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Push-Mitteilungen aktivieren

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

Meistgelesene Artikel

Nach links scrollen Nach rechts scrollen

57 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Denise Casagrande  (begulide)
    Tja, die Pharma-Lobby, muss selbstverständlich "Prioritäten" für sich setzen - es geht immerhin um deren Milliarden-Geschäfte weltweit! Eine "Tragödie", wenn einer der CEOs - mit utopischem Salär - finanzielle Einbussen hätte, "nur" wegen eines Virus und Menschenleben.....
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Martin Keller  (Martin98765)
      Es ist nicht alles so einfach schwarz oder weiss
      Die grossen Schweizer Pharmaunternehmen haben keine Impfstoffsparte, andere haben das aber und machen vernünftigen Umsatz. Nicht jeder kam alles machen. Schweizer Firmen arbeiten aber auf dem Gebiet Virostatika und Entzündungshemmung in der lebensbedrohenden Akutphase.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Heinz Schlumpf  (Henry69)
    Logisch, will man sich dabei nicht beteiligen. Da schauen am Ende für die Aktionäre nur Peanuts raus. Da konzentriert man sich dann schon lieber auf teure Krebsmedikamente. Da schauen dann pro Behandlung immer öfters mehrere hunderttausend Franken raus. Schöne Schweiz!!!!
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Franz NANNI  (igwena ndlovu)
    Impfstoffe werden in spezialisierten Firmen hergestellt, dazu gehoeren die CH Pharmariesen eben nicht, wobei die besitzen solche Unternehmen im Ausland... und die forschen sehr wohl!
    Ablehnen den Kommentar ablehnen