Zum Inhalt springen

Header

Navigation

Legende: Audio Klaus Ammann über die Hintergründe des Klimaratings abspielen. Laufzeit 04:32 Minuten.
Aus SRF 4 News aktuell vom 11.12.2018.
Inhalt

Internationales Klimarating Die Schweiz steht nur auf den ersten Blick gut da

Die Schweiz liegt im neusten internationalen Klimarating auf Platz neun. Die gute Platzierung täuscht: Für das Rating wird nur der CO2-Ausstoss berücksichtigt, der im Land selber anfällt.

Jene Klimagase, die im Ausland bei der Herstellung von Importprodukten anfallen, werden nicht berücksichtigt. Ebensowenig der Flugverkehr. SRF-Korrespondent Klaus Ammann – er ist derzeit an der Klimakonferenz in Kattowitz – erklärt die Hintergründe.

Klaus Ammann

Klaus Ammann

Wirtschaftsredaktor, SRF

Personen-Box aufklappenPersonen-Box zuklappen

Der Historiker und Russist ist seit 2004 als Redaktor bei Radio SRF tätig. Seit 2011 arbeitet Klaus Ammann für die Wirtschaftsredaktion. Sein Schwerpunkt liegt dabei auf Energie- und Klimathemen.

SRF News: Länder wie Schweden, Marokko oder Litauen sind im neusten Klimarating vor der Schweiz platziert. Was machen diese Länder besser?

Klaus Ammann: Die meisten von ihnen haben in den letzten Jahren deutlich mehr Sonnen- und Windkraftwerke gebaut als die Schweiz. Auch befolgen sie eine strengere Klimapolitik, insbesondere im Verkehrs- und Transportbereich.

Hat die Schweiz den guten neunten Platz im Ranking überhaupt verdient?

Sie hat seit dem letzten Ranking vor einem Jahr sogar drei Plätze gutgemacht. Grund dafür ist, dass pro Kopf in der Schweiz selber relativ wenig CO2 ausgestossen wird und das Ziel, den Treibhausgas-Ausstoss bis 2030 um 50 Prozent zu reduzieren, vergleichsweise ehrgeizig ist.

Das Klimarating berücksichtigt nur den Ausstoss an CO2 im Inland.

In Tat und Wahrheit würde die Schweiz in der Weltrangliste allerdings wesentlich weiter hinten liegen, wenn der CO2-Ausstoss präziser erfasst würde. Wieso das?

Das Klimarating bezieht sich nur auf den Ausstoss an Klimagasen jeweils im Land selber. Weil die Schweiz einen grossen Teil ihres Stromes aus Wasser- und Atomkraft produziert – also dafür eher wenig CO2 verursacht – steht sie recht gut da. Wenn man aber das ganze Bild betrachten würde, sähe die Lage der Schweiz völlig anders aus.

Kraftwerk mit Rauchausstoss unter schwarzem Himmel.
Legende: Die Schweiz lagert ihre CO2-Produktion ins Ausland aus: So bezieht sie z.B. zeitweise auch Strom aus Kohlekraftwerken in Deutschland. Reuters

Im Bericht steht, die Schweiz importiere grosse Mengen von CO2-intensiven Produkten. Damit verursache sie mehr CO2 im Ausland als im Inland. Wie ist das zu verstehen?

Ein Teil dieser Produkte wurde früher in der Schweiz hergestellt, inzwischen wurde die Produktion jedoch ins Ausland verlagert und sie werden importiert. Und weil sie quasi für die Schweizer Bevölkerung im Ausland produziert werden, sind wir im Grunde genommen auch für den CO2-Ausstoss verantwortlich, der bei der Produktion anfällt.

Die Schweizer Bevölkerung verursacht im Ausland deutlich mehr CO2 als im Inland.

Hinzu kommt, dass der Flugverkehr im Klimarating nicht berücksichtigt wird. Weil kaum ein Volk pro Kopf so viel fliegt wie die Schweizer, wiegt das schwer. Im Ergebnis führt das dazu, dass die Schweizer Bevölkerung im Ausland deutlich mehr CO2 verursacht, als im Inland.

Viele Leute in der Abflughalle.
Legende: Die Schweizerinnen und Schweizer fliegen gern und viel: Grossandrang am Flughafen Zürich. Reuters

Aktuell debattiert das Parlament in der Schweiz über das CO2-Gesetz und die Umsetzung der Energiestrategie 2050. Macht die Schweiz im internationalen Vergleich genug fürs Klima?

So wie der Nationalrat die Vorlage beraten hat, ist sie im internationalen Vergleich recht ambitionslos. So soll das Reduktionsziel von minus 50 Prozent zwar beibehalten werden, allerdings gibt es keine Vorgabe, wie viel dieser Reduktion in der Schweiz selber vorzunehmen ist. Das Problem bei der CO2-Reduktion im Ausland ist, dass ihre Qualität sehr umstritten ist. Auch beim Verkehr setzt der Nationalrat bloss auf sehr schwache Massnahmen, ebenso wie im Gebäudebereich.

Was muss geschehen, dass die Schweiz in der Klimaschutz-Weltrangliste nach oben klettert?

Sie müsste eine strengere Klimapolitik machen, dabei auch den Verkehr angehen und die erneuerbaren Energien ausbauen. Wenn das alles nicht rasch geschieht, dann wird die Schweiz in diesem alljährlich erhobenen Ranking in Zukunft zurückfallen.

Das Gespräch führte Joël Hafner.

Jährliches Rating von Klimaschutzorganisationen

Jährliches Rating von Klimaschutzorganisationen

Am besten schneiden im diesjährigen Klimarating, Link öffnet in einem neuen Fenster Schweden, Marokko, Litauen, Lettland und Grossbritannien ab. Dabei wurden die ersten drei Plätze wie in den Vorjahren jedoch nicht vergeben, weil kein Land genug tue, um die Ziele des Pariser Klimaabkommens zu erreichen, wie die Herausgeber der Studie schreiben. Am Schluss der Rangliste stehen die USA unter Präsident Donald Trump sowie Saudi-Arabien.

Das Klimarating wird jeweils von den drei Klimaschutzorganisationen Germanwatch, Germanwatch, Climate Action Network (CAN) Europe und New Climate Institute erstellt. Der Klimaschutz-Index vergleicht und bewertet seit 2005 die Klimaschutzbemühungen der Staaten, die für 90 Prozent des gesamten CO2-Ausstosses verantwortlich sind. Dabei fliessen die CO2-Emissionen, der Ausbau erneuerbarer Energien, Energieverbrauch sowie die generelle Klimapolitik ein.

Schliessen

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

22 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Denise Casagrande  (begulide)
    Die Schweizer (Wirtschaft - Industrien - industrialisierte Landwirtschaft) und deren Bevölkerung, stehen eben nicht gut da, bezüglich Umweltschutz (Lebensexistenz-Schutz)!
    Alle müssen sich aktiv beteiligen und effektiven "Umweltschutz" leben!
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Samuel Müller  (Samuel Müller)
    Marokko soll eine gute CO2 Bilanz haben? Da reicht als Messinstrument meine Nase, meine Augen und etwas Logik um zu sehen, dass die Müllhalde des Europäischen Autoverbrauchs, (da fährt alles noch 30 Jahre das bei uns kein Hund mehr anschifft) der Grund ist für den teils äzenden Smog.
    Aber wahrscheinlich hat man den Politikern nur die Maseratis und Ferraris der Oberschicht vorgeführt und die gewaltige von der EU finanzierte Solaranlage in Quarzazate präsentiert.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Jürg Häusermann  (Ebenda)
    Die Rangliste ist völlig irreführend. Mit den Importen ist Co2 verbunden, das Co2 unserer Exporte aber dann bitteschön den Exportländern anzurechnen. Ich habe 3 Monate in Marokko verweilt. Viele Menschen wissen gar nicht, was Umweltschutz ist, sie können es sich auch nicht leisten. Strom aus Sonnenkraft wird dort für den Export hergestellt. Das Foto zeigt ein Extremfall umweltpolitischer Sünde, natürlich mit schwarzen Regenwolken, ist dramatisch. SRF sollte sich schämen.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen