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UNO-Klimakonferenz in Polen Endspurt der Treibhaus-Diplomaten

Legende: Audio UNO-Klimakonferenz auf der Zielgeraden abspielen. Laufzeit 01:34 Minuten.
01:34 min, aus HeuteMorgen vom 10.12.2018.
  • Heute Montag beginnt die zweite, entscheidende Woche der UNO-Klimakonferenz im polnischen Kattowitz.
  • Doch das angestrebte Regelwerk, das die Teilnehmerländer zu verbindlichem Handeln anhalten soll, scheint bisher noch ein zahnloser Tiger zu sein.
  • Der Schweizer Verhandlungsleiter Franz Perrez warnt vor Abmachungen, die am Ende «zu viele Schlupflöcher offen lassen».

Im polnischen Kattowitz beginnt die entscheidende Woche der UNO-Klimakonferenz. Es ist die wichtigste Konferenz seit vor drei Jahren in Paris das neue Klima-Abkommen abgeschlossen worden ist.

Denn nun sollen die Staaten das zugehörige Regelwerk verabschieden. Doch sie streiten darüber, wie viele Zähne dieses Regelwerk bekommen soll.

Das Pariser Abkommen braucht scharfe Zähne

Spendieren die fast 200 Vertragsstaaten des Pariser Abkommens dem Regelwerk scharfe Zähne, hilft das dem Klima. Denn scharfe Zähne heisst zum Beispiel, dass die Länder genau angeben müssen, wie viel Treibhausgase sie reduzieren werden - und dass sie später genau offenlegen müssen, ob sie dieses Ziel auch erreicht haben. Das schafft Transparenz und damit Verbindlichkeit.

Demonstrantin mit Transparent
Legende: Das Mammut-Treffen in Kattowitz wird von zahlreichen Demos begleitet. Reuters

Doch manche Länder bremsen bei dieser Transparenz, Schwellenländer wie China etwa. Dafür kneifen die Industrieländer aus der Sicht der Schwellenländer bei den Klimahilfsgeldern, die auch im Pariser Abkommen vorgesehen sind.

Ausgang offen

Nach einer Woche Verhandlungspoker ist der Ausgang offen, sagt der Schweizer Verhandlungsleiter Franz Perrez: «Es gibt noch viele Fragen, die derart schwierig sind, dass es durchaus auch möglich ist, dass wir uns bis Ende Woche nicht auf die nötigen Regeln einigen können.»

Rein verfahrenstechnisch wäre dies kein Beinbruch, denn das Pariser Abkommen wird erst im Jahr 2020 wirksam: die Staaten hätten also noch Zeit, um das Regelwerk zu beenden. Für Franz Perrez wäre dies die bessere Lösung, als nun um jeden Preis ein Regelwerk ohne Zähne zu beschliessen: «Wenn diese Regeln schlecht sind, wenn sie zu viele Schlupflöcher offen lassen, dann wäre das ein Schaden für die nächsten Jahrzehnte.»

Es droht ein schlechtes Signal

Allerdings haben sich alle Beteiligten auf einen Abschluss in Kattowitz eingestellt.

Käme es anders, wäre dies klimapolitisch ein äusserst schlechtes Signal - zumal alle Länder bisher deutlich weniger Treibhausgase reduzieren, als es eigentlich nötig wäre, um die Erwärmung der Erde wie beschlossen bei anderthalb oder zwei Grad zu stoppen.

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14 Kommentare

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  • Kommentar von N Zehner (ZeN)
    Was für eine treffende Bezeichnung im Titel: Treibhaus-Diplomaten. Wie in einem Treibhaus werden die Klima-Themen mit Klimacomputern abschottet von Realität draussen in der Welt herangezüchtet. Wie in einem Treibhaus gibt es keinen direkten Einfluss der Sonne, auch gibt es keine nordatlantischen oder pazifischen Oszillationen der Meeresströmungen in diesen "Treibhäusern", so wie es keinen Wind in wahren Treibhäusern gibt. Das Bild könnte noch viel weiter so gesponnen werden…
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  • Kommentar von A. Keller (eyko)
    Das auch die Schweiz mit Emissionspapieren handelt ist blauäugig. Dieser Gipfel wird wie "Ausser Spesen nicht's gewesen" sein. Steigende Temperaturen in der Zukunft könnte die Schweiz Milliarden kosten, ausser man tut endlich etwas dagegen. Mit "man sollte, man müste, man könnte", kommt man nicht weiter. Konkrete Massnahmen sind gefragt und müssen durchgesetzt werden, auch wenn es weh tut. Denkt an die kommenden Generationen, an die Natur und Tierwelt, sonst verlieren wir alles und das tut weh.
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  • Kommentar von A. Keller (eyko)
    Die Aluminiumproduktion raubt den Menschen im brasilianischen Regenwald ihre Lebensgrundlage. Weil es dort riesige Bauxitvorkommen gibt, werden grosse Waldflächen abgeholzt und die Flüsse mit giftigem Schlamm verschmutzt. Die Autoindustrie preist Aluminium als umweltfreundlich, weil es Autos leichter macht. In Brasilien werden deshalb riesige Wasserkraftwerke gebaut, deren Stauseen ganze Landstriche überfluten. Die verrottenden Pflanzen in den Seen wiederum erzeugen das Treibhausgas Methan.
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